Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1844)
- Date
- 1844-07-16
- Page
- Seite 220 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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220 che schwere Reise aus Eitelkeit zu unternehmen, und Herr Dr. Hirschfeld, obwohl ein junger Rabbiner, der die Bestrebungen der Zeit theilt, hat durch sein Stillschweigen bei allen öffentlichen Unternehmungen, die seinen Amtsbrüdern einen Namen im Judenthume erworben, deutlich bekundet, daß es ihm nicht darum zu thun ist, seinen Namen in Zeitungen siguriren zu sehen7 8 9). Wir wissen es genau, da ec unS persönlich bekannt ist, mit welchem Widerstreben er der Sendung folgte. Es ist mit der größten Gewißheit zu behaupten, daß die Plane,. die sie verfolgten, nicht von ihnen ausgegangen sind; sondern daß sie ihnen vorgelegt wurden. Ueber den Inhalt derselben herrscht auch hier die größte Unsicherheit, und über die zurückhaltenden Äußerungen mögen sie von vielen misverstanden worden sein s). Die vielen widersprechendsten Zeitungsartikel von einer Kolonisation in Texas oder Amerika haben bereits zur Genüge dargethan, daß alles, was im Publikum verlautet, eitel erdichtet ist^). Es ist aber mit der größten Sicherheit hier allgemein bekannt, daß die Cheremprojekce beiden Herren fremd sind; schon vor drei Jahren wurden solche Vorschläge von der Regierung proponirt, und von dieser einem versammelten Rabbinerkollegium vorgelegt, um auf diese Weise den verderblichen Schmuggelhandet zu unterdrücken. Es ergiebt sich daraus, daß an dem Vorhandensein eines Briefes an einen dortigen Vanquier von H. Hirschfeld betreffend den Eherem, von dem die Rede ist, mit Recht zu zweifeln ist, und hoffen wir, daß Hr. L. nach der Wahrheit die Sache beantworten wird 10). Deshalb ziehen wir auch in Zweifel, daß Hr. H. behauptet habe, allein für die Juden wirken zu können, da kein Mensch auf Erden dies zu thun im Stande ist; und wahrlich solche Worte in diesem Sinne von einem Manne wie Dr. H. nicht ausgesprochen werden können. Wohl aber glauben wir, daß Hr. H. widerrathen, Broschüren zu schreiben, um lieber der Sache ihren Laus zu lassen. Wo die bedeutendsten Organe der Presse in Frankreich und England vergebens bis jetzt sich bemühten, dürften wohl auch die Arbeiten des H. S. ohne Erfolg bleiben, und wenn sie zu Ohren des Machtinhabers kommen sollten, gerade Misstimmung erwecken. — Sind ja erst auch neulich wie wir gehört, Emissäre von den Juden an die Redaktionen der bedeutendsten Tagesblatter geschickt worden, um so viel als möglich jedes Gerede über die Grenz¬ 7) Bei dieser Angelegenheit ist aber die Oeffentlichkeit sehr nothwendig und das Gegentheil ein Fehler. Red. 8) Das ist wahr. Daher dürfen sie sich über Verdächtigungen nicht beklagen, das liegt in der Natur der Sache. Red. 9) Aber eben deshalb glaubt das Publikum, daß auch die Mission erdichtet. Red. 10) Die Cheremgeschichte ist für das Publikum gleichgültig. Uebrigens hat es Hr. L. gethan. Red. angelegenheiten zu unterdrücken, da sie durch dergleichen Bemühungen Verdächtigungen , als hatten sie es veranlaßt, und Plackereien aller Art ausgesetzt sind u). FM H. S. indessen doch seine Broschüre von Stapel laufen lassen, so thue er es, und lasse er die Bestrebungen eben so unverdächtig^ als er will, daß man die seinigen lasse; es kann daher die Versicherung gegeben werden, daß Hr. E. und H. nicht unberufen gehandelt und die Plane nicht aus ihrem Kopse ersonnen. Schluß des Redakteurs. In dem dieser Korrespondenz beigelegten Briefe von einem mir übrigens ganz unbekannten Herrn, ergießt sich der Schreiber in Schmähungen theils über diejenigen, die es wagen, an die Rettung Israels durch Herrn Hirschseld zu zweifeln, theils über den Orient, der von irgend einem Korr, solche Zweifel aufnimmt. Ec drohet dem Oriente mit dem schwersten Banne, wie vor Jahren ein gewisser Mauksch in Ungarn es gethan, was er auch anfühn. Darauf erwiedere ich dem mir unbekannten Schreiber, daß ich ihn eben so herzlich und inniglich verachte, wie ich jenen Mauksch verachtet, und daß diese Drohung keim Grund abgeben kann, gemessene Zweifel in die Wirklich: keit, Ehrlichkeit jener Hirschfeld'schen Mission aufjii; nehmen, und ich glaube, daß Hr. Dr Hirschseld, den ich hochschätze und achte, die Mission eines Blattes beffer zu würdigen wissen wird, als jener unbekannte Schreiber. Wenn der neue russische Censur-Bann gegen meinen Orient ihn nicht zur Abweichung von seiner Bahn verleiten kann, wenn die durch russische Agenten angebotem Bestechungen ihn nicht philo-russisch machen können, wahrlich so wird es der Bann eines Dummkopfs gewiß noch weniger thun. Uebrigens glaube ich dem Schreiber versichern zu können, daß ich Hm. Hirschseld mehr Freund bin als er. Oesterreich. ZKierr, 3. Juli. Herr Salomon von Rothschild hat bei seinem Abschiede von Pesth 8000 fl. K. M. bei Herrn Wodjaner angewiesen, die seiner Angabe nach folgender Weise repartirc wurden: 2500 fl. für städtische christliche und ebenso viel für jüdische WO thatigkeitsanstalten, 1000 fl. für jüdische Stiftungen und ebensoviel für christliche zu Ofen, 150 fl. für den Verein zur Begründung der Herminen-Kapelle, 500 fl. zur Begründung eines Musikkonservatoriums daselbst und 200 fl. zum Pesther Musikverein, 150 fl. zur Vertheilung an sonstige Bedürftige. Privatbesuche stattete er nur bei Hrn. 11) Auch bei der Red. des Orients war ein solcher Emissär aus Warschau, wie ich später erfahren, von der Regierung gesandt, aber durch diese Emissäre ist es klar geworden, daß die mystische Mission kein Heil bringt.