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Der Orient · 1844-07-16 · Heft 29 (16.7.1844) · p. Seite 219

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 29 (16.7.1844)
Date
1844-07-16
Page
Seite 219 (sequence 7)
Language
German
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219 Anm. des Einsenders. Auf diese Berichtigung föchte ich Uhland's Worte anwenden: Der Held bedacht' sich nicht zu lang: „Die Streiche sind bei uns im Schwang, Sie sind bekannt im ganzen Reiche, Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche". Altona, Ende Juni. Dieser Tage fand hier die Ergänzung des durch Todesfälle und sonstige Ausscheidungen reducirten Gemeinde-Borstandes statt. Bei dem Mhl-Akte selbst war die Gemeinde, außer durch ihren Vorstand, ferner noch durch sieben mittels des Looses bezeichneter Männer vertreten, gewiß eine höhere Bürgschaft, daß es sich um eine Wahl wahrhafter Volks- Vertreter handelte. Und in der That ist dies ein Umstand, der bei den jetzigen aufgeregten, mannigfach erschütterten jüdischen Zuständen gewiß der ernsten Beachtung, der sorgfältigsten Prüfung bedarf, die Wahl nämlich von Vorständen, die in der That, Vertreter ihrer Gemeinden sind. Uns will es bedünken, als wenn ein großer Theil der Schuld jener unheilvollen Zwistigkeiten, welche ganz besonders so manche größere Mutter-Gemeinde Israels, deren Regel früher „Frieden^, deren Starke ihre Einheit war, jetzt in ihrem Innern entkräften und der Auflösung entgegenführen, in einer durchaus mangelhaften Kolks-Vertretung läge. Wie wir m so mancher Beziehung uns von dem klaren Quell gottesweislichec Offenbarung, uns zu unserem Nachtheil entfernt, so auch hier. Als Moses zur Erleichterung der eigenen Berufs-Pflicht die ersten „Häupter" der Gemeinde erwählen sollte, da wies ihn ein göttlicher Fingerzeig zuerst „auf die Männer aus der Gesammtheit des Volkes", dann erst auf Mannes-Werth, auf Biederkeit und Religiosität h>n. , Wahrhaft ein sehr beachtenswerther Fingerzeig! Die Bedürfnisse einer jüdischen Gemeinde der Jetztheit, vorzüglich deren religiöse und intellektuelle, würdig zu vertreten, dazu bedarf es mehr, als allein der äußeren gesellschaftlichen Stellung, mehr ferner als trockener Fach-Gelehrsamkeit, dazu bedarf es vor Allem „Männer aus der Gesammtheit des Volkes". Männer, die das Volk Israels, nicht einen Stand reprasentiren, Männer, die im Volke, nicht über dos Volk stehen, Männer endlich, die nicht dem Nahmen Mtf), die in der That noch der Gemeinschaft des jüdischen Volkes angehören. Wir fragen aufrichtig, nochmals ohne alle und jede Persönlichkeit im Entferntesten dabei im Sinne zu haben: Wie stände es um den Frieden mancher unsrer ersten Gemeinden, wenn bei der Wahl der Vorstande mehr auf jenen, von der Gottheit selbst, als ersten Charakter der Wählbarkeit bezeichneten "der Männer auß der Gesammtheit des Volkes" Rücksicht genommen wäre?! Um übrigens der von uns beregten Wahl zu erwähnen, so erfreuen sich die Gewählten des unbescholtensten 3rufes der Religiösität und der Biederkeit, sind Männer, die wahrhaft dem Volke angehören, mitten im Volke leben. Vertrauen wir der Vorsehung, daß die vollendete Wahl dazu beitragen möge, jenes schöne Zusammenwirken, jenes wahrhafte Erkennen der Volks-Bedürfnisse, das bis dahin alles und jedes Wirken unseres Gemeinde- Vorstandes charakterisirt, auch ferner zu bewachen und zu erstarken, Frieden als erstes Bedürfniß allgemeiner Wohlfahrt zu erkennen, als sicherste Bürgschaft, wahrhafter Humanität, wahrhafter Religiösität. %. Posen, 8. Juli. In No. 27 des Orients hat Herr Louis Simon aus Hamburg einen Artikel einrücken lassen, der hier mit der größten Indignation*) gelesen wurde; nicht um ihn zu widerlegen, oder die angegriffenen Herren Eg er und Hirschfeld gegen ihn zu vertheidigen, sondern nur um das wahre Sachverhältniß, wie es hier allgemein bekannt ist, darzustellen, mögen folgende Zeilen einen Platz finden. Es ist hier allgemein bekannt, daß unser Rabbiner wie sein Schwiegersohn Herr Dr. H. lange Zeit von einer Seite angegangen wurden, eine bestimmte ihnen aufgegebene Mission auszuführen 1 2), daß sie sich aber eben so lange geweigert haben; die vielen Emissäre, die aus- und eingehen, haben dies zur Genüge jedem bekundet. Nur die edelsten Beweggründe haben dann unfern greisen Lehrer bewogen, dem Ansinnen zu folgen, und so trat er in Begleitung seines Sohnes noch in der rauhesten Jahreszeit seine Reise an. In Berlin erkrankt, mußte er dem Letztern die weitere Ausführung überlassen, und hier zurückkehren. Es gehört wahrlich viel dazu, in solchen Handlungen einen Egoismus zu suchen, den bei dem entsetzlichsten Unglück, das den Glaubensbrüdern droht, zu verfolgen, nur die niedrigen Charaktere fähig sind 3 4 5 6). Beide Herren haben ihre praktischen Stellen und sind der Welt bekannt; sie haben sich nie in fremde Angelegenheiten gemischt^); und nie sind von ihnen Pläne ersonnen^ oder davon aus Ostentation etwas veröffentlicht worden, was doch der leichteste Weg wäre, sich einen Namen zu machen 3). Unser greiser Oberrabbiner steht gewiß über jeden Verdacht erhaben, eine sol- 1) Ich habe nichts Jndignirendes in jenem Artikel gefunden und mit mir gewiß auch kein Leser des Orients, es sei denn der panegyrische Korr., der wohl in dieser Sache nicht zu Hause ist. Red. 2) Das ist es eben, was jeder vernünftige Leser bis auf andere Beweise verneinen muß. Man hält die aufgegeben sein sollende Mission so lange für Erfindung, bis man davon bester unterrichtet ist, und das kann wohl keiner dieser Herren übel nehmen. Red. 3) Aber eben wegen des großen Unglückes der Gtaubensbrüder sollten die Herren offen und ehrlich, nicht geheimpolizeiartig verfahren. Red. 4) Uns sind diese Angelegenheiten keine fremde? Red. 5) Das ist es, was das Publikum nicht weiß und nach den Resultaten zu schließen fast glauben könnte. Red. 6) Das würde aber für Hrn. Simon beweisen! Red. 29 *

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