Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1844)
- Date
- 1844-07-16
- Page
- Seite 218 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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218 schm Cherem gegen die Schmuggler unter hen russischen Grenzjuden nicht von Hrn. Rabb. Eger ausgegangen war und Hr. L. Simon sich mithin in dieser Hinsicht in einem Jrcthume befindet, dessen Verbreitung durch den Druck er ebenso wie das Ausposaunen dessen, was zwei edle Damen für die unglücklichen russischen Brüder unternommen, schicklicher unterlassen hatte. Wer etwas Gutes um des Guten selbst willen thut — oder versucht, der sieht sich sehr ungern in seinem Beginnen durch Zeitungslob überrascht, und am wenigsten kann es der liebenswürdigen Bescheidenheit jener hochherzigen Damen willkommen sein, wenn ihre edlen Handlungen so den Blicken aller Welt ausgesetzt werden. Hr. S., der die Güte hat, mich seinen Freund zu nennen, wird hoffentlich auch so gütig sein, mich künftig mit ähnlichen Beweisen se i n e r Freundschaft zu verschonen. — Bei dieser Gelegenheit darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß sich, und zwar von C re seid aus, vor einiger Zeit das Gerücht verbreitet hat, Hr. Dr. Hirschfeld, welcher hier aller Welt und auch mir von einer Audienz, die er und sein Schwiegervater, Hr. Eger, beim König von Preußen in Angelegenheiten der russ. Grenzjuden gehabt und die ein sehr günstiges Resultat gehabt habe, sei in Erefeld befragt worden, wer ihn und seinen Schwiegervater bei Sr. Maj. eingeführt, und Hr. H. habe einen bekannten berliner Banquier, Hrn. M—r, als die Person namhaft gemacht, die ihm diesen wichtigen Dienst erwiesen. Bei Hrn. M—r. deshalb angestellce Erkundigungen hatten jedoch das sonderbare Ergebruß gehabt, daß Hr. M—r. von der ganzen Geschichte nichts zu wissen, und an die Audienz überhaupt nicht zu glauben erklärt habe!! Da es durch die nicht eben diskrete Aufforderung des Hrn. S. nun einmal an den Tag gekommen ist, daß meine Freunde und ich lebhaften und thätigen Antheil nehmen, und da es allerdings befremdend erscheint, daß von den schonen königlichen^ Verheißungen, die wir hier so gerührt aus dem beredten Munde des Hrn. Dr. H. nacherzählen gehört, sich noch immer keine wahrnehbare Folge zeigen will, so wird es mir Hr. Dr. H. nicht übel deuten, wenn ich ihn auf diesem Wege bitte, meine Freunde und mi ) über jene Gerüchte, deren Quelle ich anzugeben vermag, zu beruhigen, und sich von dem auf ihn geworfenen Verdacht einer groben Mystifikation zu reinigen. Ich wünsche, hoffe und erwarte, daß dies möglichst bald und glänzend geschehe. L. H. Loewerrftenr. Frnnkfnrt er. M., 5. Juli. Mit dem ersten der französischen Julifeiertage, mit dem 27. d. M., (Trostsabbat) wird endlich die erste heilsame Verbesserung in unser Kultuswesen durch Hrn. Rabb. Stein eingeführt werden. Gebete für das Wohl des Staats, der Gemeinde und der Regierung in deutscher Sprache werden die Gebete Jekum Purkan und Mi sch?. Berach ersetzen, und ein C h o r a l g e sa n g wird an die Stelle des bisherigen Chasanut treten. Zugleich wird auch das Versteigern der Mizwot für immer abgeschH sein. So hatten wir doch wenigstens einstweilen einen guten Anfang! Möge Hr. Stein, von äußern Einflüssen ungestört und uneingeschränkt, auf dieser segensreichen Bahn weiterzuschreiten fortfahren; der Beifall aller Wohlgesinnten wird ihm alsdann gewiß nicht entgehen, und ebensowenig die Anfeindungen beider Extreme ihm schaden können» Stuttgart, Mitte Juni. (Verloosung eines Lelgemäldes.) Seine Excellenz der Herr Generalleutnant von Bang old hat der israelitischen Waisenanstalt Wilhelmspflege in Eßlingen, die bei der letzten Verloosung des Kunstvereins gewonnene schöne Winterlandschast, Kranenburg von Peters, mit der Bestimmung zum Geschenk gemacht, den Zins aus der durch Verwerthung des Bildes erlösten Summe alljährlich zu einem Preis für denjenigen aus der Anstalt tretenden Zögling ju verwenden, welcher sich durch Sittlichkeit und Fleiß am meisten auszeichnete. Höherer Erlaubniß zufolge wird nunmehr das genannte Oelgemalde im Wege einer Lotterie, und zwar mit Verausgabung von 250 Loosen ä 1 fl., verwerthet und um das Andenken an den edlen Geber für alle Zeiten in dankbarer Erinnerung zu erhalten, das dadurch erhaltene Kapital unter dem Namen: „Freiherrlich von Bangold'sche Stiftung" verwalte! werden. Für den Anschuß Der Vorstand:. Dr. Dreifus. Stuttgart, 25. Juni. (Berichtigung.) In einem frühem Artikel ist die mir jetzt zu Gesicht gekommene Anzeige enthalten, daß ich der israelitischen Waisenpslege in Eßlingen eine kleine Schenkung gemacht habe, welche unter dem Namen: „Freiherrlich von Bangold'sche Stiftung" verwaltet werden wird. Um nun in Betreff des aus bloßem Jrrthum gebrauchten Prädikats Frei; herrlich einer etwaigen Misdeutung zu begegnen, sehr ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich von bürgerlicher Herkunft bin und daß ich allerseits durchs keinen Grund finde, eine andere Abstammung zu wülu schen oder auf irgend eine Weise vermulhen zu lasse». Im Uebrigen würde ich wider die einfache Anzeige dn obigen Thatsachen nichtseinzuwenden haben. Denn es kM mir nicht unangenehm sein, daß man erfahre, daß allr Menschen, in welcher Religion sie geboren sein möge», gleichen Antheil an meinem Wohlwollen haben, und Ä habe überdies einen Werth darein gesetzt, diese Gesi'nmwg besonders gegen die israel. Konfession zu bethatigen, f' reibe weil den Bekennern derselben, auch jetzt im 19. Jahrhundert, von manchen Christen noch immer nicht dir ebenbürtige Geltung in Bezug auf Menschenwürde uflö bürgerliche Rechtsansprüche zugestcmden wird. v. Bangold, Generalleutnant a. 9«