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Der Orient · 1844-07-09 · 28 (9.7.1844) · p. Spalte 435-436

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
28 (9.7.1844)
Date
1844-07-09
Page
Spalte 435-436 (sequence 2)
Language
German
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435 436 Kritiken. Hirsch's Religionsphilosophie beurtheilt von Dr. Steinheim. ihn faßt. Oder er wendet sich entschlossen zum absoluten Begriffe zu Spinoza's demonstratio more mathematieo; aber dann fort mit dem Worte Freiheit, und her mit dem cönatus suum Esse conservandi oder den nahe verwandten SelbsterhaltungenHerbarr's. Nur kein „Schreiten zwischen zw een Schwellen!" Nur rein sei die Lehre! Verhältnis; der Philosophie der Religion zur Religionüberhaupt. p. XXIV. „Alles Wissen, wenn es ein wirkliches Wissen, nicht blos subjektive Einfälle sind, ist nämlich gerade wie das unmittelbare religiöse Wissen, von der Nothwendigkeit des Geistes producirt .... die Kategorien sind der Geist an sich ... Sie erscheinen aber nicht als der Geist an sich, sondern als ein Aeußerliches „als das Ding an si ch", das der Geist hat und nicht ist. Das Aeußerliche erkennt der Geistals das Andere Seiner, als Natur. Aber der Geist ist nicht dies Sich äußerlich Sein, und so findet er sich als den aus diesem sich äußerlich Gewordenen Zurückgekehrten oder als Geist. Er findet sich hier erst als das An sich des Geistes, das er in der Logiknur h a t t e, als Sich selbst. Hier beginnt also nun erst die Philosophie der Religion oder die Philosophie des Geistes. Sie setzt also voraus: die Phänomenologie des Geistes, die Logik, die Naturphilosophie". Mit Einem Worte das Hegel'sche ganze System, von dem uns unser Theologe das Grundschema, das Maaß seinerTheologie, abgeschrieben mittheilt. Das mag Alles recht gut sein, und ich will es für alles in der Welt nicht verantworten, irgend einen religiösen Israeliten, der sich auf's innigste des Inhalts seines Glaubens vergewissern, ihn zum Bewußtsein aus seinem dunkeln Gefühle erheben will, das dialektische System Hegel's nach H. H i r s ch 's Angabe gründlich zu studiren! Ich habe selbst an mir erfahren, von wie unendlichem Nutzen tiefere Denkstudien sind; ich habe von diesen gelernt, wie es nicht ist und verdanke ihnen also viel. Für die Vielen aber, die diesen Weg nicht wandeln mögen, wäre es doch nicht ohne Nutzen, diese mysteriösen Ausdrücke in populäre, wenn auch nur annährungsweise, zu verwandeln. Der Herr Sam. Hirsch lehrt uns, das, was uns unsere Vorfahren unter dem Titel einer Offenbarung Gottes überliefert haben, war eigentlich nichts, als innerliches Wissen, ein Erkennen ihrer innern Natur, und diese Erkenntniß erschien den guten und „gutmürhigen" Leuten in ihrem unbewußten Drange als ein Aeußeres, gerade so wie uns die ganze Natur als unser Aeußeres sich darstellt, und damit eben nur Täuschung ist, denn sie ist ja in Wahrheit weiter nichts, als die Kategorien, die Denkformen unsers Geistes, die wir, indem wir sie denken, vermöge einer Naturnothwendigkeit, gleich als wäre dies wirklich Etwas, was sich außerhalb Unser befindet, ansehen. Hegel z. B. hat es bewiesen, daß der Magen z. B. nichts ist als die Verdauung, denn Verdauung ist die Kategorie des An —sich—seins des Magens; diese Kategorie, sein Wesen, ist aber nur unser Denken, unser Innerliches, das wir uns, wenn wir es uns als etwas Aeußerliches vorstellen, einbilden, als etwas darstellen, das die Verdauung an sich habe; aber diese ist nicht an sich, sondern ein Denken des Proceffes, und seines Scheines im Andern, dem Magen. Es ist also nur in unserm Geiste der Magen als konkrete Verdauung, der Magen an sich ist Schein, ist das Nichts, die Schranke der denkenden und gedachten Verdauung. Eben so nun, wie wir, vermöge einer Geistesnothwendigkeit, und auf die Aussage gutmüthiger Anatomen und Psychologen den Magen als etwas Aeußerliches ansehen, und wenn wir nicht tiefe Denker sind, anzusehen uns genöthigt finden; eben so sahen unsere frommen Vorfahren die Erscheinungen und Gedanken, die ihnen als von Gott, äußerlich zu ihnen kommende erschienen, für wirklich äußerliche an, während sie alle, wie wir am obigen Beispiel von der Kategorie der Verdauung und des Magens wahrgenommen, nur Gebilde des innerlichen Denkprocesses im Menschen in der Wahrheit bilden. Wenn wir auch nicht zweifeln, daß Viele über diese tiefe Weisheit staunen, und sich besinnen werden, welche Dummköpfe sie bisher gewesen, und nicht begreifen werden, wie sie bisher immer Sonne, Mond und Sterne als etwas für sich Seiendes, für etwas betrachtet haben, das da droben in unendlicher Ferne über ihnen schwebend sich bewegt, da dies alles doch nur in ihrem eigenen Seelenorgane, in ihrem eigenen Kopfe, oder womit sie sonst den Denkproceß' vollziehen, vorgeht; so glauben wir doch, die wir alle noch von dem Hegel'schen Lichte nicht durchleuchtet sind, und noch im Wahne der gutmüthigen Vorfahren fortleben , daß unser Herr Verfasser nicht recht daran gethan, seine Schrift nicht geradehin, sein philosophisches System, sondern vielmehr Philosophie der Religion, und zwar der jüdischen, zu nennen, und jenen Altvordern diese Art Gutmüthigkeit aufzuheften. Wir kommen nun, nachdem wir wissen, was die Philosophie der Religion ist, zur Eintheilung der Philosophie der Religion. Es ist die Reisebeschreibung des Geistes vom Nichts, seinem Ansichsein, zum Werden, dem Fürsichsein, bis ins gelobte Land des Geistes, des Zu-sich-kommens. — Da wird nun der tiefdenkende Hegel scharf getadelt, daß er es dem Menschen so sauer gemacht (p. XXV.); denn nach ihm hätte derGeist, auch da, wo er sich selbst erfaßt, noch einen langen Weg zu machen, ehe er sich als den religiösen erfaßt; da dies doch kürzer, ungefähr auf 884 Seiten, zu vollbringen steht. Aber damals war die Dampfkraft noch nicht so sehr in Anwendung-. Wir hoffen nur noch auf die Direktion des Luftballons, dann wird Alles gar schnell, schnell wie der Wind, der Alles treibt, vorwärts gehen. — Wer könnte denn auch ernsthaft bei solchen windigen Spaßen bleiben, die auf unser Religionssystem paffen, wie Faust auf's Auge! Mögen diese apriorischen Windbeuteleien dort ihr Wesen treiben, wo sie einen mystisch-

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