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Der Orient · 1844-07-09 · Heft 28 (9.7.1844) · p. Seite 215

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 28 (9.7.1844)
Date
1844-07-09
Page
Seite 215 (sequence 10)
Language
German
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215 derer werden« In voller und ganzer Emancipation wird er die Fehler verlieren, die man chm gemeinhin vorwirft, Man sehe ihn doch in Frankreich, und man vergleiche damit seine Demoralisation in Polen und Rußland. Knechtschaft und Sklaverei entarten jedes menschliche Wesen, und wie lange ist der Jude Knecht gewesen?!"— Gleiwitz, Ende Juni. Zeihen Sie mich nicht der Nachlässigkeit, wenn ich das Versprechen, von Zeit zu Zeit Berichte über Erscheinungen in unserer Gemeinde dem Orient zußommen zu lassen, bisher unbeachtet ließ. Zum Theil waren dieselben zu gering, um sie der Oefftntlichkeit zu übergeben, theils aber auch höchst unerquicklich, und ich allerdings die Leser des Orients verschonen wollte. Daß die katholische Geistlichkeit bei Einführung des Mäßigkeit-Vereins in Oberschlesien gegen das Judenthum gepredigt hat, und wie Letzteres nur das Mittel war, das Volk für dieses Unternehmen zu gewinnen, haben Sie wohl aus der schlesischen Tages- Presse erfahren. Nächst dem Drucke und der Schmach, welche die Judenheit Oberschlest'ens dadurch erleidet, find nun auch mehrere Familien, die nur die Schankwirthschaft zu ihrem Erwerbszweig hatten, förmlich brodlos geworden, was unvermeidlich war; denn abgesehen von dem bösen Mittel, wird ja kein rechtlich Denkender das Einfuhren solcher Vereine, die nur die Veredlung der untern Volksklassen zu bewirken im Stande sind, misbilligen, und stellt sich bei diesem. Falle wiederum klar heraus, daß es bei uns noch an Vereinen zur Verbreitung des Ackersbaues und der Handwerke gänzlich fehlt.— Zur Hebung des Gottesdienstes ist in unserer Gemeinde bisher noch wenig oder gar nichts geschehen, und wird derselbe noch ganz im alten Gleise fortgeführt; bei einem recht unruhigen Publikum, werden die Gebete mit dem Polnischen Singsang hergesagt. Allerdings ist dieser Uebelstand weniger dem Publikum als dem Mangel an einem tüchtigen, energisch einschreitenden, in Autorität und Achtung stehenden Rabbiner zuzuschrerben; denn daß hier auch ein gebildetes nach Wissenschaft strebendes Publikum mitunter ist, liefert der vor kurzem hier ins Le ben gerufene Lehr- und Leseverein genügenden Beweis. Hier angelangt, sei es mir vergönnt, über das in demselben Vorgegangene einzeln zu refeciren, vielleicht gelingt es mir dadurch, die Guten, die unserer heiligen Religion von Herzen zugethan sind, zum Fortfahren aufzumuntern, die Andern hingegen, die keine heilige Scheu haben, die Lehrer unserer Vorzeit herabzuwärdigen, zu. verscheuchen. Der Verein wurde durch ein Cirkulardes Herrn Kaufmann I. L. Nothmann und Hcn. Lehrer Fuchs, der das Bedürfniß eines solchen genügend darthar, ins Leben gerufen. Durch die wohl getroffene Wahl des Vorstandes in Person der Hrn. Kausteute I. S. Nothmann, Emanuel Loewenfeld und des Rabbinats - Kandidaten S. H. Kürschner wurde der Verein konstituirt und am zweiten Tage des Wochenfestes durch einen Vortrag des Rabbinats- Assessor Hr. A. Deutsch eröffnet. In einer Einleitung sprach der Redner, über den Satz: „Jeder Verein, der für die Ehre Gottes eingerichtet wird, besteht", und wies darauf hin, daß nur ein Verein, der aus Liebe zu Gott und zur heiligen Religion gestiftet wird, bestehen und segensreich wirken kann. Im Vortrage selbst sprach er über die Bedeutung des Tages. Gehet auch diesern Redner einigermaaßen die Macht der Sprache ab, st ersetzt er dieselbe doch durch einen Schatz von guten Gedanken, wie überhaupt Hc. Deutsch besondere Fertigkeit im Auslegen dunkler Talmud-Stellen besitzt. Am zweiten Sonnabend folgte ein Vortrag des Hm. Lehrer Fuchs, in welchem derselbe in gutem Style und recht kräftiger Sprache darthat, was noch der israelitischen Schute fehlt, und warum der Knabe die ihm in derselben beigebrachten Kenntnisse so schnell vergißt. Zn seiner dann folgenden Rede will Herr Fuchs die Mittel zur Beseitigung dieser Hemmnisse angeben. Am dritten Sonnabend besprach Hr. J.S.. Noch; mann die neuesten Ereignisse im Judenthum und will hiermit monatlich fortfahren, was wir nur für höchst lobenswerth anerkennen müssen., zumal dadurch demjenigen, der durch Geschäfte und Berufspflichten gehindert ist, die. Journale und neuen Erscheinungen des Judenthums zu lesen, ein schwacher Ersatz gegeben wird. — Herr Rabbinats-Kandidat S. H. Kürschner setzte am vierten Sonnabend in einem Vortrage die Zweckmäßigkeit eines solchen Vereins und wie derselbe behandelt werden müsse, um ihm ein dauerndes Bestehen zu sichern, auseinander. Diesen uns übrigens vortheilhaft bekannten junge Mann, muß ich hier tadeln, weil er von seinem Hauptthema abgewichen ist, um den Vortrag des Herrn Fuchs anzugreifen, um so mehr, da ihm dieses nicht gelang. Auch die Urbanität ist eine Tugend. Und es war am fünften Sonnabend nach der Gründüng des Lehr- und Lese-Vereins, als Her? G. (Lehm) in einer Rede auftrat, um das Judenthum mit seinen Schätzen zu bereichern. Nachdem er mit.der Erzählung, wie viel Anstrengung und Mühe ihm die Anfertigung seines Aufsatzes gekostet, — daß. er nicht das Werk eines Tages sei, sondern daß er die Mußestunden eines vollen Semesters dazu verwendet habe —, die Aufmerksamkeit der Anwesenden einigermaaßen harr erprobt, stellte er als zu behandelndes Thema die Frage auf: Ist der Unterricht der hebräischen Sprache in jüdischen Schulen nochwendig, oder soll in Israel. Schulen überhaupt Hebräisch unterrichtet werden? Nun begann dieser gute Mann zunächst gegen den Talmud los^uziehen. Der Talmud, den Herr G. das W der Finsterlinge zu nennen beliebte, soll aus Zeituud Ortssragen zusammengesetzt sein; würde man, fahrt Hl. G. fort, die gegenwärtigen Zeitftagen von der lächerliche"

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