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Der Orient · 1844-07-09 · Heft 28 (9.7.1844) · p. Seite 214

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 28 (9.7.1844)
Date
1844-07-09
Page
Seite 214 (sequence 9)
Language
German
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214 bet§ einen für De. Salomon, den dieser erwiederte, Dr. Heß für Dr. Geiger, Hirsch für Bodenheimer, den Abwesenden, wobei besonders auf die gemeinschaftliche Aufrichtigkeit der Gesinnung bei aller Divergenz der Ansichten aufmerksam gemacht wurde, Hr. Adler in einem iMovisirten Verse für Dr. Holdheim, den Mann des Talmuds, der Wissenschaft und des Humors. Das beigelegte Gedicht*) von einer Schwester eines anwesenden Komitö-Mitglieds wurde von einem herrlichen Mannerchor dabei gesungen. Vortreffliche Musik hob ungemein die Feierlichkeit und weckte ernste Heiterkeit. Das Abendessen fand Dienstag Abend statt. Vor dem Schluffe der Sitzung wurde vorgebracht, daß Herr Rothfels aus! Kasse! 100 Thtr. für die zu bildende Vereinskaffe bej willigt habe und der Ort, wo im zukünftigen Jahre die j Zusammenkunft statthaben solle, berathen, wobei Frankj furt a. M. einstimmig bestimmt wurde. Als Komile- Z Mitglieder zur Präparative für die zukünftige Versammlung und der Empfangnahme und Besorgung der daraus; bezüglichen Korrespondenz wurden ernannt Dr. Stein, f Dr. Formstecher, Dr. S. Adler und A. Adler Ln Worms. | Der Letzte wollte zu Gunsten des Herrn Dr. Jakob Auerbach in Frankfurt abtreten und bemerkte, als man I auf seine Abwesenheit aufmerksam machte, daß derselbe p sich früher bei Dr. Philippson gemeldet habe, von dem- |!p selben aber nicht genannt worden sei. Letzterer entschulg digle sich dadurch, daß er von der Stellung desselben in Fmkfutt Nichts gewußt habe, wobei jedoch von meh- ' men Seiten in Erinnerung gebracht wurde, daß mehrere , Artikel in den Organen des Judenthums von seiner ^Stellung zur Zeit seiner Aufnahme gesprochen haben. Gegen die Wahl des Dr. Auerbach wurden jedoch an- - dere, von dessen Interesse selbst hergenommene Gründe i geltend gemacht, so daß Hr. Adler in Worms sich bewo- \] gen fand, die auf ihn gefallene Wahl anzunehmen. — Hamburg, 1. Juli. Nachdem Sie Ihren Lesern sin der Nummer vom 18. Juni) die treffliche Stelle im ersten Bande von Mügge's „Skizzen aus | *) Seid allesammt gegrüßt, Ihr rüst'gen Streiter, i Ans heil'gem Schlacht - Gesild z l Ermattet nicht, o kämpfet muthig weiter; Euch deckt des Höchsten Schild! | Des Geistes Fackel, einmal angezündet, s Wird leuchten immerdar, j Bis vor dem reinen l^immelsglanz entschwindet l Der nächt'gen Geister Schaar. - ' Und ist zur Erndte reif die Saat geworden, l- Die Ihr jetzt ausgestreut, i, So eilet dann vom Süden und vom Norden Zur Welfenstadt wie heut! ) Der heil'ge Kampf, hier hat er angefangen, 7 Hier lass't uns einst begeh'n Das Siegesfest — und sind wir heimgegangen, Lasst's unsre Kinder sehen. dem Norden" (Hannover 1844) in Betreff der norwegischen Juden mitgetheilt, werden dieselben es Ihnen sicher Dank wissen, wenn Sie sie auch mit folgenden Sätzen aus dem zweiten Bande, die mehr praktisch-politischer Natur, aber ebenfalls auf die Verhältnisse der Juden bezüglich sind, bekannt machen: „Der Kaufleute aber (in Bergen) sind viele und sie verderben sich den Preis nicht leicht und können es auch nicht. Dieser Zustand wird sich andern, wenn die Juden einmal ins Land kommen. Es wird für die Kaufleute schlimm werden, allein die Konsumenten werden sich ganz wohl dabei stehen *)> Der jüdische Kaufmann wird zufrieden sein, etwas zu verdienen, er wird für sich nicht so viel brauchen, tausend Mittel finden, Handel und Wandel an sich zu ziehen, und was Jahrhunderte ungestört bestanden hat, umformen und mittelst seines Spekulationsgeistes einen neuen Aufschwung geben. Ec wird den Nordländern neue Preise machen für ihren Thran und ihre Stockfische, ohne sich an Mäkler- und Kaufmannsvereine zu kehren; er wird die Fahrzeuge mit neuen billigen Waaren bepacken, billiger, als sie diese je gehabt; er wird das Holz der Bauern und die Heringe der Fischer kaufen und höher bezahlen; denn er wird neue Absatzwege finden; er wird Industrie im Lande zu erwecken suchen und neues Leben in dies schläfrige erstarrte Treiben bringen, das vom Vater auf den Sohn geerbt ist, und darum wird es in vielem Betracht gut sein für Norwegen, wenn die Söhne Abrahams kommen und ihre Laubenhütten auf diese Felsen bauen, von denen das ruhelose Volk bisher ausgeschlossen war. Die Kaufleute in Bergen wissen wohl, was sie zu fürchten haben, und in keiner Stadt ist man so erbittert über die Verhandlungen im Storthing zum Zweck der Judenfrage wie hier. Aber es wird ihnen nichts helfen und darf ihnen nichts helfen. Mögen sie sich anstrengen und durch Thätigkeit die neuen Konkurrenten ertragen lernen. Es ist eine alte, tiefgewurzelte Abneigung in den Norwegern, sowohl gegen Katholiken wie gegen Juden, eine Folge der finstern Gesetze, welche beide aus dem Lande bannten; aber auch dieser wird vergehen." (Mügge, Bd. II. S. 81—83.) „Eine solche Besorgniß (daß der Katholicismus nach 300 Jahren wieder festen Fuß in Norwegen gewinnen könne) ist eben so thöricht, als daß die Juden, wenn ihnen der Eintritt gestattet wird, in Schaaren kommen werden, um sich im Lande anzusiedeln. Ja, sie werden kommen und den Schacher mitbringen, sie werden Einfluß gewinnen auf das industrielle Leben und wie sie Gutes bewirken, werden sie auch Schlechtes mit sich schleppen, wie wir es alle Tage bei uns sehen, wo sie einzelne Handelszweige fast ganz an sich gerissen haben. Aber die Norweger werden lernen und in einem freien Lande wird auch der Jude ein An- ’) Tout eomme chez nous. i 28

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