Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1844)
- Date
- 1844-07-09
- Page
- Seite 213 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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213 jenem heiligen Nimbus, der uns an unsere Institutionen fesselt, nur den verpönten Namen „Jude" zu behalten strebt, auf den immer der Alp des mittelalterlichen Druckes lastet. Daß wir übrigens auch ein gutes Rednertalent und geistreiches Reden bei einem solchen Manne voraussetzen, braucht nicht bemerkt zu werden. In einer Gemeinde wo ein Jos. Perl, wo ein Rapaport gesprochen, wird man sich nicht mit der magern Kost eines gehaltlosen Wortgeklaubes begnügen, und nur Reden von reellem und gediegenem Gehalte werden Anklang finden können. Daß übrigens ein Mann nach unserm Sinne eine sehr angenehme Stellung hier einnehmen, und in pekuniärer Beziehung gut versorgt sein wird, möge Jeder versichert sein. P.... Prag, 23. Juni. Unser Janhagel hat sich die gerechtesten Ansprüche erworben, in die neuesten ruhmvollen Annalen des Judenhasses ausgenommen zu werden. Die selige Libuffa-und noch eine Königin werden Freudenthranen in ihren Gräbern vergießen, daß ihre getreuen Unterthanen noch im Jahre 1844 den allen Judenhaß unbefleckt erhalten haben. Ist der ewige Jude sagenhaft, so ist doch der ewige Judenhaß kein Mythus. Riesenhaft sah man den Letztem in unfern Mauern einherschreiten, an die Thüren und Thore der Gebildeten, Aufgeklärten, ja der Gelehrten anklopfen und freundliche Aufnahme finden. Ob dieser Judenhaß zum czechischen oder deutschen Elemente unserer Stadt gehört, mögen die czechischen Gelehrten entscheiden. — Fabrikarbeiter lehnen sich gegen ihre Herren*), die zufällig der jüdischen Volksklasse angehören, auf, richten Schaden und Verwüstungen in den Fabriken an, und unsere lieben gebildeten . und gelehrten Ezechen wissen nichts Besseres zu lhun, als alle Juden in corpore des Betrugs zu beschuldigen, ihren krassen und rohen Judenhaß unvecholen an den Tag zu legen. Ein Professor der Humaniora (!) gehet so weit, seine jüdischen Schüler in Gegenwart ihrer christlichen Mitschüler durch die pöbelhaftesten, den niedrigsten Judenhaß zeugenden Beschuldigungen zu beschämen. Man kann also griechische und lateinische Klassiker studirt haben, Rhetorik lehren, und doch in Betreff der Tüchtigkeit der Gesinnung und des Cbarakters' nicht um einen Finger breit über den gewöhnlichen, ungebildeten und ungeschlachten Haufen sich erheben. Unsere Bürger zeigten schon ihren Separationsgeist, als sie die Juden an einem Fackelzuge, der dem Erzherzog Stephan zu Ehren veranstaltet wurde, nicht theilnehmen lassen wollten; allein bei Gelegenheit des Arbeireraufstandes bewährten sie sich erst als würdige Abkömm- *) Wenn ich in meiner letzten Mittheilung des jüdischen Adels erwähnte , so rührt dies daher, daß die erste Erneute gegen die HH. Porges gerichtet war. D. K. lmge asiatischer Horden, denen Humanität, Duldung,! Rechtsgefühl fremde Worte sind. Doch wenn wir gerecht sein wollen, so müssen wir l auch die jüdischen Bewohner unserer Stadt rügen, daß j sie feig, unselbstständig, engherzig und kriechend sind. Es I fehlt ihnen der Muth, den leisesten Tadel gegen ihre Hasser und Verlaumder öffentlich auszusprechen und k statt, im Bewußtsein ihres Rechtes, den katholischen Faj| natismus zu züchtigen, küssen sie die Ruche, schmiegen Z und krümmen sie sich, beschönigen sie das ihnen zuge- I fügte Unrecht. 8 O, süße Traume einer heranbrechenden Morgenröthe, I einer brüderlichen Vereinigung von Juden und Christen! j Wehmuthsvoll blickt der Menschenfreund auf solche traurige Scenen der niedrigsten Leidenschaften! j Preßbnrg, 29. Juni. Nicht will ich es bei die-! serGelegenheit ermangeln lassen, den Lesern dieses Blut-! tes die allerneuesten hier Jedermann beschäftigenden Reuig- I keiten mitzutheilen. Der hiesige vom lobt. Kasino gegründete Studentenj verein, der die Gründung einer Chor-Schule zum Zwecke j hatte, feierte heute die von Jedermann im Voraus besprochene; Schlußfeier. — Die Ursache dieses Falles.ist, wie Jeder! wohl ein sieht, nicht die größere Macht der orthodoxen - Partei, sondern die Lethargie der Gründer dieses Werj eins. — Schade, daß Nachlaßigkeit auch hier durch eine j grenzenlose Macht eine schöne hoffnungsvolle Blüthe r zerstören konnte, — doch diesen Fehler lassen sich leibet j alle die Herren Reformatoren Ungarns [Exempla sunt odiosa] gar oft zu Schulden kommen. — Genannt Schlußfeier war herrlich und erhebend; das ausgezeichnet Singtalent des Herrn Winkler, das uns schon so manche angenehme Stunden verschaffte, zeigte sich henle in seiner ganzen Kraft und Fülle; zwei erbauliche Reden wurden von zwei ausgezeichneten Studieret des hiesigen Lyceums, ebenfalls Mitglieder des Vereins gehalten; nicht minder aber konnte man besonders heule, eben bei dieser Andacht, den Ernst der Herrn Studierenden und die grenzenlose Lethargie des löbl. Kasino- Vereins bemerken, davon Erstem Alle und von Letzter» Niemand dieser erhebenden Andacht beiwohnte. — Herr Baron von Rothschild aus Wien war heute in Angelegenheit eines Swapgeschäftes hier.—- Nicht verleugnet der Staatsmann (?) den Juden, indem er du hiesige seinetwegen beleuchtete Synagoge zweimal besuchte,! und bis nach verrichteter Andacht darin verweilte. - j Sein grenzenloser Wohlthätigkeitssinn zeigte sich M auf's Neue. — Ich erstatte Ihm daher hier bei dieser' : Gelegenheit im Namen allec von ihm aufgerichteten beugten und Wohlthatigkeits-Anstalten meinen herzlich!^ und innigsten Dank. B—S. Prag, 24. Juni. Als ich an den durch die geM' Post Ihnen überschickten Bericht ging, faßte ich Entschluß, einzelne Züge des fratzenhaften Judenhass^