Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-07-09 · Heft 28 (9.7.1844) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 28 (9.7.1844)
Date
1844-07-09
Page
Seite 211 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360339--4539-3530455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

211 verdienen natürlich nur die letzteren Erwähnung. Dergleichen Vorträge waren. 1. Ueber den mosaischen Staat (Friedmann); 2. Vorbereitende und handelnde Zeiten in Bezug auf Emanckpacion und Reform; unsere Zeit mehr vorbereitend (Geiger); 3. Blicke auf Gegenwart und Zukunft (Freund), und ich finde derselben viel zu wenige um das Interesse für diesen Verein wach zu halten. Was den Unterricht der Bachurim anlangt, so ist er viel zu schwankend, als daß er Ersprießliches erzielen könnte, wie überhaupt der ganze Unterricht nur eine vorübergehende Nothwendigkeit ist. Was die Aenderung in der Verwaltung anlangt, so hat sie ein geringes allgemeines Interesse, so daß ich sie hier in meinem kurzen Berichte ganz übergehen kann. Bow Rhenre, 30. Juni. (Nachträgliches über die Rabbiner-Versammlung.) Wenn, ich nicht lieber von Braunschweig aus geschrieben habe, so lag der Grund rheils darin, daß die Bestimmung getroffen wurde, es solle Nichts von den Verhandlungen auf Privat-Wegen veröffentlicht werden, und ich daher nur eine Abschrift der Protokolle für Sie in Anspruch nehmen konnte, die ich alsdann mit Randglossen als die nothwendigen Ergänzungen versehen hätte, theils auch in der Eile, womit gegen früheres Erwarten die Verhandlungen geschlossen und die Versammlung aufgehoben wurde. Erwähnter Bestimmung gemäß erwartete ich, daß nach Abschluß und Unterzeichnung der Protokolle der Präsident die Kopie-Nähme freigeben werde; mit mir war auch Herr Dr. Heß derselben Erwartung. Wir waren daher äußerst überrascht, als bei der Debatte über die Art und Weifte wie die Veröffentlichung statt finden solle, wir erfuhren, daß Dr. Philippson schon früher einen Theil der Protokolle requirict und abgeschrieben habe. Man oppomrte von allen Seiten; Geiger fuhr auf seine Weise sogar recht derb, derber als es dem Publikum angenehm war, drein, man machte auf den Nachtheil aufmerksam, der dadurch den übrigen Organen des Judenthums entstünde nnd namentlich Ihnen; da aber die Opposition post fadum kam, so war sie natürlich fruchtlos. Als man nämlich auf das Unziemende aufmerksam machte, das in dem Heimlichthun lag, erklärte Hr. Ph. seine Bereitwilligkeit, die Abschrift nicht abdrucken zu lassen, nahm aber sein Wort zurück, als Dr. Geiger, um den Streit beizulegen, davon sprach, daß es ganz natürlich sei, wenn Hr. Ph. in seiner gewöhnten Rührigkeit und Rüstigkeit sich beeilte, dieses aber weiter Nichts zu sagen habe, da er von der Veröffentlichung seiner Abschrift abstehen wolle. Unter diesen Umständen hielt man den Vorschlag, der gemacht und auch angenommen wurde, für den besten, daß nämlich die Protokolle in einer besonderen Broschüre veröffentlicht werden sollen, wodurch Keiner bevorzugt wäre, eine Fortsetzung zu liefern. Was nun das Außere der Verhandlungen betrifft, so werden Sie dieses schon aus den Zeitungen ersehen haben. Am besten wurde dieses in der Kasseler Zeitung und aus dieser auch in der Hessischen Zeitung geliefert. Auch ist das, was das Frankfurter Journal verflossenen Freitag lieferte, wahr. Lüge ist hingegen, was letzteres Blatt,'verflossenen Donnerstag, wenn ich nicht irre, sonderbarer Weise von Magdeburg und mit Hinweisung auf das Nähere in der A. Z. d. I. berichtete. S^'wv. sichtlich der gemischten Ehen war nur die Rede bei Gelegenheit des betreffenden Artikels in den Antworten des Pariser Sanhednn, der nicht zu übergehen war; von der Beschneidung wurde nur insofern gesprochen, alsDr. Heß den Antrag stellte, die Versammlung möchte sich darüber erklären, ob der Unbeschnittene aus der Gemeinschaft der Synagoge ausgeschlossen sei, welcher Anttag aber einstimmig als nicht zur Debatte geeignet zurückgewiesen wurde, wobei Dr. Heß den Verdacht hegte, der Präsident habe schon im Voraus davon gewußt, tajj man sich einstimmig gegen die Zulässigkeit zur Debatte .erklären werde und ihn absichtlich nicht davon pravmrl, welcher Verdacht jedoch von vielen Seiten zurückgewichn wurde; von der Verlegung des Sabbat auf den Sonn-; tag war gar keine Rede , sondern nur von der Auegleir i chung der Sabbatgesetze mit den Anforderungen des jetzigen Lebens, worüber Hirsch in Luxemburg einen Antrag stellte, der anfangs, weil er die Motive durch seine bekannten religionsphilosophischen Grundsätze zu begründen suchte, die den praktischen Männern in der Versa« lung fremd sind, eben soviel Antipathie als später bei dem Eingehen in die Sache Sympathie gefunden hal. Herzfeld hatte noch eine Motion für die Abschaffung der bei der Beschneidung gestellt, verzichtete ck! auf die Begründung und die Debatte, weil man den Schluß der Versammlung wünschte. Daß Wechsle Montag und Geiger Dienstag angekommen sind, rcertiiij Sie ebenfalls schon aus den Zeitungen ersehen haben. Bodenheimer und Goldmann sind Dienstag früh, erstatt nachdem er die Erklärung gegeben hatte, daß der Grus seiner Abreise durchaus nicht in der etwa ihm nicht zusagenden Tendenz oder in dem Geiste der BerathmUil liege, daß er vielmehr in dieser Beziehung sehr zufrieden sei und nur durch seinen Berus an der ferneren müiid lichen Theilnahme für dieses Jahr verhindert sei, abgereist. Höchst glänzend und prachtvoll war das von dem Konnte den Rabbinen gegebene Souper, woran auch eben so viele Laien, die das geistige Interesses der Nahe und ' Ferne herbeigezogen hatte, beteiligten. Der Präsident brachte Sr. Majestät, dem Herzoge ve" Braunschweig einen herzlichen, tief gefühlten Toast, bei von Seiten der ganzen Versammlung ein wahrB erhebendes, aus der Tiefe des Herzens kommendes Lebehoch erscholl. Eben so erhielten der Magistrat, der Erstand der Gemeinde, das Konnte, der Präsident, Urheber der Zusammenkunft De. Philippson, derSek^ tär, besondere Toaste. Dr. Geiger brachte noch &cf011'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.