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Der Orient · 1844-07-09 · Heft 28 (9.7.1844) · p. Seite 210

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 28 (9.7.1844)
Date
1844-07-09
Page
Seite 210 (sequence 3)
Language
German
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210 - bis zur lächerlichsten — von dem Frankfurts Reform- Verein — Prager Reis-Frage bis zur Almemor-Angelegenheit zusammenstellen, —> wahrlich man würde dann einen Supplement-Band zum Talmud erhalten. Sodann begann er den Unterricht in der jüdischen Schule anzugreifen, denn obschon der Talmud, meint Herr ®., bereits in den Hintergrund getreten ist, sei l>er Unterricht dennoch ein sehr unpraktischer und unzweckmäßiger, die Jugendzeit wird vergeudet — das jüdische Sinb über den Löffel barbiert und entnervt rc. Doch wozu wiederholen jene Worte, die anzuhören uns so sehr geschmerzt haben! — Hcn. ©♦ blutete im Laufe fein<c Rede das Herz ob der Uebelstände im Judenthume und Misbräuche in der jüdischen Schule. Uns aber Md eine Wunde geschlagen, — ja uns blutet das Herz, solche Worte aus dem Munde eines jüdischen Lehms gehört zu haben. Hoffen wir, daß dieser Vortrag auf unfern so schönen Verein nicht nachtheilig wirken wird,— wie überhaupt solche Redensarten nach meinem Dafürhalten auf keinen Gebildeten, der nur Israelit sich nennt, bösen Einfluß haben können. Ihr aber — Ihr Väter, in Gleiwitz, die Ihr noch einen religiösen Sinn hrgk/ — die Ihr noch warm fühlt für unser Gesetz, die ihr hochachtet den Talmud, und auch wünschet, daß Km Kinder denselben so achten mögen, — ja Ihr, denen die religiöse Erziehung eurer Söhne und Töchter am Herzen liegt, prüfet wohl, welchen Händen Ihr dieselben cmvectraut und bedenket, was ihr demnächst zu tt)un verpflichtet seid, — auf daß Ihr nicht dereinst sagen dürstet, was der große Prophet verheißen: „Was m wohl noch zu thun an meinem Weinberge, was ich mcht an ihm gechan? Warum hoffte ich, daß er Trauben bringe, und er brachte Herlinge. . . . n D e st e r r e i ch. Tarrropol, 16. Juni. Der hier neuangestellte Kantor Hr. Josua Mayer, ein Schüler Sulzer's und gewesener Kantor in Prag und Teschen, hat den 15. Mai sein Amt angetreten und im Perlischen Bethause, unterstützt vom Chorpersonale, sungirl. Es ist ihm gelungen , Alles zu erbauen und sich die allgemeine Zufriedenheit zu erwerben. Sein höchst weihevolles Bekmgm in der Vollziehung seiner Mission als Scheliach Zibdur und seine Diktion haben besondere Anerkennung selbst in den untern Sphären der Betenden gefunden; die Meisten mußten es zugeben, daß die Leistungen des srühern Kantors Hrn. Abcas .bei weitem hinter denen des Mayer stehen, und Jeder zollte daher der Schuldirektion für diesen glücklichen Tausch den verdiene len Dank. Als ein erfreuliches Zeichen der Zeit muß es übrigens auch angesehen werden, und verdient der Erwähnung: daß e$. hier gar keinen Anstoß gefunden, wenn er in seinem Ornate ähnlich dem eines christlichen Geistlichen seine Funktion verrichtete, und daß sogar Mancher, der mit dm Resormideen minder Vertrauet, es sehr anständig gefunden, wenn ein Kantor, der nach jüdischem Sinne der Abgeordnete der Gemeinde ist, eine eigene Amrstracht habe, die ihn vor Profanen auszeichne^ Nachdem Tempel und Gottesdienst aufs Beste und den Anforderungen der Zeit entsprechend, geregelt sind, fühlen wir um so dringender das Bedücfniß, einen tüchtigen Prediger in unserer Mitte zu sehen, der dem Ganzen die gehörige Würde verschaffe, und der durch das lebendige Wort zur Erhaltung des bereits geschaffenen beitragen, und zum Fortschritte aneifern könnte. Unsere verehrte Schuldirektion hat zwar bereits viele Schritte in dieser Beziehung gethan, und sogar Unterhandlungen mit einigen Aspiranten angeknüpft; allein alles zerschlug sich zu aller Gutgesinnten Bedauern. Ohne indeß auf die Gründe eingehen zu wollen, die diesen unglücklichen Erfolg der Unterhandlungen herbeiführten, glauben wir den Fehler darin suchen zu müssen, daß man das Offensein einer Predigerstelle hier nicht durch ein öffentliches Organ kund gegeben habe, um eine größere und leichtere Wahl zu haben. Die Juden haben doch der würdigen Männer genug, die sichs zur Lebensaufgabe gemacht, zu lehren und zu belehren, und die gerne einen erweiterten Wirkungskreis für ihr Streben, und einen fruchtbaren Boden für die Saat finden möchten, die sie auszustreuen berufen. Und wo anders als in unsecm Galizien, in jenem Lande, wo die Morgendämmerung der Aufklärung erst anzubrechen angefangen, findet der Mann, der guten Willens, ein offenes Feld zur Bearbeitung i Wo ist einem Seelenhirten größere Anerkennung, größerer Lohn in Aussicht gestellt, als bei uns in Galizien? Möge daher Gegenwärtiges allen jenen, die sich berufen fühlen ein Lehr- und Predigeramt zu übernehmen, und einer Stelle bedürfen, als Anregung dienen, bei unserer Schuldirektion um die Religions- und Predigerstelle zu konkurrirem Wir wünschen einen wissenschaftlich gebildeten Mann, bescheiden im Umgänge, und einfach im Leben. Heuchelei ist hier verhaßt, und der Gleißner haben wir hier eine Unzahl. Wer Frömmigkeit, wer Moral lehrt, wer wahre Religiosität erwecken will, muß von seinem Gegenstände selbst durchdrungen und der erste sein, der seinen Lehren durch deren Ausübung die gehörige Geltung verschaffe. Sein äußeres Leben muß mit seinem innern in Einklang stehen, und als Mann des Fortschrittes darf er doch jenen Grundsätzen nicht huldigen, die in der Wegräumung alles Judenthümlichen das Heil des Judenthums suchen. Wir können Hier noch die Idee eines Juste milieu zwischen Juden- und Christenthum nicht fassen, und sind vielmehr so materiellen Sinnes zu glauben, daß es wohl vortheilhaster sei, das Chcistenthum zu umfassen, als im neumodischen Judenthume zu beharren, das entblößt von

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