Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 27 (2.7.1844)
- Date
- 1844-07-02
- Page
- Spalte 427-428 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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427 Kritiken. Kurze Anzeigen. 428 verschiedene historische Fakta zusammengeworsen, und dadurch sich selbst Ln einen Widerspruch verwirrt. Einmal sagt er (S. 112), daß diese Partei damals durch Abschaffung der Beschneidung völlig vom Iudenthum sich trennen wollte, und dann widerspricht er sich (S. 113), wenn er sagt, daß dieselbe Partei dadurch sich doch nicht völlig vom Judenthume lossagen wollte. Wie will er übrigens seine Behauptung, daß diese das Iudenthum gänzlich Umstürzen wollte und durch die Unterlassung der Beschneidung es ganz verläugnet hätte, mit ihrem Widerstande gegen Nikanor, als dieser sie aufforderte den Sabbat durch Ergreifung der Waffen zu verletzenin Einklang stellen? Hat einer, der sich vom Judenthume durch Abschaffung der Beschneidung getrennt hat, noch nöthig den Sabbat, wie jene Partei es Lhat, zu beobachten? Dieser Widerspruch wird den Vers, zur Einsicht leiten, daß das Streben jener Partei doch wohl nicht auf den völligen Umsturz des Judenthums losgegangen sein kann, oder daß sie wenigstens in der Abschaffung der Beschneidung nicht das Mittel hierzu erblicken konnte. Hierzu dürfte ihn aber noch folgendes Motiv, welches die Einführung des Epispasmus eigentlich herbeisührte, und welches er übersehen zu haben scheint, leicht bestimmen. Zur Zeit des Antiochus nämlich wurden die Israeliten, wie mit vielen andern griechischen Sitten, so auch mit den hellenischen Ringspielen in der Palästra bekannt. Bei dieser Gelegenheit mußten sie stets nakt erscheinen und falsche Schaam über die' Zeichen der Beschneidung, mit denen sie von ihren griechischen Spiel-und Kampfgenossen aufgezogen und geneckt wurden, veranlaßte sie die Spuren derselben zu verwischen, d. h. den Epispasmus einzuführen» Dieses bestand bekanntlich darin, daß man die, nach der damaligen, nur in dem ersten Akte bestehenden Beschneidung, noch zurückgebliebene Vorhaut, mit dem von Celsus beschriebenen Instrumente, Epispaston, so lange dehnte, bis sie wiederum die Eichel, bis über ihre Spitze hinaus, vollständig bedeckte. Dieser Mißbrauch hatte bekanntlich die njTHD, die Ausreißung der beschnittenen Vorhaut mittelst der zugespitzten Daumennägel zur Folge, indem man dadurch für die Zukunft den Epispaismus gleich von vornherein unmöglich zu machen suchte. Hätte der Verf. die hier vom Ref. bereits an einem andern Orte*) erörterten Umstände berücksichtigt, er wäre nicht zu dem einseitigen Schluß gekommen, daß blos Bedrückungen und Verfolgungen 'damals die Abschaffung der Beschneidung oder den Epispasmus ins Leben gerufen haben. Bei dieser historisch unbegründeten Auffassung der Epoche im Makkabäerkampfe mußte natürlich dem Verf. auch die von ihm mit jener verglichenen heutigen Zeit in einem schielenden Lichte erscheinen. Um nämlich die zwischen beiden versuchte Parallele aufrecht zu erhalten, mußte er dem Reform- Verein ebenfalls den Umsturz des Judenthums als Zweck, die Abschaffung der Beschneidung als Mittel und die Emancipation, oder wie es der Verf. zu nennen beliebt, die Erlangung äußerer Vortheile, als Motiv unterstellen. Hätte er statt dessen eine genaue Einsicht in die vom Reform-Verein bisher veröffentlichten Aktenstücke sich verschafft, so wäre er nicht zu diesen Beschuldigungen gelangt, er müßte denn, wie es freilich auch bereits geschehen ist, die von dem Reform-Verein gestellte Aufgabe, die Fortentwickelung des Judenthums, für einen Umsturz desselben erklären wollen. Daß die Abschaffung der Beschneidung, freilich kein Eprspasmus mehr, weder die Lendenz des Reform-Vereins bildet, noch sie irgendwie ausfüllt, beweist der Umstand / daß sie in der Erklärung derselben nirgends erwähnt wird, sondern sie nur nebenbei einmal in dem Programme vorkommt/ wo sie als Beispiel dafür citirt wird, daß sich aus dem Mittelalter her verschiedene irrige Ansichten erhalten hätten, so die von der sakramentalen Bedeutung der Beschneidung, ein Begriff, der dem reinen Mosaismus widerspräche. Daß der Reform- Verein ihr daher eine besondere Heiligkeit nicht beilegen kann, f hat er vom Standpunkte der Kritik und des Princkps vollkommen recht. Und hierin stimmt ihn auch Ref. bei, obgleich? er für die praktische Aufrechthaltung der Beschneidnng, schon; aus diätetischen Rücksichten, wie schon anderswo*), so auch hier wiederholentlich sich aussprechen muß. Allein religiöser Zwang muß hierbei durchaus vermieden werden. Endlich kann weder Ref. Noch sonst Jemand, wenn er die Dokumente des Reform-Vereins unbefangen durchgeht, das ihm vom Verf. I %ut Last gelegte Emancipationsmotiv darin entdecken. Daß der' Verf. und mit ihm viele Andere es darin finden wollen, I kommt wohl daher, weil sie die Emancipation für gleichbe-? deutend mit der Erlangung äußerer Vortheile halten und I durch Aufbürdung eines solchen materiellen Motivs die Len- ] denz des Reform-Vereins zu verdächtigen meinen. Daß aber das Streben nach Emancipation, mit dem nach äußeren Gütern nicht zu identisiciren ist, lehrt ein Blick auf die Ge- 5 schichte und Literatur des Eman cip atio nskam pfes, ) dem man freilich nicht so fern zu stehen braucht, wie es beim Verf. der' Fall zu sein scheint, um in ihm, dem in der heiligen Begeisterung für das Menschenrecht, Männer, wie rin D o h m, M e n d e l s s o h n, L e s f i n g, Rieß er in Deutschland ihre edelsten Kräfte weiheten, h(os das Ringen nach äußeren Vortheilen zu finden. Dr. Bergso n. Kurze Anzeigen. 31) Index Scholarum in gymnasio hamburgensiuni aea* deinico a Pascliate 1843 usque ad Pascha 1844 ha* bendarum. Editus ab Gustavo Mauritio Reds- 1 o b etc. Hamburg, 1843. 4. August Meißner. - Dieser Lektionskatalog enthält eine kleine Abhandlung 5) Ebendaselbst- S. 12u. fg. 6) Ebendaselbst, S. 46 und 142.