Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 27 (2.7.1844)
- Date
- 1844-07-02
- Page
- Spalte 429-430 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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429 Kritiken. Kurze Anzeigen. 430 Oer die Ueberschriften der Pss. 3, 7, 18, 30, 34, 51, 52, 54, 56, 57, 59, 60, 63 und 142. Man ist es bereits an der neuern Kritik gewöhnt, daß sie den Juden allen möglichen Unsinn unterschiebt, um nur ihren Scharfsinn an den Lag zu Legen. Der eine Gesichtspunkt des Herrn N. ist zwar richtig, daß die Juden nach der Rückkehr aus' her babyl. Gefangenschaft „nihil. laudabile et approbatione dignum esse po.sse opinubantur, quod non a Davide ejusque aqualibus, originem dnoeret"; allein wie wird die Entstehung der Psalmüberschriften motivirt? Der Verf. der Psalmüberschriften hätte auf's Gerathewohl Worte aus dem Psalmtexte aufgegriffen, die mit denen, deren der Biograph David's in den Büchern Samuel sich bedient, nach seiner — oft irrigen — Meinung Sehnlichkeit haben, und so einen Psalm auf irgend rin Lebensmoment David's bezogen. So wäre z. B. die Ueberschrift des 34. Ps. aus der .Ähnlichkeit der 'Worte (V. 3) und bb)r\V\\) (Sam. 21, 14) entstanden! Also der Verf. dieser Psalmüberschrift hätte nicht den Unterschied dieser beiden Worte gekannt! Das heißt auf Kosten einer singirten Ignoranz eines Zweiten zum scharfsinnigen Kritiker werden. — Die Ueberschrift des 9. Ps. p1? hy wäre korrumpirt für fy], wobei nicht berücksichtigt wurde, daß wir noch ein ausgefallenes -pjy , ipotyo oder eine andere Bezeichnung uns denken müßten. — Bei solchen kritischen Versuchen glänzt der Scharfsinn und die Wahrheit wird verdunkelt. Imk. 32) Gutachten über, die Beschneidung. Von Dr.. L. Zumz in Berlin. Frankfurt a. M., 1844. gr. 8. Vorliegendes Gutachten zeichnet sich vor allen andern durch einen ruhigen, der Wissenschaft angemessenen Lon aus. Kein Poltern,, kein Schimpfen, kein Schmähen; die Wissenschaft entscheidet. Von den verschiedenen „Klassifikationen" der Gebote ausgehend — wobei wir erfahren, daß Simon Durlln im Jahre 1423 zuerst den Ausdruck „Eeremonialgesetz" gebraucht, wobei aber unberücksichtigt geblieben, daß die Juden nie aus sich heraus, sondern von der Umgebung angeregt, die Gesetze klassisicirten, wie z. B. die Ausdrücke nrtaiy und r\vy)üW der muhammedanischen Dogmatik nachgebildet sind — und die hohe Bedeutung der Institution der Beschneidung nachweisend.,, gelangt Hr. Z. zum Schluffe, daß „die Kirche nicht gleichgiltig bleiben kann, solchen Mitgliedern gegenüber, die selbst die Mitgliedschaft aufheben, durch den faktischen Widerstand gegen die Beschneidung", und daß ein solcher Verein (wie der Frankfurter) „durch Wort und Lhat sich gegen seine Kirche verschworen hat, und nicht zugleich fordern kann, von ihr anerkannt-zu werden". 33) Das blaue Büchlein. Eine Weihnachts- und Neujahrs- Gabe für gebildete und fromme Christen von Gottfried Siegesmud (Dr. Salomon). Hamburg, 1844. gr. 8: Moritz Geber. Die geistreichste und witzigste aller erschienenen Gegenschriften gegen den Ritter au visage noir Carlo, den Rosin a n t e - Helden Nathanson und deren Schleppträger Reichenbach und Witt. Den gewandten und berühmten Polemiker erkennt man auch aus dieser Schrift, die wir unfern Lesern als eine unterhaltende Lektüre empfehlen. 34) Handbibliothek der theologischen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Ausgewählt und systematisch geordnet zum Gebrauch für Prediger und Studierende von W. B. Heinrich Zimmer, Buchhändler. Frankfurt a. M., 1843. 8. Heinrich Zimmer. Diese Handbibliothek ist nichts weniger als vollständig, und vorzüglich haben die jüdischen Schriftsteller unter der „auswählenden und ordnenden" Hand des Hrn. Z. gelitten. Es fehlen nicht nur die in Oesterreich erschienenen Bibelausgaben bei Schmid und Landau, sondern auch die Bibelübersetzungen von der Zunz'schen bis auf die Philippson'sche werden mit Stillschweigen übergangen. Sonderbar ists, daß Hr. Z. die Fürst'sche Concordanz erwähnt, und das Lehrgebäude ausgelassen. Allein auch die speciell christliche Literatur ist sehr mangelhaft ausgewä'hlt; so fehlen z. B. die „Leben Jesu" von Weiße, Fleck und Salvador; die Synoptiker von B. Bauer; die Geschichte des Gnosticismus von Matter. 35) Das Missionäre Treiben in Ungarn seit dem Jahre 1842. Von einem Wohlmeinenden. (Schulhof.) Pesth, 1843. 8. Im Jahre 1842 kamen nach Ungarn englische Missionäre, die theils durch die zum pesther Brückenbau beauftragten Engländer ins Land gebracht wurden, theils aber durch die freie Verfassung desselben sich selbst den Weg gebahnt haben. Sie kündigten sich anfangs als fromme, unschuldige, schüchterne Menschen an, und indem sie ihren eigentlichen Zweck, Jagd auf Menschenseelen zu machen, sorgsam zu verheimlichen wußten, verschafften sie sich auch wirklich in so manches Haus Eingang, und in welchem sie. auch als Freunde zuletzt behandelt wurden; kurz sie trieben ihre Verstellungskunst so weit, daß zu argwöhnen man gar nicht Ursache zu haben glaubte. Aber bald änderte sich diese Scene, sobald sie sich so manches Herz versichert zu haben glaubten. Denn seit dem Jahre 1843 bestürmen sie mit ihren Helfershelfern alle Klassen, zahlen und machen ihnen Vorspiegelungen von anderweitigen Versprechungen zum Lohne ihres feilen Uebertritts. Gegen diese Missi'onshelden tritt der ungenannte Verf. auf.. Mit Recht macht et. darauf aufmerksamdaß in. den österr. Erbländern keine Missionäre geduldet werden, und daß daher die Juden Ungarns die österr. Regierung um Beistand angehen. mögen.. — Es. wäre vielleicht, auG an der Zeit, über die orthodoxen und reformatorischen Missionäre. in. unserer Mitte zu schreiben.