Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1844)
- Date
- 1844-07-02
- Page
- Seite 214 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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214 und das meiste Militär der hiesigen Garnison im Gebirge gegen die Weber beschäftigt ist. Diese skandalöse Geschichte, die aufs tiefste das an den Zeitgeist gläubige Gemüth verletzt, obgleich nur von Pöbelhänden ausgeführt, erweckt darum eine traurige Stimmung, weil die Exzesse von einer Klaffe des Volkes diktirt waren, welche die Intelligenz und die Humanität zu vertreten und zu bewahren zur Lebensaufgabe hat. Ja die Rädelsführer waren keine ländern als Studenten mit der romantischen Schwärmerei für die deutschen Eichen und die deutsche Treue aus den seligen Zeiten des Lugendbundes und des Wartburgfestes, welche ihre Deutschthümelei jetzt nicht besser bewähren zu können glauben, als durch Scheibeneinwerfen in jüdischen Häusern, —ein sehr billiger Patriotismus. Allein eben hierdurch beweisen sie, daß sie von der Idee der Freiheit, ihrem Stichworte, nur sehr oberflächlich tingir t sind; denn der Begriff der Freiheit, ist eben das Aufheben jedweder Ausschließlichkeit, die Zuerkenntniß jedes ungeschmälerten Daseins in seiner ausgeprägten Individualität. Eigenthümlich ist es aber, daß der Judenhaß, der beinahe so alt ist wie das Iudenthum, der seine Ktassi'cität in dem römischen Bürger M a r c u s L u l l i u s E i c e r o feiert und eine romantische Periode in allen Manifestationen des mtttelalLerlichen Geistes hatte, in der modernen Zeit einen fast bornirten Charakter angenommen hat, unter welchen Formen er auch Vorkommen mag. Es ist immer der verhaltene, verbissene 'Ingrimm, im Bewußtsein eigener Ohnmacht, gegenüber der Macht des Bestehenden, der sich Luft machen und seine eigene Schwäche gegenüber einer andern noch als Macht hervortreten lassen mochte. Ich erinnere nur an die jungdeutschen Tendenzen und ihre weltschmerzliche Zerfahrenheit, mit welchen sie jede aus der Vernunft emanirte Sitte als Schranke für die ungehinderte Geltendmachung des Subjekts betrachteten. Kaum hat der Staat dergleichen Extravaganzen zu hemmen gesucht, so warfen sie sich auf das Iudenthum und Gutzkow, dem früher gar nichts heilig war, sprach von der Heiligkeit dcß nun einmal faktisch bestehenden Volksvorurtheils gegen die Juden. Die theologischen Nachfolger der gottlosen, jetzt ponitenten jei.ne allemagne, Brun» Bauer und Konsorten, nachdem ihnen von Seiten des Staates der Boden für ihre subversiven Tendenzen mit Recht oder Unrecht erdrückt war, hatten nichts Eiligeres zu thun als die korresiven Gifte ihrer Hyperkritik auf Iudertthum und Iudenheit zu spritzen. Man darf nicht vergessen, daß Bauer's Judenfrage nach seiner Absetzung geschrieben und das Produkt eines Ingrimms ist und man wird ihn vielleicht billiger beurtheilen. Und Herr I u lius, Convertat u. Exredakteur der nun seligen Leipz. Zeit,, datirt seinen Judenhaß wahrscheinlich auch von dem Verbot seines Blattes im preußischen Staate her, und es darf uns nicht mehr wundern, daß er ein Leidcnsgenosse Bauers, sich zum advocatus diaboli aufwirft und die judenfeindlichen Gesinnungen B a u e r' s vertheidigt, die non allen Bessergesinntcn als Gesinnungslosigkeit gebranntmarkt worden. Sie sehen, daß das Scheibeneinwerfen in jüdischen Häusern und die literarischen Angriffe gegen die Juden großtentheils ein und dasselbe geheime Motiv haben und daß die aufgestutzten und zugespitzten Phrasen das bedeuten, was dort die Steine thun, und man darf es den gemäßigten Staats, männern nicht verargen, wenn sie diese Freiheitshelden bcc knabenhaftesten Poliffonene beschuldigen. Oesterreich. Prag, 20. Juni. Einzelne Juden in Oesterreich erhalten wohl Rechte, aber die Juden haben kein Recht. Die Herren I. Pollak und L. Epstein haben das Vorrecht erhalten, Christenhäuser zu kaufen, wo den Juden der Aufenthalt gestattet ist. Wie beleidigend ein solches an einzelne Individuen ertheilles Vorrecht für die Juden im Allgemeinen ist, liegt auf der Hand. Und in welchen Widerspruch geräth die Regierung mit sich selbst! Die Christenhausec werden von ihr gleich Kirchen geachtet, die ein Jude nicht käuflich an sich bringen kann, und auf der andern Seite iß der Bann gelöst. Wodurch? Durch das Geld; also eine Geld-Emancipation. Allerdings kann man die österreichische Regierung nicht der Inkonsequenz zeihen, wenn finanzielle Rücksichten bei der Ertheilung von Privilegien herrschen; denn die Judensteuer ist ja auch dis jetzt blos darum nicht aufgehoben, weil die Finanzen noch nicht in'Ordnung sind. Man würde es gar nicht glauben, daß die böhmischen Juden in so engem Rapport mit dem österreichischen Finanzwesen stehen. -— §ur den Unterricht in der hebräischen Sprache ist bis jetzt noch nicht genügend gesorgt, obwohl die Kenntniß des Judenthums unter der hiesigen Jugend täglich geringer wird. Dafür lernt unsere Jugend fremde Jungen nut einer wahren Gier. Man näselt Französisch, modulirt Italienisch, zischt Englisch, gurgelt Spanisch — nur unsere alte National-Sprache wird hintangesetzt. — Unsere adeligen Juden sind von der Arbeiterklasse hart mitgenommen worden. Doch hat der Aufstand mehr den Fabriksherrn, als den Juden sammt ihrem AdelsdiM gegolten. Aktenstücke zur neueste« Geschichte der Inden i n Hannover. (Fortsetzung.) §• 5. Der kleinere Verband soll in der Regel durch di- Synagogen-Gemeinde gebildet werden. §. 6. Die gres>^'