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Der Orient · 1844-07-02 · Heft 27 (2.7.1844) · p. Seite 212

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 27 (2.7.1844)
Date
1844-07-02
Page
Seite 212 (sequence 7)
Language
German
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212 gen, wir wissen wohl, daß in dieser Beziehung, eine lebhafte Korrespondenz zwischen dem Referenten Dr. P. und Dr. H. stattgefunden; aber lcmch das wissen wir, daß die Minorität des V. A. ein Separat-Votum abgegeben, welchem so triftige Belege gegen die Berufung des Dr. H. beigefügt waren (wir nennen unter Anderem, die mit Namensunterschrift versehene Anklage des Dr. Frankel) daß die Kurs. Reg. sich bewogen fand, das Minoritäts-Votum zu beachten, und der Landeshercl. Kommissar , Geheimer Regierungsrath S. dem V. A. die Mittheilung machte, unter so bewandten Umstanden sei an eine Berufung H's. nicht zu denken; worauf dieser, mit erster Post, den ehrenvollen Ruf — ablehnte! Wir haben Thatsachen mitgecheilt; man widerlege diese, nicht uns. Meiningen, im Juni. (Emancipcttionsbericht.) Die Emancipationsfrage ist in unserem Herzogchume endlich fast zu einem Abschlüsse gediehen, und dieses der Humanität und Gerechtigkeit der Gesetzgebung würdige Resultat verdanken wir vorzüglich der persönlichen Gerechtigkeitsliede unsers Herzogs, dessen Beispiele die Stande folgen. Den 20. April dieses Jahres gaben die Mitglieder des Ausschusses zur Prüfung proponirter Gesetzentwürfe einen Bericht, betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, um die Zustimmung der vorgeschlagenen Modifikation bittend, und am 15. Mai gaben die getreuen Stande unseres Herzogthums eine unterthanigste Erklarungsschrift in Betreff des erwähnten Gesetzentwurfs ab und überließen es dem Herzoge nach seinem Ermessen zu realistren. In diesem Augenblicke liegt dieser Gesetzentwurf dem Herzoge vor und da derselbe vorzüglich für die Emancipationssache ist, so ist kaum zu bezweifeln, daß unsere bürgerlich-politischen Verhältnisse eine günstige Wendung nehmen werden. Ich ersuche daher die Redaktion beifolgende Aktenstücke unter den großen Aufsätzen des Hauptblattes abdrucken zu lassen, nämlich: 1) Den Bericht des Ausschusses zur Prüfung proponirter Gesetzentwürfe, betreffend den «Entwurf eines Gesetzes über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen; 2) die unterthänigste Erklarungsschrift ber getreuen Stande des Herzogthums, betreffend den Gesetzentwurf über die Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wo anbei der modisi'cirte Gesetzentwurf *). Ich muß aber zum Schluffe noch bemerken, daß, wenn ich hier von einer Lösung der Emancipationsfrage gesprochen, nur derjenige Theil der Frage gemeint sein kann, der jene mittelalterlichen rafsinirten christlich - germanischen Ungerechtigkeiten aufhebt, keineswegs aber diejenige Lösung, wie sie Frankreich vor einem halben Jahrhudert gegeben und die allein der Idee der Gerechtigkeit entspricht. Zu dieser Idee hat sich Deutschland trotz seiner sprichwörtlichen Tiessmniqkeit noch nicht erhoben, und es ist kein Wunder, da die Idee der politischen Freiheit überhaupt vorausgehen muß. Hamburg, 21. Juni. (Aufforderung.) Ich lese so eben in Nr. 25 dieses Blattes einen Bericht aus *) Diese Urkunden werden demnächst abgedruckt werden. Red. Wilna,' in welchem über den cnrj des Wilnaer Rabbinats ausführlich berichtet und desfallsige frühere Mittheilungen widerlegt werden. Lbschon jener Artikel keine! : Unterschrift hat, so habe ich doch keine Ursache, an die Wahrheit seines Inhalts zu zweifeln. Dann aber müssen wir uns über die Mittheilungen wundern, welche! der Herr Rabbiner Eg er in Posen und dessen Schwie-! : gersohn Hr. Dr. Hirschfeld in Wollstein denjenigen l: Männern in Franks, a. M. machten, welche für die Sache!! der unglücklichen Grenzbewohner zu wirken suchten. Mit Z I1 Recht war ich schon damals über die Unverständigkeil t dieser Eger-Hirschseld'scheu Pläne erstaunt; es be- 1 durste schon damals nur die Hinweisung auf den gesun-! den Menschenverstand, die Thorheit solcher Projekte dar- \ zuthun; ich wirkte entgegen, wie ich es that, und mit | welchem Erfolg, ist dem sehr kleinen Kreise, der meine Bestrebungen theilte, bekannt. Ich hatte einzig und alj lein die Sache im Auge, und wenn die Mittheilungen i obengenannter Herren mitunter der Art waren, daß sie! \ mir nicht recht glaublich schienen und ich mehr einen hohen Grad Egoismus als wahre Menschenliebe dahinter zu erblicken wähnte, suchte ich diesen in mir aufsteigenden Verdacht zu unterdrücken. Jetzt aber ist es nothwendig, daß die Sache naher untersucht und besprochen werde; jene Mittheilung, den Enn betreffend, rührt von Herrn Rabbiner Eg er in Posen her; ich habe dn;u beigetragen, sie zu veröffentlichen, weil es mir heilige Pflicht erschien, die Angelegenheit der russischen Juden soviel als möglich zu besprechen, die deutsche und fronzösische Presse dafür anzuregen. Die Bemühungen eines hochgestellten Mannes, in Berlin Literaten anzuwerben, die für die russische. Regierung schreiben, das Verbot der Rußland betreffenden Bücher, —beweisen wohl deutlich genug, daß die russische Regierung nicht gleichgiltig ist gegen die öffentliche Meinung in civilisirten Ländern. Ich fordere meinen Freund, Herrn Löwenstein in Frankfurt a. M., hierdurch öffentlich auf, über den erwähnten Brief nähere Auskunft zu geben, da er es jetzt leichter im Stande ist, als ich. — Der Verlauf ber Sache ist folgender. Herr Löwenstein wußte die Theilnähme zweier edler Damen in Holland, deren Namen ich gern öffentlich nennen würde, wenn ich nicht besuchten müßte, dadurch deren Bescheidenheit zu.Nahe zu treten, in so bohem Grade zu erwecken, daß sie sich der russischen Juden aufs eifrigste annahmen; ich habe alle Ursache zu glauben , daß ihre Vermittelung bei Einem gekrönten Haupte nicht ohne Erfolg sein wird. Vielleicht kann Herr Löwenstein schon jetzt näheren Aufschluß darüber geben. Herr Hirschseld wollte uns damals verlassen, unsere Bestrebungen aufzugeben, er sagte mir damals selbst, „daß er allein für die Juden in Rußland etwas wirken könne, jedes andere Bemühen über schaden würde." Das wollte uns freilich nicht einleuch-

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