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Der Orient · 1844-07-02 · Heft 27 (2.7.1844) · p. Seite 210

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 27 (2.7.1844)
Date
1844-07-02
Page
Seite 210 (sequence 3)
Language
German
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210 scheint. —, Ein trefflicher Magdeburger, der ehrwürdige Heinrich Zschokke in Aarau, hat sich in seinem neuesten Werke „Aehrenlese. Th. I. Pandora", wie schon früher oft, wieder einmal zu Gunsten der Juden vernehmen lassen, nur daß er die untern Klassen zu herb beurtheill, wobei er indessen ebenfalls die Hauptschuld auf die Gesetzgebung wirft. Königsberg (in Preußen), 22. Juni. Durch die Erwählung des Herrn. D. A. Benda zum Stadttathe für die Residenz Berlin ist auch die Erinnerung an unfern verstorbenen Landsmann David Friedländer, der lange dasselbe Amt werwaltete, angeregt worden. Wir haben indessen auch noch die Analogie eines Lebenden in unserer Mitte, indessen der hiesige Kaufmann Herr Lewald, ein energischer Vertreter der staatsbürgerlichen Rechte der Juden, wie er sich bei der Huldigung im I. 1840 erwiesen hat, hiesiger Stadtrath ist. — Bei uns besteht schon lange eine feierliche Konfirmation jüdischer Mädchen; dieser Gebrauch ist also nicht so neu, wie neulich von Breslau aus gemeldet worden. Auch in Hamburg, Strelitz u. a. a. O. ist diese Feierlichkeit langst eingeführt. — Kempen, 12» Juni. Bei aller lebhaften Regsamkeit zur Bereicherung der deutsch-jüdischen Literatur, welche sowohl die Hebung der Judenheit als auch die wissenschaftliche Darstellung des Judenthums in seinen mannigfachen Verzweigungen, im Allgemeinen seit Mendelssohn, besonders aber seit etwa zwei Decennien bezwecken, und welche dieselben, was auch Scheelsucht und Engherzigkeit dagegen sagen mögen, auf die Höhe der Zeitbildüng gesetzt, ist, —- wer möchte es in Abrede stellen — viel Herrliches und Gediegenes, ja Großartiges hierfür geleistet worden; ist unsere liebe Jugend aber immer nur noch sehr spärlich bedacht geblieben, wahrend die Jugend anderer Glaubensgenossen einer so reichlichen und trefflichen Auswahl in Jugendschriften aller Art sich erfreut. Mit einigen Fibeln, Lesebüchern und dergl. ist wahrlich noch nicht Alles abgerhan. Die Jugend bedarf auch außerhalb der Schule der Belehrung und Anregung zu Allem, was gut und edel ist; sie muß auch in ihren Freistunden auf eine angenehme und nützliche Weise sich beschäftigen; sie will und sucht Unterhaltung, welche ihr geboten werden muß, wenn sie nicht dem Müssi'ggang und seinen verderblichen Folgen in die Arme gerathen soll. Nun könnte unsere Jugend zwar an dem frisch sprudelnden Quell echt deutscher Bildung sich laben, um Deutschrhum in sich aufzunehmen und als Kinder der Zeit sich zu bewahren. — Soll sie aber nur dies? Wollen wir blos Menschen, blos Deutsche sein? Wollen nicht die noch immer bei weitem meisten Eltern auch besonders noch, daß Jsraelitenlhum und Jsraelirmheit nicht untergebe! — Wahlen wir nun aus jener Masse von Jugendschriften das Beste aus, so werden viele hiervon den größten Theil als antijüdisch, und von dem Reste wieder Vieles darum zurückweisen, um ihren Kindern keine Veranlassung zu frivoler Verhöhnung dessen, was Andern heilig ist, zu geben; woraus sehr leicht die Geringschätzung gegen andere Religionen und ihre Bekenner. sich, erklären läßt. — Misfällt es uns nicht mit Recht in hohem Grade, wenn wir in vielen Jugendschriften schon den Judenhaß noch immer gespenstig spuken sehen? — Sind wir dann so glücklich den mühsam für die israelitische Jugend herausgesuchten kleinen Rest vor uns zu haben; was haben wir für die israelitische Jugend daran gewonnen? Unsere Jugend kann dadurch allerdings gebildet, ja sehr gebildet werden; doch nur in soweit als Bildung überhaupt ohne wahre Herzensbildung diesen Namen verdient. Diese aber bleibt ohne den religiösen Eindruck nur eine kalte, halbe und hohle. — Der wahre Pädagog, der durch eine Reihe vvn Jahren dem psychologischen Studium des kindlichen Geistes und seines Gemüthes mit Ernst obgelegen, weis, daß eher alles Andere sich spater und oft in kurzer Zeit nachholen lasse, als die verabsäumte Herzensbildung, die nicht zu rechter Zeit geweckte Religiosität. Welcher Schulmann, der nur irgend diesen Namen verdient, hat — wenn ec anders auch der jungem Jugend seine Aufmerksamkeit zugewandt — es nicht vielfach selbst erfahren, wie empfänglich das Jugendalter für religiöse Wahrheiten ist; wie es diese so gern und bereitwillig, man könnte sagen, so bewußtlos fromm, in wahrer kindlicher Unschuld in sich aufnimmt; wie die Kleinen so gern auf denaugemessenen Vortrag horchen, und wie sie wahrhaft bkfähige werden können, gute Kinder, gute Menschen, ckr auch gute Israeliten und die besten Bürger des Staates zu werden. Haben wir denn aber nicht hierzu den Religionsuriterricht? Allerdings! — Allein den hatten wir fast eben so auch schon vor zehn Jahren und darüber. Laßen Sie uns nun die erfreulichen Folgen dieses Religiös Unterrichts bei den meistens israelitischen Jünglingen oder auch Mädchen unserer Zeit untersuchen! Sind die meisten nicht so gut als religionslos? Was soll nun hieraus werden, wenn das so fortgeht?-Aber, spricht so Mancher unter uns, wenn es nicht uns schon vergönnt ist, die ersehnte Emancipation zu genießen, mm, so wollen wir sie doch wenigstens unseren Kindern sicher Diese scheinen jedoch den Muth und die Kraft nicht zu haben, den weit kurzem Weg hierzu einzuschlagen, auf dem doch auch für sie noch Rosen zu pflücken warm. — Was nun das, gewiß von jeglichem Standpunkte aus, nur zu lobende Streben nach Emancipation betrifft, so wird durch Erstärkung unserer Jugend in der väterlichen Religion nicht nur nichts gehemmt, sondern vielmehr gerade gefördert. Es muß die auf festem Grunde bastrte moralische Kraft immerhin noch allgemeiner und überwiegender hervortreten, so daß der gewissem hafte Nichtisraelite in unserer Zurücksetzung immec

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