Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1844)
- Date
- 1844-07-02
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Fünfter mm XU Jahrgang Berichte, Studie« und Kritiken für DasM°nnem°n^für jüdische Geschichte UN- Literatur. Man abonnirt bei allen M. Postämtern und Herausgegeben allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. von Br. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M ZV» Leipzig, den 2. Juli 1844. Inhalt. Frankreich. Paris. Das jüdische Centralkonsistorium. — Deutschland. Berlin. Trübes und Heiteres. Königsberg. Herr Lewald. Konfirmation. Kempen. Ueber Schriften für die jüd. Jugend. Literarisches Projekt. Schwerin. Die Orthodoxie gegen Dr. Holdheim. Meiningen. Emancipationsbericht. Hamburg. Aufforderung. Breslau. Excesse. Die Freiheitsmanner und der Judenhaß. — O esterreich. Prag. Privilegien. Schulwesen. Der jüd. Adel. — Aktenstücke zur neuesten Geschichte der Juden in Hannover. — Personalchronik und Miscetten. — LV. d. Or. Frankreich. Paris, 19. Juni. Das vor Kurzem erlassene Gesetz, welches den jüdischen Kultus in Frankreich von Neuem regelt, hat hauptsächlich wegen der Anerkennung, die der Justizminister -in seinem Berichte an den König der Idee der Gleichstellung aller Konfessionen und der Nochwendigkeit ihrer praktischen Ausführung im Leben zollt, bei den nunmehrigen Repräsentanten der französischen Juden, die bei der Abfassung zu Rache gezogen worden waren, den ungetheiltesten Beifall gewonnen. Bei dieser Gelegenheit mache ich daraus aufmerksam, wie charakteristisch es ist, daß in Frankreich der Großsiegelbewahrer (jetzt Herr Martin du Nord) zugleich Justiz- und Kultminister ist, während in Deutschland die Kulte meist von dem Unterrichtsminister abhängig sind. Dort Einfügung in das Ressort des Rechts, bei uns der Gedanke an Beaufsichtigung, Unterricht und Erziehung. Ich sollte glauben, die Juden haben in Deutschland schon eine so herbe Schule durchgemacht, daß sie weder abermals abgerichtet (Ministerium des Unterrichts), noch ins Gebet genommen (Min. der geistl. Angelegenheiten) noch kurirt (Min. der Medicinalangelegenheiten) zu werden brauchen.— Indessen kehren wir zu den französischen Juden zurück. Das israel. Ceniralkonststorium in Paris, bestehend aus den Herren Ad. ^remieux, Mitglied der Deputirtenkammer, als Präsent, Max Cerfbeer, franz. Deputirter, Anspach, Substitut des Prokurators des Königs, Halph.en, Raphael, hat unterm 29. Mai eine Dankadresse an den Justizminister erlassen, in der es am Schlüsse heißt: „In einem Augenblicke, in welchem in verschiedenen Staaten Europa's großherzige Ansichten zu Gunsten der Emancipation der Juden sich Bahn brechen, wo in andern Staaten dagegen die Verfolgungen und die Vorurtheile des Mittelalters gegen sie wieder zu -erwachen scheinen, ist die wahrhaft (8uinement) liberale. Organisation des israel. Kultus in Frankreich, das officielle Versprechen seiner bevorstehenden Konstituirung in Algier, ein schönes Beispiel, das der Welt von einer Regierung gegeben wird, die eine Ehre darin setzt (qui s’lionore), an der Spitze der Civilisation einherzuschreiten." — Nun Herr B. Bauer, sind die franz. Juden Ihnen noch immer nicht frei genug? Ich glaube, sie sind zufrieden und haben Ursache es zu sein. Deutschland. Berlin, 24. Juni. Der Horizont verdüstert stch immer mehr. Erst der Skandal in Gesecke, wo der Kaufmann Löwenbach schlecht genug war, seinen Sohn wieder in feindliche Hände zu liefern; nun die Vorgänge in Breslau, wo die Scenen am Ausgange des Versöhnungsfestes 1831 sich zu wiederholen drohen.—Besser steht es in Magdeburg, wo die Gemeinde wirklich einträchtig mit ihren christlichen Mitbürgern zu leben scheint, was übrigens auch in Grimberg, trotz der Gegenanstrengungen der Stadtverordneten, der Fall zu sein 27