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Der Orient · 1844-06-25 · Heft 26 (25.6.1844) · p. Seite 205

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 26 (25.6.1844)
Date
1844-06-25
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
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205 die Sache hat eine bedeutende politische Seite), die mein Werk besprochen, was von allen bessern geschah, sehr vortheilhaft und empfehlend über dasselbe ausgelassen. Nur einzig der literarischen Zeitung wollte mein philosophischer Standpunkt, und besonders meine Kritik nicht zusagen. Und was Wunder! Sie will, wie einen christlich - germa-! Nischen Staat, so auch eine christlich-germanische Philosophie. Auch sie greift meine Immanenz, im allgemeinen Sinne und ohne nähere Angabe welcher, an, auch sie nennt mich wie jener Korrespondent einen jungen Denker—Symptome die mich mehr als vermuthen lassen, daß mein jüdischer Berichterstatter seine korrespondentielle Weisheit aus der literarischen Zeitung geschöpft hat. I. L. Schwarz. Oesterreich. Galizische Grenze, 11. Juni. Zwei Missionare der schottischen Kirche, Eduard und Philipps, treiben noch immer ihr Seelenwerber-Unwesen in der Provinz . und verschleiern es unter pädagogischer Firma. Daher ist ihre Schule von galiz. Rabbinern mit dem Banne belegt worden. Beide Arten, zu verfahren, müssen uns indigniren. — Wir erinnern daran, wie nöthig es wäre, daß einer unsrer tüchtigen jüdischen Publicisten, etwa Dr. E. Weil, Dc. G. Rieß er oder Dr. H. B. Oppenheim die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit der Proselytenmacherei und der Missionsanstalten, den Grundgesetzen des deutschen Bundes gegenüber untersuchten? Wir unsrerseits glauben, daß selbst die geduldete Kirche mit halbofsicieller Anfechtung verschont bleiben müßte. Der israelitische Jugendlehrer in vergangener und gegenwärtiger Zeit. Seme Bildung, seine Subsistenz, sein Wirken. (Schluß.) Vergangenheit. Derjenige Lehrer, der begabt genug war, seine Zunge gelenkig zu machen, um da und dort etwas Schönes, in den Ohren Schwacher Wohlklingendes und Schmeichelndes sagen zu können, der hatte einen Vorsprung gegen manchen andern, und ihm wurden mehr Schüler und mehr Geschenke, als andern seiner Dntsgenoffen, die neben ihm fungirten zugetheilt. Doch die Rechtlichen, und deren gab es Viele, verstanden sich dazu nicht; auch gab es Einzelne, die in ihrer Jugend jüdische hohe Schufen (nnwi) besuchten und sich in der damaligen Zeit mehr entsprechende Bildung, die aber hauptsächlich in einer Kenntmß des Talmud's und einer Grübeleiengewandtheit in demjelben bestand, angeeignet haben; allein allgemein nützlich und dem Bedürfnisse eines Volkes angemessen war dieses gewiß nicht und dieses um so weniger, als alles sprachliche Wissen selbst das der Landessprache, ja noch mehr, das der gramma tikaliichen hebräischen Sprache ihnen fast durchgängig gebrach und die Jugend geistig zu wecken und zu veredeln durch geregelten Unterricht und durch eine damit verbundene, zweckmäßige Erzählung, das war und blieb ihnen ein ganz fremdartiges Gebiet. Besser stand es mit Vielen wenn sie neben ihrer Talmudkenntniß, oder dem sonst praktischen Wissen des Hebräischen überhaupt, elnen Wandel zu führen wüßten, wie er von ihnen gewünscht würbe; dann genossen sie eine Dosis von Achtung, wie man sie einem so pflegte man sie, wie die Rabbiner und Vor- Gegenwart. Die Vergangenheit war eine süße Mutter des Mannes und eine Stiefmutter der Jugendlehrer; die Gegenwart ist es nicht minder; die Vergangenheit war es direkt, die Gegenwart ist es, ihrem egoistischen Geiste huldigend, indirekt und diese stiefmütterliche Folterung, wie sie in der Vergangenheit schädlichen Einfluß auf das Wirken des Lehrers übte, so ist dieses, nur unter einer moderneren Gestaltung, jetzt noch der Fall. Denn ist auch die Stellung des Lehrers nicht mehr so dem Zufalle preisgegeben, ist er selbst auch nicht mehr die Zielscheibe des Eigensinnes, des Stolzes und der Parteisucht; seine anderweitigen Verhältnisse sind nichts weniger als erfreulich und ist sein Charakter fest und rein, so muß es nur um so kränkender ihm werden, daß er um des wenigen Brodes willen gegen denselben so oft zu handeln genöthigt wird. Ich frage dich nun, du eitele egoistische Gegenwart, hast du recht für die Bildung deiner israelitischen Lehrer gesorgt? Ist vielmehr die Bildung vieler nicht sehr einseitig und lückenhaft? Hat die Vergangenheit sie des Hebräischen kundig gemacht und des Deutschen unkundig gelassen, so trittst du entgegengesetzt aus, und läßt sie des Deutschen kundig werden, und des Hebräischen — welches schreckliche Nebel — unkundig bleiben. Oder glaubst du etwa, deine religiösen Reformen, die du in einer Fernsicht uns zeigest, werden diese Kenntniß dem Lehrer entbehrlich machen? Nie und nimmermehr; denn jemehr der-

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