Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1844)
- Date
- 1844-06-25
- Page
- Seite 204 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 204 - der schriftstellerischen Tätigkeit zuwenden, in der er aber wieder nicht als Geistlicher erscheinen muß. — Es wäre auch zu wünschen, daß die Rabbinerversammlung die eigentliche Aufgabe der Rabbiner nicht außer Acht lasse. Es werden sich in derselben auch mehr oder weniger verdiente Schriftsteller befinden, aber die Versammlung muß aus lauter Rabbinern und weiter nichts bestehen. Der Rabbiner als solcher ist kein Gesetzgeber, sondern nur der Diener der Synagoge, deren Gesetze er selbst befolgen und auch Andern zur Befolgung einschärfen muß. Wir haben jetzt keine Propheten, kein Synedrium, und auch der — von gestern — „bereitete Tisch" wird immer mehr bei Seite geschoben; aber dafür haben wir einen mächtigen innern Gesetzgeber: die nothwendige innere Entwickelung des Judenthums, und es ist die Aufgabe der Rabbiner, diese auch zur äußern Ausprägung zu bringen. Nur in diesem Kreise können die würdigen Rabbiner mit Erfolg arbeiten, außerhalb desselben haben sie weder Recht noch Hoffnung, etwas zu entscheiden. Sobald sie in die innere Entwickelung hemmend oder fördernd eingreisen wollen, hören sie auf, Rabbiner zu sein, und verschwinden unter der Zahl der übrigen Juden. — Für jetzt wollen wir uns mit diesen Andeutungen begnügen, werden aber den Verhandlungen aufmerksam folgen und sie mit bescheidenen, aber scheulosen Bemerkungen begleiten. Berlin, 6. Iuni.InNr. 22 dieser Zeitung theilt ein Korrespondent von Berlin aus die Nachricht mit, daß ich in meiner faßlichen Darstellung und Kritik der alten und neuen Philosophie Schellings bewiesen habe, daß die Wissenschaft nicht christlich-germanisch sei. Dieser Satz ist ganz richtig. Wenn nun aber jener Berichterstatter noch die Worte hinzufügt: „Herr L. Schwarz ist zwar Spinoziest oder besser Pantheist, und würde demnach seine Kritik nicht als Jude geübt haben", so habe ich Ursache zu vermuthen, daß der Verfasser des fraglichen Artikels meine Schrift nicht gelesen hat, ja sie wahrscheinlich nicht einmal dem Titelblatte nach kennt, da er sonst ihren Verfasser nicht geradezu und ohne weitere und nähere Bestimmung für einen Spinozisten oder Pantheisten angegegeben, und dann nicht L., sondern I. L. Schwarz, als den Kritiker Schellings genannt haben würde. — Ich habe allerdings an mehreren Stellen behauptet, daß alle wahrhafte — d. h. von keinem religiösen Vorurtheile geleitete und nach keinem vorgestreckten Ziele lossteuernde Philosophie zur Immanenz Gottes führe; allein die Immanenz Gottes schließt die Persönlichkeit, somit die theistische Auffassung des göttlichen Wesens noch nicht aus. Und in der Thar habe ich auch diese Ansicht S. 151, nachdem ich meine Gottes- und Weltanschauung kurz und bündig auseinandergesetzt, in dem Satze „So könnte Gott selbst als pantheistischer persönlich gefaßt werden, deutlich genug zu erkennen gegeben. Wenn dem Berliner Artikelschreiber diese Stelle noch nicht genügen sollte, so rathe ich ihm, umssich von der Unanwendbarkeit genannter Prädikate auf mein philosophisches Bewußtsein zu überzeugen, die Seiten 198 und 199 rc. zu lesen. Die Ausdrücke Spinozismus und Pantheismus klingen dem der modernen Spekularion fern gebliebenen (besonders jüdischen) Bewußtsein so verrufen und heterodox, daß ich es für nöthig hielt, dem großen Publikum gegenüber, erwähnte Prädikate in ihrer realistischen Bedeutung, die sie für das unphilosophische und gemeine Bewußtsein haben, von mir abzuwälzen. In der edleren idealistischen Auffaffung derselben, giebt es kein philosophisches System, welches dem religiösen Bewußtsein näher steht, als das immanente oder pantheistische. Der von dem christlichen Religionsinhalte erfüllte neue Schell ling rühmt stch noch immer Pantheist zu sein. Die Systeme der Kabbalisten und Gnostiker und das des Iordano Bruno sind gleich pantheistisch. Und welcher Unterschied zwischen beider Gottesanschauung und religiösem Bewußtsein! Wenn mich daher der Berliner Korrespondent einen Pantheisten nennt, so hätte er, um von sich die Absicht der Verdächtigung meines theologischen Standpunktes (denn ich bin, obgleich ich mich vorläufig für die akademische Laufbahn bestimmt habe, jüdischer Theologe) fern zu halten, notywendigerweise genau angeben müssen, ob ich ein realistischer oder idealistischer Pantheist bin, denn alle diese gen. Proteusformm des Pantheismus bedingen ganz besonders den Inhalt des religiösen Bewußtseins. Sind ihm aber diese verschiedene Formen der Philosophie der Immanenz (was indessen das Wahrscheinlichste ist) unbekannt, oder konnte er, weil er meine Schrift vermuthlich nicht gelesen, den specisischen Charakter meiner immanenten Weltanschauung nicht näher angeben, so hätte er mir, was indessen für's große Publikum sicher das Angemessenste gewesen wäre, gar kein philosophisches Prädikat beilegen sollen. Daß ich nicht als Jude meine Kritik geübt, und doch, selbst nach des Berichterstatters Ansicht, meinen Zweck erreicht, d. h. nachgewiesen habe, daß es keine christlich-germanische Wissenschaft giebt, dies wird jeder Sachkenner als den wahrhaften Weg der Kritik anerkennen müssen. Denn hätte ich bei meiner Kritik unaufhörlich das Iudenthum vor Augen gehabt, und dasselbe zur Richtschnur meiner Beurtheilung gemacht, so wäre ich meinerseits in dieselbe Grube, aus der ich einen anderen heraushelfen wollte, selbst gefallen; ich hätte alsdann, indem ich Schellings unwahres Unternehmen, die eine so specift'cirte und in dieser Form austretende Religion zmi> Religionsinhalte, d. h. zum Wesen und somit zur Philosophie überhaupt zu machen, Nachweisen wollte, meinerseits diejenige Form, in der wir das Iudenthum erblicken, zur Metaphysik uwwandeln müssen, und so wäre die Last meiner ganzen Kritik auf mich zurückgefallen. Es ist nun aber der Inhalt der Religion überhaupt, den die Philosophie zu begreifen hat, wie ich dies in der Schrift ausgeführt, und glaube auch auf diese Meise in den Augen aller unbefangenen Religionöbekenner mein gewolltes Ziel erreicht zu haben. In der That haben sich auch bis jetzt alle Blätter, besonders die politischen (denn