Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1844)
- Date
- 1844-06-25
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Äquivalent der antiguirten Dar - Mizwa - Feier, dar; so wie man bei dieser dem in's jIünglingsalter übertretenden zu' veranschaulichen suchte, daß für ihn nunmehr auch in religiöser Beziehung eine neue Lebensperiode beginne, so wurde von Herrn Dr. A. diese Idee der Konfirmation zu Grunde gelegt. Wie sonst das Verlesen des Wochenabschnitts die erste öffentliche religiöse Verrichtung des „Sohn des Gesetzes" war, so würde dasselbe dargestellt, durch das öffentliche Ablegen eines echt jüdischen Glaubensbekenntnisses, durch das Recitiren des Schema- und Kadisch - Gebets Seitens der Konfirmanden, was anch diesem Akt, obschon im Andachtssaale und nicht in der Sy n agoge vorgenommen, einigcrmaaßeneinen gottesdienstlichen Charakter gab. Aber noch eine größere Bedeutung gab Herr Dr. A. der Konfirmation dadurch, indem er sie als einen Akt der Weihe darstellte z die Lehrer — die Weihenden, die versammelte Gemeinde — die Ausnehmenden, die Konfirmanden — die Geweihten. Mcht als wenn der Israelite, wie im Christenthume, noch einer besondern Weihe, außer der Beschneidung, zur Aufnahme im Bunde der Genossenschaft bedürfe, sondern die Konfirmanden sollten nur den Beweis ihrer Mündigkeit im Glauben ablegen, welche Mündigkeit, wie Herr Dr. A. in seiner vortrefflichen Rede entwickelte, der Israelit durch die erlangte größere Reife im Glauben und in der Ausübung der göttlichen Gebote erlange. — Wir erklären ihn nicht für mündig, sondern wir bilden ihn dazu heran. — Sein erstes Erscheinen in heiliger Versammlung soll §den Beweis abgeben, daß er für den heiligen Dienst des Herrn vorbreitet wurde, und er die Fähigkeit besitze, die Verantwortlichkeit für sein Leben als Israelite selbst über sich zu nehmen, und den Willen, von nun an thätkgen und selbstständigen Antheil an dcr.Verehrung Gottes, wozu wir berufen sind, nehmen zu können. Statt des Verlesen in der Tora, im buchstäblichen Sinne, wie es sonst üblich war, sollten die Konfirmanden ihre Hauptgrundsätze aussprechen, um zu beweisen, daß sie den innern Zusammenhang der göttlichen Lehre, ihre Einheit und Vollkommenheit erfaßt haben. Und zum erstenmal vernehmen wir den Konfirmanden die wichtigen Worte an's Herz gelegt, „daß nicht das Lernen, die Kenntniß der Schrift, die Hauptsache sei, sondern die Ausübung der geoffenrbarten Gesetze. So viel von der dieser Konf. zu Grunde liegenden Idee, von ihrer neuen ^Auffassung und zeitgemäßen Anwendung. Was den innern Gehalt, die Katechisation selbst betrifft, so hat Herr Dr. sich nicht allein auf die allgemeinen Glaubenswahrheiten und Pflichtlehren beschränkt, sondern auch die Positivität des Glaubens, das Dasein einer Tradition und ihr Verhältnis; zur Schrift nicht außer Acht gelassen. Wohl einschend, daß der bis jetzt befolgte Grundsatz: „daß es bei der Konfirmation vor allem nörhig sei, daß das Kind nichts ausspreche, wogegen das häusliche Leben verstößt," mit der Lehre der Schrift: und lehret sie euren Söhnen u. s. w., in direktem Widerspruche stehe, verstand er es durch seine eigene Individualität der Darstellung, diese schwierigste Seite des Religionsu.Konsirm.- Unterrichts mit Geist und Wahrheit zu beleuchten und die Aufgabe würdig zu lösen. Fragen, dir ins höhere Gebiet der Religionsphilosophie streifen, wurden vermittelst schöner eindringlicher Bibelverse beantwortet, welche fich dem jugendlichen Geiste der Konfirmanden tiefer! einprägen, als eine Lösung mit philosophischer Schärfe. Man j hat zwar von mancher Seite darin einen Tadel gesucht, daß Herr Dr. A. die Konfirmanden, welche niemals die Bibel lesen, und wahrscheinlich auch nie lesen werden, über so manche biblischen Ausdrücke, wie zu B. die Aothropomorphismen, zn behelligen versuchte; wenn man aber erwägt, daß unsere Iugend mit allen Waffen des Geistes ausgerüstet sein muffe, 1 um,den vielen Anfeindungen von Innen und Außen, dem j Ernste wie dem Spotte, entgegen treten zu können, so muffen wir es Herrn A. nur danken, die Konfirmanden auf alle An. J griffe vorbreitet zu haben. j Wir sind mit diesem Zweige der jüdischen Religionsschrisj ten zu unbekannt, um die Vorzüge der Auerb. Katechisation; von den andern würdigen zu können, und geben daher nur dahin unser Urtheil ab, daß der Gehalt und die Tendenz dieser Konfirmation dem religiösen Bedürfniß unserer Jugend ganz angemessen war. Ueber einen Gegenstand müssen wir jedoch offen und frei unseren Tadel ausdrückcn, und zweifeln nicht, daß unsere Worte berücksichtigt werden würden, wenn man nur sich nicht allzuängstlich an modernen Formen halten will. Wir sind nämlich schon daran gewöhnt, daß unsere Prediger im Andacht saale sich in ihren Borträgen jedes hebräischen Wortes enhalten müssen; daß aber selbst die Konfirmanden das „Schema- Israel", welches sie so schön und angreisend unisono ertc- | neu ließen, nicht in der Ursprache recitirten, war einem grchn t Theil der Anwesenden sehr befremdend. In allen Ländernunb | Zonen ist „Schema -Israel" das Passwort des f raeliten, das Wort, woran man den Bruder im Glau- | b en erkennt; durch dieses Wort findet er in den entfernteslln f Kreisen brüderliche Teilnahme, Schutz und Hülfe auf I dem Boden. Von dem ersten Lallen des Säuglings bis zm l letzten Röcheln ist „Schema-Israel" der Ausdruck de: s Anerkennung Gottes und der Ergebung in seinen Willen, d |- ein solches Passwort fst nicht von solchem barbarischen un& f unästhetischem Klange, um bei einem religiösen Akt, i» f einer Versammlung gläubiger Israeliten verpönt zu sein. K—m. Glogerrr, 21. Juni. Mit Erstaunen lasen wir; in Nr. 25 dieses geschätzten Blattes, daß zu der binerversammlung auch ein „Dr. Sachs, Rabbiner aus Glogau" gekommen sei; mir Erstaunen, weil \ hier nicht nur keinen Rabbiner, sondern auch keinen Dl.; Sachs giebt; ja so viel wir wissen, existirt in s^i : Schlesien weder ein Rabbiner noch ein Prediger dieses Namens. Schon seit mehr als 20 Jahren werden r Funktionen des Rabbinen von dem ehrwürdigen Mannr. Lissec versehen, während seit einigen Jahren, besonders;