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Der Orient · 1844-06-18 · 25 (18.6.1844) · p. Spalte 395-396

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Spalte 395-396 (sequence 6)
Language
German
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395 Studien. Gemischte Ritualien. 386 da's bei seinen orthodoxen Glaubensgenossen zu verdächtigen und dann zu verdrängen. Außer seiner gründlichen Kenntniß des Arabischen verstand er Persisch, die Dialekte der Berbern und wohl auch etwas Griechisch. Alle diese Sprachen benutzt er im Lexikon. Dieses Lexikon, welches in drei Theile zerfällt und wovon uns die Bodleiana ein Exemplar aufbewahrt, enthält als Einleitung ein Sendschreiben an die Gemeinde zu Fez, in welchem dieser Gemeinde vorgeworfen wird, daß sie das Studium der chaldäischen Paraphrase vernachlässige, obgleich das Largum zur Erklärung der Bibel so nöthig wäre. Ec habe sich beim Anblicke solcher Vernachlässigung entschlossen, ein Lexikon zu schreiben, worin die Wichtigkeit des Targum, des Talmud und des Arabischen für das Verständniß der Bibel auseinander gesetzt werden soll. Es wird in der Einleitung nicht gesagt, wie das Werk heißen soll; daß es aber einen Namen trug außer dem des „Sendschreiben" (Uisulu), könnte man beim Gebrauche der damaligen Zeit voraussetzen. Wirklich versichert uns Ibn-Esra (st. '1167) 1. c., „Jehuda ben Koreisch habe ein Buch der Abstammung geschrieben und es genannt: Vater und Mutter (Ab w’EmJ'V6) Jedoch aus dem Umstand, daß das Exemplar der Bodleiana gar keinen Namen oder einen andern trägt, als der von Ibn-Esra angegebene, erhalten wir schon Erlaubniß, zu vermuthen, daß entweder zwei Recensionen des Werkes vorhanden sein mußten, oder daß es zwei verschiedene Werke sind. Letztere Annahme ist aber nicht wahrscheinlich, da Ibn-Esra nur ein Buch dem Koreisch zuschreibt und dieses wie das vorliegende Lexikon charakterisirt. Auch ist auffallend, daß die Überschrift: „Sendschreiben an die Gemeinde von Fetz . . die Wichtigkeit des Targum hervorzuheben" nur zu dem ersten Theile paßt. Endlich tritt die unwiderlegliche Tharsache auf, daß in dem Oxford er Kodex alle die Ci täte fehlen, welche bei den altenSchriftftellern i m NamenKoreisch's angeführt werden. Nach diesem wird nun Keiner mehr behaupten, daß wir in genannter Handschrift das ausführliche Werk haben; es ist vielmehr, wie ich fürchte, nur Auszug und zu gleicher Zeit Abkürzung. Aber selbst in dieser verstümmelten Gestalt geht der Geist des Verfassers, der seiner Zeit stark vorausgeeilt, achtunggebietend einher. Koreisch stellt mit kritischem Bewußtsein den Grundsatz auf, daß die hebräische Sprache nur durch die Schwestersprachen Arabisch und Aramäisch erklärt werden könne; und er weist dieses durch zahlreiche Beispiele und mit vieler Schärfe klar und anschaulich nach. Seine Etymologie ist oft eben so glücklich wie originell, und seine Belesenheit im Talmud laßt in ihm einen 6) Wolf und Gagnier stellen die lächerliche Meinung auf, der Nähme rühre von den ersten Worten des “AM w’lmnü“ her. Der Name wurde dem Buche vielmehr gegeben, weil es die „Abstammung" der Wörter erklärt. Auch andere Werke solchen Inhalts führen bei den Arabern den Namen. 7) Beide Werke hatte ich handschriftlich vor mir. Sie werden jetzt in Berlin von Herrn 0r. Biesenthal edirt. Rabbinen vom Fache erkennen.. Auch auf Ordnung hält er und giebt die Abschnitte der Bücher an, aus welchen er seine Beispiele schöpft; auch übersetzt er gewöhnlich die angeführten Talmudstellen, Tugenden, die bei Saadja, und selbst bei Abulwalid, geschweige bei anderen Rabbinen, nicht immer geübt werden. Nun noch ein Wort über das Schicksal des Werkes: Um 970 hatte die Aufforderung und Belehrung Koreisch's in Fez schon die günstigen Wirkungen. Wir sehen dort den trefflichen Sprachgelehrten und Lexikographen Dunasch ben Librat, der in seiner Kritik des hebräischen Lexikons des Menachen ben Seruk, so wie dieser Spanier selbst, den Koreisch benutzt.") Auch Abulwalid benutzt ihn, so wie mittelbar es auch Raschi (alia8: Jarchi st. 1105) thut. Nach Ibn-Esra hat ihn wohl schwerlich ein Schriftsteller im Originalwerke gelesen, und sein Name verschwand aus der Literaturgeschichte. Erst zu Ende des vorigen Jahrhunderts ward die Aufmerksamkeit ernstlich wieder auf diesen Schatz gelenkt, indem der berühmte Kanzler Schnurr er eine Abschrift in der Bodleiana nahm, sie nach Deutschland brachte, sodann die Einleitung und andere interessante Stellen veröffentlichte.8) Schnurrer schenkte seinen zierlich geschriebenen Kodex an Gesenius, der ihn im Thesaurus benutzt. 9) Endlich kündigte vor zwei Jahren Dr. -I. Wetzstein im Literaturblatte des „Orients" an, daß er beabsichtigte, das Werk zu veröffentlichen. Doch bis jetzt hat dieser Gelehrte, welcher im genannten Blatte die von Schnurrer veröffentlichte Einleitung berichtigt wiedergab, sein Versprechen nicht erfüllt, so groß auch der Dienst wäre, der dem wissentschäftlichen Publikum hierdurch geleistet würde. Mag. s. d. Lit. d. Ausl. Bibliographische Notiz über verschiedene Ritualien und besondere Gebetsammlungen. Von Leopold IDukes. (Fortsetzung.) e. Gemischte Ritualien. Der Charakter dieser Sammlungen schwankt zwischen spanischem und deutschem Brauch; es ist durchgehends ein Hinneigen zu dem einen oder dem andern bemerkbar. Sie ent- 8) S. Eichhorn's Allgem. Biblioth. der bibl. Liter, ill, 951. ff. 9) Gesenius gab mir 1841 das Exemplar mit nach Berlin, mit dem Aufträge, den Text nebst einer Ucbersctzung herauszugeben. Andere Verpflichtungen hinderten mich aber, ans Werk zu gehen, und der Tod des großen Bibelforschers trennte mich vollends von dem Vorhaben.

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