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Der Orient · 1844-06-18 · 25 (18.6.1844) · p. Spalte 393-394

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Spalte 393-394 (sequence 5)
Language
German
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Studien. Literarische Analektcn. 394 393 Literarische Analekte«. Zehudrr bc»r Koreisch, der erste Lexikograph der Bibel. Von F. Le brecht. Der Wanderer im heutigen Nord-Afrika, der dort, wo sich die Franzosen mit den .Trümmern der Macht Abdelkadr's schlagen, nur auf verwahrlostes. Land, auf Ruinen und auf ein gesunkenes von Unwissenheit, Armuth und Lastern entstelltes Menschengeschlecht stößt, der ahnt nicht, daß sein Fuß auf das Leichenfeld einer Civilisation tritt, -welche vom 7ten bis ins löte Jahrhundert hier die Küsten krönte; der ahnt nicht, daß am Mittel- und Atlantischen Meer Völker wohnten, welche in der Fülle des arabischen Fleißes den jetzt von der Sahara schon angesteckten Boden zum Garten und zum Sitze der Industrie .machten, die mit dem Reichthume ihrer Einbildungskraft für das Leben die süßesten Bethörungen der Poesie gewannen, und die durch die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft den reli.giöfen Fanatismus milderten, um Christen und Juden freundlich die Hand zu reichen. In jenem ungetrübten Verkehr der Wissenschaft geschah es, daß die Araber mit heißer Wißbegier sich Anfangs an die Griechen und die Juden als Schüler anschlossen, um bald die Lehrer derselben zu werden. Die Juden besonders suchten überall, im | Morgenlande, in Spanien und in Nord-Afrika, den Unterf richt der.Araber in der Philosophie, Poesie und Grammatik I und wendeten letztere auf die Sprache der Bibel so wie die | erstere auf den Inhalt derselben an. Aber erst in der Mitte | des lOten Jahrhunderts unternahm es ein Jude, das alte 1 Testament durch ein Lexikon zu erklären. Als Gründer seiner j Wissenschaft, und mit Rücksicht auf die Vortrefflichkeit seines J Versuches, hätte er längst verdient, einen gründlichen Bioß graphen zu finden; dennoch bin ich hier mit folgender schwaß chen Notitz der erste Biograph des ersten biblischen Lexiko- | graphen. L) | | Der Vater der hebräischen Lexikographie hieß Ich u da | ben Koreisch und war aus der Stadt Tohart oder | Tahart . und hat wahrscheinlich um 930 gelebt. Wie j 1) Schwerlich wird man die wenigen Worte, die Wolf j (Bibliotheca hebraeu) ihm gönnt, auch nur für einen Ver-! luch gelten lassen. De Rossi behandelt ihn noch dürftiger; und doch thaten beide ihre Schuldigkeit. Von jüdischen Quellen verlassen und nicht im Besitze eines Werkes von diesem! Manne, wie konnten sie etwas von ihm wissen? Das Wenige, K was ich im Folgenden vorlege, ist Ergebniß der Vergleichung ß des handschriftlichen Lexikons. Doch glaube ich mich bei den! Lesern dieser Blätter verdienter zu machen, wenn ich sie! mir gelehrten Belegen zn meinen einzelnen Behauptungen verj schone. Inzwischen werde ich über Alles an einem Orte Rechenschaft geben, wo die hier vorgctragene Skizze sich zu einer - Abhandlung ausdehnen wird.! 2) Bisher immer Kar i sch, von Wolf CH arisch genannt. 3) Jbn-Esra, Einleitung zur Grammatik „Mosnajim.“ seine Erziehung gewesen, welche Stellung er im praktischen Leben einnahm, wie ausgebreitet seine schriftstellerische Tätigkeit war,. wo und wann er gestorben — diese und noch viele andere Umstände, welche man gern aus dem Leben eines Gelehrten kennen möchte, und die ehrenvollsten Eindrücke hinterlassen, dieses Alles wird schwerlich den angestrengtesten Untersuchungen zu ermitteln gelingen, da bald nach ihm Grammatiker hervortraten, die seine Leistungen benutzten und seinen Namen durch umfassendere Werke verdrängten * * * 4), und da bald darauf diese Grammatiker und die Grammatik selbst durch die, alle wissenschaftliche Thätigkeit absorbirende, alleinseligmachende, talmudische Literatur verdrängt wurden. Sein großer Zeigenosse Saadja Gaon (942) würde ebenfalls mit seinen linguistischen Arbeiten, seine Version ausgenommen, verdrängt und vergessen worden sein, wäre er nicht zugleich der weithin glänzende Meister im Talmud und Oberhaupt der babylonischen Akademien gewesen. Wäre von den Werken oder dem Werke Koreisch's wenigstens etwas Ganzes erhalten, wir könnten aus diesem selbst" Winke für die Lebensverhältnisse des Verfassers gewinnen; allein das Lexikon, welches in der ganzen Welt nur in einem einzigen Exemplar erhalten ist und welches man bisher nachlässiger Weise für sein vollständiges Werk hielt, muß ich als einen verstümmelten, wenn auch sehr wichtigen, Auszug d e n u n z i r e n. 5) Dieser Auszug reicht jedoch hin, den linguistischen Grundsätzen des Verfassers und seiner Kritik, so wie seiner ausgebreiteten Belesenheit und Sprachkunde, die vollste Anerkennung zu verschaffen. Wir wollen nur noch ein. Wörtchen von der Persönlichkeit des Verfassers sagen und dann zur Beurtheilung des innern Gehaltes seines Werkes und seiner äußeren Geschichte übergehen. Freilich aber ist, da nur das Werk die Quelle unserer Nachrichten für die Person des Verfassers ist, die Beurtheilung des Einen von dem Andern kaum zu trennen. Aus mehreren guten, wenn auch nicht unwiderleglichen, Gründen hat sich bei mir dieVermuthung gebildet, Koreisch war praktischer Arzt, oder hat sich wenigstens mit der Arzneikunde beschäftigt. Gewisser aber noch ist, daß er ein Mann von vielseitiger und feiner Bildung war. Er hatte nicht blos eine erstaunliche Belesenheit im Talmno, sondern auch in den arabischen Dichtern, aus denen er häufig Stellen anführt. Was seine Verbindung mit der arabischen Literatur noch beehrnders auszeichnet, das ist seine Kenntniß des Korun's und dessen Benutzung für linguistische Zwecke. Gewiß eine seltene Erscheinung bei jüdischen Gelehrten, jedenfalls selten bei einem Manne, der sich von strenggläubiger Seite zeigt; und es mag auch dieser Umstand dazu beigetragen haben, den NamenJehu- Die Stadt Ta hart, welche unter der Dynastie der Rosiomiden und später Hauptstadt war, lag da, wo Abdelkadr seine so kläglich untergegangene Residenz Te k e d em pt hatte. Siehe hierüber Magazin 1840, Nr. 93. 4) Menachem ben Saruk; .Dunasch ben Librut; Jehuda Cyagug', und vor Allen Abulwalid oder Jona ben G'annach. 5) S. unten.

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