Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-06-18 · 25 (18.6.1844) · p. Spalte 387-388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Spalte 387-388 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890825--3590-3530408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

388 Z8? Kritiken. Hirsch's Neligionsphilofophie beurtheilt von Dr. Steinheim. u. A. Sachs kn Prag über die Beschneidung sehr erbärmlich ausspricht. Die neue Broschüre des Dr. Hold- Hold heim in Schwerin, dem auch seine erbittertsten Gegner wenigstens einen außerordentlichen Fleiß und eine seltene Belesenheit nicht werden streitig machen können: „übewdie Beschneidung in religiös-dogmatischer Beziehung (Schwerin 1844), erwähnt in einem Postskript bereits dieses Sachs'sche Votum, kann aber nicht umhin, es noch heftiger anzugreifen, als das Mannheimer'sche in der Frankfurter Gutachten-Sammlung und stellt sich also in dieser Rücksicht mehr auf die Seite der Resormfreunde. — Vor Kurzem hat Hr. Dr. Holdheim auch wieder eine Anzahl P r e d i g t e n drucken lassen, welche der Reform des Kultus das Wort reden und hauptsächlich die Ausbildungsfähigkeit der talmudischen Grund- und Lehrsätze leugnen. In homiletischer, ästhetischer und psychologischer Beziehung werden indessen die Holdheim'schen Predigten noch immer bei Weitem überragt werden von den „Blättern der Erinnerung^ Letzte Kanzelvorträge im Neuen Israel. Tempel von Dr. E. Kley (Hamburg, bei Berendsohn 1844. XVI. und 200 S. — eine Widmung, ein Vorwort und 20 Vorträge, einschließlich der Abschiedspredigt, enthaltend). — Die Predigtskizzen desselben wackern Schulmannes werden nun wohl bis zum vierten Hefte gediehen sein.— Auch Dr. Riesser har in seinen Bemerkungen über die zweite Streckfuß'sche Schrift (Berlin, Veit und Comp. 1844. 8.) wiederum lebhaft pro aris et focis gekämpft. — Sein edler Freund, Dr. Stein heim, jetzt auf Reisen befindlich, hat vor Kurzem in seiner Biographie Büdingers, die der Gattin des Biographen mit herzlichen Versen gewidmet und deren im Hamb. Korresp. vom 20. Mai mit großer Anerkennung von G. S. (Georg Schirges, Redakteur des Telegraphen?) erwähnt worden ist, von Neuem seine Vielseitigkeit bewiesen. Eine nochmalige (jetzt gewiß fruchtlose) Einladung Wergeland's an ihn, nach Norwegen zu kommen, wird wohl nebst Dr. Steinheim's Antwort nächstens in skandinavischen Blättern zu lesen sein. — Zu Gunsten der polnischen und russischen Juden wird bald (bei Hoffmann und Campe in Hamburg) eine kleine Schrift herauskommen, die den jetzt von Frankfurt a. M. nach Hamburg übergesiedelten H. Louis Simon zum Verfasser, aber durch Eile und Censur sehr gelitten haben soll. — Die Hamburger und Altonaer Judenfresser haben, bis auf den mit seinen Pasquillen hausirenden Nathanson, auf die „Fliegenden Blätter" nichts erwidert; und auch dieser stellt sich selbst immer mehr an den Pranger. Eine kleine Flugschrift gegen ihn von einem in Altona lebenden jungen Manne, Hrn. I. W. Salomon, einem Verwandten des Predigers (Hamburg-Altonaer Buchhandlung in St. Pauli) verdient schon um, ihrer gutgemeinten Absicht willen Erwähnung. — Zu einer ernsteren Diskussion dürfte der Streit zwischen zwei christlichen Geistlichen führen, der in Hamburg entbrannt ist. Bei der kürzlich stattgehabten Grundsteinlegung zur Petri-Kirche hielt nämlich der Hauptpastor Dr. Alt eine kräftige Rede, in der aber kein Wort von Christus, dem heil. Geist rc. vorkam, ja die nicht einmal mit einem Vaterunser eingeleitet wurde. Darüber gerieth sein Kollege, der Diakonus John an der Petrikirche, in Hellen Zorn; er schleuderte sein Anathema über Alt in einer (gleichfalls gedruckten) Predigt, die er am folgenden Sonntage hielt. Weitere Schritte des Eiferers beim Senate und beim Konsistorium dürsten aber, obgleich er in den Pastoren Mutzen- Lecher und Sroodt zwei Bundesgenossen erhalten hat, nichts fruchten. Bei dieser Gelegenheit ist denn natürlich die vermeintliche Rücksicht zur Sprache gebracht worden, den Pastor Alt auf die anwesenden Juden genommen hätte, die sich übrigens dem Charakter des Redners gemäß, darauf beschränkt, daß er auch - der von Juden zum Kirchenbaue dargebrachten Spenden dankbarlichst erwähnte. Auf die ganze Kontroverse hat auch Hr. Dr. Frankfurter in seiner Predigt am ersten Lage des Wochensestes Bezug genommen. — Während so der Kampf gegen christliche Orthodoxie von Hamburg aus rege fortgesetzt wird, gedenkt uns Dr. Riesser bald auch mit dem dritten (Schluß-) Artikel seines 'Aufsatzes gegen die philosophischen Radikalen, zumal B. Bauer, in Dr. W e i l 's konft. Jahrbüchern (Bd. V.) zu beschenken. Endlich tritt auch einer der geachtetsten Iunghegelianer, Karl Nauwerk in Berlin, in seiner Uebertragung der Broschüre von Jouy „Tempel, Kirche und Synagoge" (Berlin, Springer 1844), wie es von Nauwerk nicht anders zu erwarten war, für Toleranz überhaupt und Gleichstellung der Juden insbesondere in die Schranken. Religiorrsphilofophie. Die Religionsphilosophie der Juden, oder das Prinzip der jüdischen religiösen Anschauung und sein Verhaltniß zum Heidenthum, Christenthum und zur absoluten Philosophie, dargestellt rc. von Dr. Sam. Hirsch, Rabbiner. Leipzig, 1843. bei H. Hunger. Von Steinheim. (Fortsetzung.) „Was ist nun dieses Zeugniß des Geistes?" „fragt unser Autor p. Vül. „daß es sein eigner Inhalt ist lautet die Antwort: — „der Geist nöthigt sich selbst, diesen Inhalt zu haben, weil er ihn ewig hat .. Die Philosophie der Religion will nun im Unterschied vom bloßen Bewußtsein auch die Nothwendigkeit des gewöhnlich nur gewußten Wissens wissen." Ja, gäbe es nur ein andres Wissen als ein mit Nothwendigkeit verbundenes! denn nach der alten Definition des Scire, est per caussas scire., fann es kein anderes geben. Das s. g. gewöhnlich nur gewußte Wissen ist, im Gegensätze zu dem, dessen Nothwendigkeir gefodert wird, so gut wie gar keins. ,,Sie enthält daher (die Philosophie der Retig.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.