Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1844)
- Date
- 1844-06-18
- Page
- Seite 198 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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198 dmwäre, wenn nicht ein Zufall es in die Hände des Einsenders gebracht hätte), das Gepräge der Wahrheit tragt, bleibe der Beurkheilung eines jeden unbefangenen, der Gerechtigkeit huldigenden Mannes überlassen. L... Meklenburg - Schwerin, 5. Mai. Die Erklärung des Herrn Dc. Holdheim in Nr. 18 des Orients konnte uns allerdings, wie derselbe richtig voraussetzt, nicht unlieb sein. Wir bekennen auch, daß uns Seite 16 des Vorberichts der Synagogen-Ordnung keineswegs unbekannt war, und haben wir sogar nicht einen Augenblick daran Zweifelt, daß Herr Dr. Holdheim wirklich seine Gründe für die Weglassung des Trops anführen könne. Allein da nach unserem Wissen noch nirgends, außer vielleicht im Hamburger Tempel-Verein, solcher abgeschafst, wir also gewiffermaaßen zuerst diesen Fortschritt gemacht haben, so hielten wir es allerdings nicht für .unnörhig, diesen Gegenstand vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen, um wo möglich dadurch auch die Ansichten mehrer Herren Rabbiner zu erfahren, um welche wir also hiermit wiederholt bitten. Ferner: der tz. 15 bes Kirchl. Statuts für Meklenburg bestimmt ausdrücklich, daß jeder Gegenstand dieser Art bei den 5 Mitgliedern des Raths cirkuliren soll, um deren Vota darüber einzuholen. Wenn nun solches z. B., wie wir sicher wissen, bei der Bestimmung der beregten Neuerung schon nicht geschehen und also nur von einigen Mitgliedern des Oberraths definitiv beschlossen worden, so glaubten wir keineswegs dem Herrn Dr. H. ein Kompliment mit der Wortführerschaft des Oberraths zu machen. Zugeben müssen wir jedoch, daß gewiß Niemand im Lande an der Tüchtigkeit der Mitglieder des Oberraths zweifelt, man wird um so mehr in dieser Ansicht bestärkt, wenn man dem Gange der 5 jährigen Verhandlungen folgt, durch welche so manche nicht unwichtige Neuerung, wie z. B. die Allerhöchst bestätigte Synagogen- und jetzt vorliegende Gemeinde- Ordnung ins Werk gesetzt, und findet, daß die landesherrlichen Kommiffacien noch nicht ein einzig Mal den h. 15 der Statuten: ,,vor definitiven Entscheidungen die Gutachten sammtlicher Gemeinden einzuholen" für anwendbar hielten! -- Hamburg, 12. Juni. (Urtheil eines deutschen Christen über die norwegische I ud en fra g e.) Wir wüßten zu den lehrreichen Mittheilungen, die uns die April- und Mainummern des „Orient" über die den Storthingsverhandlungen des Jahres 1842 vorangegangenen Thatsachen, Nachweise und Erkundigungen gebracht, keinen besseren Anhang oder Nachtrag zu finden, als eine gelegentliche Aeußerung, welche einer unserer besten Novellisten, der treffliche, vorurteilsfreie Schriftsteller Theodor Mügge in Berlin, ein durch Freimuth, Vaterlandsliebe und wahre Bildung ausgezeichneter 'Literarischer Charakter, in dem eben erschienenen ersten Bande seiner „Skizzen aus dem Norden" (Hannover bei Kius 1841) auf S. 247—248 thut: „Unwürdig eines freien Volkes ist die religiöse Intoleranz, das Erbtheil alter Zeiten, das in die Verfassung übergegangen, nach welcher nur Bürger, die sich zur evangelischlutherischen Religion bekennen, Staatsämter bekleiden dürfen, Juden gar nicht im Lande geduldet werden." „Ich schließe diesen Abschnitt mit der festen Ueberzeugung, daß solch veraltetes Wesen, das in nichts zu einem jungen, strebenden Staate paßt, als Schlacken abfallen wird in kurzer Zeit. Denn schon haben sich erst mahnende Stmu men im Storthing dagegen erhoben, und mit edler Begeisterung für das Wahre und Rechte, Abschaffung jener Bestimmungen begehrt. Die Judenfrage besonders wurde beim letz, ten Male fast durchgesetzt und wird im nächsten Storthing höchst wahrscheinlich zur Majorität gelangen. Die beiden trefflichsten Redner und hochgeachteten Männer: der Präsident der Versammlung, Herr Sören sen und der Bischof von Drontheim, Herr Ridderswald, sprachen eindringlich für die Aufnahme der Juden, als für ein heiliges Interesse der Aufklärung der Zeit und Zerstörung dessen, was die Barbarei vergangener Jahrhunderte am Vorurtheile aufbaute, um Unschuldige zu ächten und als Paria's auszustoßen. — Gegen die Gebote höherer Sittlichkeit und das, was würdig für die Freiheit, halten die laxen Bemerkungen nicht Stich, daß man den Juden kein Unrecht thue, wenn man sie nichc ins Land lasse, weil sie bis jetzt nicht darin ansäßig seien. Kann man Unrecht mit Unrecht beschönigen und ist das ein Grund, einen ganzen Menschenstamm auszuweisen, weiter bisher dort verbannt war? Warum? — Durch den christlichen Fanatismus." Qu’en dites rous, Monsieur Bauer? ruft man hierbei unwillkürlich aus. Doch was geht uns der philosophische ungläubige Kritiker an? Wir haben es mit den religiösen norwegischen Politikern, ja mit dem freien, klarschauenden Volke der Norweger zu thun, und .gewiß wird auch diese Ansicht eines Deutschen, der im vorigen Jahre Skandinavien bereist und dort überall eine wohlwollende Aufnahme gefunden hat, in Norwegen selbst einen Eindruck zu machen und eine Rückwirkung zu üben nicht verfehlen. Tandem bona causa triumphat. E. C. Brsn?uschweig/ 12. Juni. (Mitth. aus der Rub binerversammlung *). Bis jetzt sind folgende Herren anwesend: Hr. Dr. Mayer, Kirchenrath und Rabb. in Stuttgart; Dc. Hold heim, Rabb. in Schwerin, Dr. Klein, Rabb. zu Stolp; Dr. Salomon, Prediger zu Hamburg, Dr. Heß, Großh. Weimar. Landrabb.; Dr. So beruhe im, Rabb. zu Bingen; Dr.'Zo- *) Genaue und ausführliche Mitteilungen werden in der nächsten Nummer ihren Platz finden. Das Sendschreiben Geigers in Bezug auf diese Versammlung, kann da es-nur Raisonnement enthält, erst bei einer Schlußbetrachtung über diese Versammlung Platz finden. Red.