Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-06-18 · Heft 25 (18.6.1844) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Seite 197 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360336--4514-3530403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

197 Vorsteher der hiesigen Hochsyuagoge bei der Einweihung einer prachtvollen Menora an den Tag legten, in uns die reinsten Gefühle der Freude erweckt. Diese Herren Synagogen-Vorsteher wußten nämlich den feierlichen Einweihungsakt dieser Gotteslampe nicht würdiger zu begehen, als wenn sie bei dieser Gelegenheit von dem uns schon durch früher abgehaltene gottesdienstliche Vortrage bekannten Rabbinatskandidaren Hm. A. Bloch eine der Zeit und Gelegenheit angemessene erbauliche Predigt abholten ließen. Wir danken sowohl den Herren Vorstehern für ihr loberiswerthes Bestreben, keine Gelegenheit zu vernach-! lässigen, auch in ihre Synagoge das Bessere einzuführen s und dem GotceSditnste wo möglich die ihm gebührende Wahe und Würde zu verscl)affen, als auch dem Herrn jä. Bloch für seine gelungene Leistung, in welcher er ^kräftig und gemüthlich auf eine bessere Gestaltung des j Kultus in unserer Mitte hinwies, und wünschen, daß z dieses schöne Beispiel bei Allen, denen die Verwaltung! unserer Synagogen obliegt, in welchen uralte Unordnung! und verjährte Orthodoxie nur zu sehr noch ihr Unwesen treiben und jeden Keim einer vernünftigem Reform gleich im Werden erdrücken, Anklang und Nachahmung j finden mögen. St. Deutschland.! Frcmk'furt a. fflt., 9, Juni. Ueber unsere Ge- - meinde erhebt sich eine neue Gewitterwolke, die sich auf } ben heiligsten Hain unserer Religion zu entladen droht, s Eine neue Wechselordnung, die gegenwärtig unserer ^gesetzgebenden Versammlung zur Genehmigung vom hohen Z Senat vorgelegt worden ist, hebt alle früheren Gesetze r und Usancen auf, nach denen die israelitischen Handlunl gen am Sabbat und den Feiertagen von der Bezahlung j und Akceptirung der Wechsel befreit waren. Eine große! Anzahl jüdischer Handlungshauser wandte sich daher an j unseren Gemeinde-Vorstand, um vom hohen Senate eine \ Modifikation zu Gunsten jüdischer Handlungshäuser ein- 1 treten zu lassen. Würde diesem Gesuche nicht willfah- | reu werden, so sind in unserer Gemeinde der Sabbat l und alle Feiertage aus dem jüdischen Kalender zu? streichen. Dieses die herbe Frucht derjenigen, die, den f Standpunkt des Judenthums nur durch ihre kleineren ^Gemeinden erkennend, die Gefahr nicht einsehen, die sie ( den großem Gemeinden dadurch bereiten, indem sie sich der Tagespresse bedienen, um in alle Welt ihre refor- [; matorischen Entwürfe zu verbreiten.! Nicht um untergeordnete Dinge, um die Abschaf- \ fung oder Einführung dieses oder jenes Gebetstücks han- J delt es sich in unserer Gemeinde, sondern ob überhaupt \ der Sabbat fortan bestehen solle. Der erste Grund zur j Verlegung des Sabbats aus den Sonntag ist nunmehr gelegt, die wiffenschastliche Kritik hat sich nur noch mit dem historischen Beweis über die Möglichkeit dieser Verlegung zu beschäftigen, und auch diese letzte Scheidewand wird fallen. Und so wird in nicht langer Zeit das Judenthum nur noch in der Idee, in der U nitäts lehre bestehen, und Gott gebe, daß eine Veränderung der Formen nicht auch eine Veränderung der Ideen hervorbringe. 2 HsrmbuLg, 28. April. (Verspätet.) Einsender dieses, welcher der in verschiedenen Blättern seit längerer Zeit geführten Polemik über die Verwendung der Spenden und Beiträge für Palästina, mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, — den streitenden Parteien aber in jeder Hinsicht fern steht — glaubt es der Wahrheit schuldig zu sein, das nachfolgende Schreiben, dessen Original ihm vorliegt, der Oeffentlichkeit zu übergeben. „An meine Schwester Betty, Frau des Kleiderhändlers Salomon Hirsch in Hamburg. Sammtliche theure Schwestern! Seit ich von Deutschland mit Gesund nach Jerusalem angekommen bin, habe ich von Euch auch das Mindeste nicht gehört, Ihr wisset doch, daß ich in Jerusalem wohne, und Eure Briefe können auch unentgeldlich mir zulaufen, nämlich durch den Gabbai von Hamburg oder Altona wird der Brief zum Hrn. Hicschel Lehren geschickt, und mit meiner Adresse kann ich Euren Brief binnen sechs Wochen erhalten. Schon mehrere Briefe habe ich Euch geschrieben, aber leider sehe ich keine Antwort. Ich hoffe, Ihr seid gesund und wohl, meinerseits wie auch meine Frau und Kind sind Gottlob gesund! „Uebrigens ist bekannt, daß man in Ecez Jisroel meistens nur von dem Geld des Auslandes lebte, der Ewige erhalte das Wohl von Herrn Hirschel Lehren und seiner sammtlichen Familie, denn er mit Gotteshitfe unterstützt mich mit mehreren deutschen Menschen wohl zufrieden. Ach! möchte doch das halbe Deutschland ein Beispiel nehmen, wie dieser edle Mann sich für das heilige Land interessirt, und sich aus Uneigennutz aufopfert; — der liebe Gott weiß es, der dort an jenem heitern Morgen Wahrheit mit Wahrheit belohnt. Euer Bruder Moses Sacks. Jerusalem 14. Schebat 404. Febr. 44. Es ist auffallend in welch grellem Widerspruche der Inhalt dieses Schreibens steht, mit demjenigen das in der O. P. A. Zeitung v. 5. März a. c. abgedruckten, auch in dieses Blatt/übergegangenen Schreibens, von (lato Jerusalem 3. Jun. 44. — Es ist besonders hervorzuheben, daß beide Briefe den Zustand der aschkenasischen Juden besprechen, und daß sie fast zu gleicher Zeit geschrieben sind. Ob nun jener Brief vom Januar, der als Waffe aus dem Arsenale der Gegner des Herrn Lehren zum Kampfplatze gesendet wurde, oder dieses Harmlose nur Familien-Verhältniffe zum Zwecke habende Schreiben des Hm. Sacks — (welches wahrscheinlich nie veröffentlicht wor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.