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Der Orient · 1844-06-18 · Heft 25 (18.6.1844) · p. Seite 195

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Seite 195 (sequence 5)
Language
German
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195 mji&ALjsamm mühevolle Waltung bei Betheilung der Todesco'schen Armen freudig übernommen, der zur Organistrung des polnischen Ritus nicht nur seine Stimme gab, sondern sie quasi Hervorrufen half, wie überhaupt sein ganzes bescheidenes und treffliches Benehmen so manchen Rabbinen aus seiner Schule, als rühmliches nachahmungswürdiges Beispiel aufgestellt werden dürfte. Der würdig c.ls Vertreter in diesem Ritus, ihm zur Seite stehende obbenannte Herr Jg. Deutsch, der dieser Synagoge durch aufopfernde Geldspenden unterstützt und ihren Standpunkt in jedem Bezüge fördern und erheben half, und;bec gegenwärtig, zwar nicht stin Mühewalten und seine freundliche Hilfsleistung in jedem Bezüge; sondern einzig und allein seinen Vorstehertitel, bei Seite legt — tynt zu Radaun in Böhmen größlencheils auf eigene :Kosten ein Bethaus und eine Mikwa Herstellen las- (fen, unter dem wahrhaft menschenfreundlichen Bedingtste: daß diese kleine Gemeinde eure organisirte Schule \ zur Heranbildung der Jugend errichte. Semplitt, 1. Juni. Traurige Gefühle sind es, bic der Israelit dieses Landes bei der Beobachtung der l jetzigen Landtagsverhandlungen über die ihm zuzuerkennenden : Rechte theilt; die süßen Erwartungen sind getauscht, die vielversprechenden Hoffnungen sind vereitelt, nur das '• kranke Herz erschlafft allmalig durch die heftig aufgerütttlten, in Stumpfheit entschlummerten Gefühle. Diese ^hochwichtige Angelegenheit der Erhebung der Juden zur Menschenwürde wurde als eine unbedeutende Nebensache ß verhandelt, und von einem Tag auf den andern, von |emet Sitzung auf die andere hinausgeschoben, ohne zu gedenken, daß es selbst für die übrigen Bewohner von Zdem wichtigsten Interesse sei, jenen Gegenstand, und zwar f zu Gunsten der Israeliten zu erledigen. Durch diesen 8 Schritt würde die allgemeine Unzufriedenheit, die sich im > Lande über die drückenden feudalen Gesetze, kund thut, ab- Enehmen, und auch dem niedrigen Stande beweisen, daß M mit der Verbesserung seiner prekären Lage ernst gemeint sei, denn so lange der Liberalismus sich nur in 8 schönen Worten äußert, aber niche zur That reifet, so Klange diktatorische Phrasen bedeutender als die Rechte der Menschen, ist die Ruhe im Lande eine erzwungene, die \M der kleinsten Aenderung des politischen Gewitters sich - in Unruhe und Sturm verwandeln kann. Diese Wahrs heit ist zwar von einigen Patrioten mit unwiderleglichen ^Gründen, aber mit Bitterkeit ansgesprochen, allein die 8 unbesiegbare Macht der anders Gesinnten ist weit größer, Md es scheint auch das traurige Schicksal der gerechten Mache zu stin, nur welterschütternd. sich Bahn zu bre- Men. Die armen Juden haben auch nicht ermangelt, in dieser langen Zeit zu bitten, vorzustellen und vernünftig zu sein; aber die Stimmung der Magnaten, unter; ^nen sich die höhere Geistlichkeit auszeichnet, scheint nicht tchr günstig zu stin, warum? (wenigstens gibt man dies Mr) weil einige nichtswürdige blutsaugende Juden von einigen verschwenderischen adeligen Familien einen unge-, setzlichen Wucher erpressen. Ich will mich keineswegs zum Verlheidiger des Wuchers, aufwerfen, da auch ich die Niederträchtigkeit des Wuchers wohl einsthe; es ist aber hinlänglich bekannt, daß hier zu Lande noch größere Ungerechtigkeiten geschehen, und zwar durch Männer, die die Gerechtigkeit handhaben; denn in keinem Lande werden die Gesetze so sehr verdreht,, mißdeutet und misbraucht als in Ungarn. Freilich ist nicht zu läugnen, daß die gegenwärtige erträgliche politische Lage und die fast lethargische Ruhe der Israeliten in eben diesem Misbrauche der Gesetze begründet ist; allein kein Volk oder eine Körperschaft kann, des wahren Glückes theilhaftig werden, wenn es nur durch die Umgehung der Gesetze geschehen muß. Ja diese alten Gesetze, die die Juden betreffen, sind unmenschlich, und die bei dem jetzigen Landtage in Vorschlag gebrachten, die von Humanität und Gerechtigkeit athmen, haben Debatten erweckt, die auf den Geist der meisten Deputirten ein ungünstiges. Licht werfen; denn sie zeigen, daß sie ihrer edlen Aufgabe nicht gewachsen sind, und der europäischen Bildung und Civilisation noch fern stehen. Besonders hat der Deputirte der k. Freistadt Debreczins, die wegen ihrer Seife und ihren Speck eine europäische Berühmtseit erlangt hat, an Feindseligkeit gegen die Israeliten, die jedes Jahr große Summen ihr zuführen, sich ausgezeichnet. Nebst seiner eigenen Rede, die weder Demosthenisch noch Ciceronisch ist, zeigt er auch eine Petition mit 3000 Unterschriften vor, die einen edlen Unwillen gegen die Aufnahme der Israeliten in die Speckstadt äußern. Herr Eugen von Boöthy hat mit glänzender Beredsamkeit und patriotischem Feuer die Israeliten vertheidiget und ihre Partei ergriffen; was sagten aber die Schlechtgesinnten, die keine uneigennützige Handlung begreifen können? „Einige tausend Goldstücke haben ihn bestimmt, wider seine eigene Ueberzeugung zu sprechen. Noch eine andere Ursache giebt man an, warum man mit der Errheilung der in Aussicht gestellten Bürgerrechte zögert, „daß man die Einwanderung aus den benachbarten Landern fürchtet" und die nicht sehr strenge Polizei macht die Vermuthung noch gegründeter, welche die Juden leider noch zu erhärten scheinen. Ich will zwar nicht gegen die Meinung des Reichstags behaupten, daß eine zahlreiche Bevölkerung, für ein so segenreiches Land nur wohlchatig influiren müßte, besonders da es in Ungarn an Menschen mangle, die vielen Ländereien anbauen zu können; aber gegen die Engherzigkeit der Juden, die sogar Schritte zur Durchführung dieser nicht sehr menschlichen Maaßregel gemacht haben sollen, glaube ich als Religionsgenosse und als Rechtsliebender mich berechtigt, diese Provokation öffentlich, auszufprechen. Wenn man eine Einwanderung wirklich zu befürchten hätte, so wäre es aus dem benachbarten. Galizien;, und. dieses Galizien, das von der Regierung stiefmütterlich behandelt wird, dessen Juden unter einem namenlosen 25 *

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