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Der Orient · 1844-06-11 · 24 (11.6.1844) · p. Spalte 375-376

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
24 (11.6.1844)
Date
1844-06-11
Page
Spalte 375-376 (sequence 4)
Language
German
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375 Kritiken. Hirsch's Religionsphilosophie beurtheilt von Dr. Steknheim. 376 Neligio»sphilof0phke. Die Religionsphilosophie der'Juden, oder das Prinzip der jüdischen religiösen Anschauung und sein Vechaltniß zum Heidenthum, Christenlhum und zur absoluten Philosophie, dargestellt rc. von Dr. Sam. Hirsch, Rabbiner. Leipzig, 1843. bei H. Hunger. Bon De. Steinheiw. (Fortsetzung.) p. XV. Einleitung. Begriff unserer .Wissenschaft. Philosophie der Religion, und Religionsphilosophie — diese ist ein specieller Theil von jener, die zum Zwecke hat: „den ganzen Jnhallt des religiösen Bewußtsein s philosophisch zu behänd elu." Wir dürfen nach diesem auf zwei Dinge uns gefaßt machen; 1) auf die Darlegung eines ganzen religiösen Bewußtseins und 2) auf eine philosophische Behandlung desselben. Ausgegangen wird — wie wir sehen — von einem „religiösen Bewußtsein", das gleich beim Eingänge sich als ein innerliches ankündigt. Die dialektische Methode hat mit diesem ihren Proeeß zu machen und dasselbe in ihre Formen zu gießen, es als ein nicht Zufälliges, sondern als ein Nothwendiges zu begreifen und vor unsere Seele fertig hinzustellen. „Denn das Höchste, wozu es der Mensch bringen kann, kann nichts Zufälliges sein; vielmehr ist es' die Nothwendigkeit seiner geistigen Natur, die ihn zwingt, dieses (religiöse Bewußtsein) zu haben. Der Mensch ist durch die Nothwendigkeit seiner geistigen Natur hiezu gezwungen, aber weil es sein Geist ist, der ihn zwingt, so weiß er diese Nothwendigkeit nicht. Es ist nicht ein fremdes Wesen, das ihm die Religion aufdrängt — wäre dieses, fo müßte der Mensch überall in der Religion den ihm auferlegten Zwang wissen; er müßte gegen dieses Joch immer anßämpfen, irreligiös statt religiös zu sein streben"... So unsere folgerichtige Philosophie der Religion. Wie aber, wenn es Jemand versuchte, diese Strenge der Schlüsse gegen den Herrn Vater zu kehren? Was du uns da lehrst — könnte dieser ihm eben entgegnen — ist gewißlich in jedem Betrachte das Nichtige; denn du sprichst von einem Religionssysteme, das aus unserm Bewußtsein entsprungen, mit dem Inhalte seiner Quelle einerlei ist. In diesem Bewußtsein, als dem Ausdruck unseres Vernunftinhalts, finden wir denn auch ganz richtig unsere naturgemäßen Vorstellungen ausgesprochen, und, „weil es unser eigner Geist ist, was du den Geist der Religion Nennst" fühlen wir auch die Nothwendigkeit, den Zwang, nicht. In deiner, von dir dargestellten Religionsidee hat dies gewiß seine volle Richtigkeit, und das Volk, das sie in dieser Fülle und Reinheit saßt und darstellt, wird gewißlich immer streben religiös, seiner Religionsidee, die eben sein eigner Geist ist, konform zu leben. Ein Volk dagegen, daß immer und ewig tatsächlich wirklich irreligiös statt religiös zu sein sich bestrebt, das in einem ewigen Abfall von dieser Idee gelebt und in steter Abtrünnigkeit gewandelt ist, dessen Frömmere selbst, die eben die Frömmigkeit wirklich anstreben, diese doch immer als ein Joch, wenn gleich als ein Joch des himmlischen Königthumes, das sie freiwillig auf sich zu nehmen haben, betrachten, und für ein solches erklären: dieses Volk und seine Frommen geben doch nach deiner eignen Voraussetzung zufolge, deutlich zu erkennen, daß sie wahr und wahrhaftig ihre „Religionsanschauung",M will nicht sagen als eine f r e m d a r t i ge, so ' doch als "eine 'fremde, ihrem eignem Geiste nicht adäquate anfthen. Und dies ist denn auch die wirkliche Sachlage, und die sichtbare Lhatsache der Geschichte unseres unglücklich-glücklichen Volkes, daß es, trotz dem Gebote, im Geiste Gottes zu wandeln, dem Gebote, seines eignen Geistes nachgebuhlt hat; daß es von der Gotteserkenntniß, die ihm eine wahrhaftige, 'äußere Offenbarung, eine echte Lehre Gottes, gegeben, nichts wissen wollte, und desto mehr seine eignen Religionsideen, jenen in einer Nothwendigkeit des Wissens vor allem Lernen in und aus seinem Innern hervortretenden Begriff gehegt und gepflegt hat. Dies sage ich, ist die wahre Sachlage, die uns der Herr Verfasser, vielleicht gegen seine Absicht leibhaftig vor die Augen stellt: die Lehre des Iudenthums war von Anfang an eine solche, die sich mit dem, dem Menschengeiste rnwohnenden Religionsgefühle in einer Opposition befand, diesem allerdings Gewalt anthat, und daher ewig Widersetzlichkeit und Abfall fand; sie lehrte, daß der Mensch sich nicht nur zu erinnern brauche, um das Höchste, dessen er fähig ist, zu ergreifen: sondern, daß er was Neues, selbst seiner Nothwendigkeit zu denken Widersprechendes, die diese Ueberwältigende Freiheit der That, zu erlernen habe. Sie stellt die Nothwendigkeit des Wissens, dem Erinnern, eine Freiheit des Thuns, und ein Lernen entgegen, genau wie die Thatsachen der Physik der gleichen Vegrifssnothwendigkeit und dem E r i n n e r n, eine Unbegreiflichkeit der Thal (das Gccv^acxov xi des Aristotel) und das Erlernen (Erfahren) derselben entgegensetzen. Nach den Voraussetzungen unsers Herrn. Autors, wäre der Abfall Isreels ein Unbegreifliches, weil er micht ein Abfall von einem Andern, sondern von sich selbst wäre; hätte sich das Volk seiner eignen Religionsidee entgegengesetzt, in welchem Falle eine andere, nämlich die, z u welcher es abgefallen, nicht die, von welcher es sich losgesagt, als diejenige anzusehen wäre, die seinem eignen Innern adäquat von ihm befunden worden. Und so verhält es sich denn auch wirklich. Ab gefallen ist das Volk von Jehova, dem geoffenbarten Gotte, und von seinen Geboten; zu ge fallen ist es dem Apis, Baal, dem Moloch, der Astarte, kurz: dem Heidenthum, jene nach „ewigen ehernen Gesetzen" der Nothwendigkeit, die Welt regirenden Götzenideen mit allen ihrem Gefolge eines Naturu.Sinnendinstes. Ganz deutlich wiederholt der Autor p. XVI seine Lehre von dem Inhalte der Religionsanschauung der Juden. Er behauptet: „dieser unmittelbare Geist weiß aber nicht bloß von der Religion unmittelbar, sondern „mit allem andern, was er weiß, verhält es sich ebenso". Das ist leider nur zu

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