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Der Orient · 1844-06-11 · Heft 24 (11.6.1844) · p. Seite 191

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 24 (11.6.1844)
Date
1844-06-11
Page
Seite 191 (sequence 13)
Language
German
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191 dcrungsgesuche bereits nach Petersburg geschickt, allein bis jetzt haben sie noch keine ordentliche Antwort erhallen, und im Allgemeinen zweifelt man daran, daß es bewilligt werden wird. Der Uebergang nach Preußen ist, trotz der Aufhebung des Kartels, für Israeliten fast unmöglich; auch Preußen scheint in Bezug auf Juden sich nicht an der Aufhebung zu halten. Der israelitische Jugendlehrer in vergangener und gegenwärtiger Zeit. Seine Bildung, seine Subsistenz, sein Wirten. Motto: Ohne Nä'hrstand kein Lehrstand. A bo t. Vorw ä r r s! v o r w ärrs! und sind wir gleichwohl schon weit vorgerückt, immer mehr „vorwärts!" Dieser Ruf ertönt allenthalben in jetzig er Zeit und ist, wie vielen andern, auch dem israelitischen Lehrer geworden. Mein die Zeit ist egoistisch, sucht zwar in diesem Vorwärtsrufe ihren Egoismus zu beschönigen tadelt aber damit stillschweigend die Vergangenheit, ohne sich selbst näher und recht kennen zu wollen. Denn da, wo sie durch diesen ihren Nus einen metallenen, materiellen Nutzen, und sei es auch den eines Einzelnen nur, hervorgehen sieht, da lächelt sie beifällig entgegen, mit ihrrm ferneren Rufe: „Vorwärts;" da aber, wo es sich mehr um allgemeine, höhere Menschenintereffen handelt und sie in sich selbst einen eben so schweren, als gerechten Tadel entdeckt, da zieht sie sich schnell zurück, ruft vorwärts, ohne selbst vorwärts zu verhelfen, ruft vorwärts und bleibt selbst stille stehen; ja scheuer sich sogar nicht, in mancher Richtung uns mit einem Rückschritte zn bedrohen. Trifft aber diese Gleichgiltigkeit, oder diese Mißgunst der Zeit Viele und Einzelne, so trifft sie ganz besonders schwer den Jugendlehrer überhaupt und den israelitischen Jugendlehrer insbesondere. — In dieser und . ähnlicher Beziehung wollen wir nun die Zeit der Gegenwart unparteiisch richten, um sie, in Vergleichung mit der Vergangenheit, auf ihre eigene Fehler zurückzuführen und sie dadurch zu veranlassen, sich hier nicht mit ihrem bloßen Vorwärtsrufe zu begnügen, sondern ernstlich und werkthätig hervor treten; nicht blos vorwärts zu rufen, sondern auch Vergangenheit. Eine eigentliche .Bildungsanstalt ausschließlich für Jugeudlehrer nD^D) gab es nicht; auch war deren Eintritt in diese so wichtige Laufbahn meistens kein in den -Kinglingsjcrhren von ihnen selbst gewählter Beruf, der aus ^iebe und Neigung zur Sache ergriffen wurde; vielmehr wa- "n cs in der Regel bedrängte Verhältnisse, Armuth, Roth, die sie demselben zuführten; mißlungene Handelsgeschäfte, fehlvorwärszu helfen; denn giebt es je Verhältnisse in jetziger Zeit, deren Verbesserung nothwendig und dringend geworden sind, so sind eö die Verhältnisse des zur Jugendbildung und Jugenderziehung berufenen israelitischen Lehrers mit ihrem schädlichen Einflüsse auf die Bildung der Jugend und des Volkes. Fassen wir zur nähern Erörterung und Beleuchtung die Sache genau zusammen und stellen uns auf einen Punkt, der einen Rückblick auf die, gerade nicht sehr ferne liegende, 'Zeit der Vergangenheit, so wie einen wichtigen Hinblick auf die Zeit der Gegenwart uns gewährt, so werden wir, wollen wir in unserm Urtheile gewissenhaft und streng gerecht sein, Mängel in der Gegenwart, wie in der Vergangenheit entdecken, die Nachtheile aller Art für israelitische Jugendlehrer, für Jugend- und Volksbildung mit sich führten und führen, ihren wesentlichen Grund in der Bildung, der Subsistenz und dem Wirken des Lehrers hatten und rheilweise noch haben und die Wahrheit immer mehr bestätigen: min pN mp □ N. Mängel, welche die Zeit erzeugt und begünstigt hat und jetzt, wie früher Hemmungen von so großer Bedeutung ausmachen, daß deren Beseitigung eine der wichtigsten Punkte in der Reorganisation unserer Volksbildung ausmachen muß, wenn solche wahren Segen verbreiten und befestigen soll. Wenn nun gleich die Vergangenheit uns diesfalls weniger berührt, weil in ihr., nunmehr eine Verbesserung weder möglich, noch nöthig ist, so dürste eine Parallele zwischen ihr und der Gegenwart doch in so ferne hier am Platze sein, als dadurch Letztere vielleicht zur Erkenntniß ihrer selbst gebracht werde, und aus den beiderseitigen Halbheiten eine theoretische Richtschnur uns hervorgehen dürste zur praktischen Feststellung eines zweckmäßigen Ganzen. Denn soll unsere Jugend, nach dem immer allgemeiner werdenden Bedürfnisse viel- und allseitig gebildet, und unser Volk dadurch intellektuell und moralisch gehoben werden, so ist eine gründliche, viel- und allseitige Bildung des Lehrers, eine, aus Verbesserung seiner Subsistenz hervorgehende, festbegründete Unabhängigkeit und ein damit verbundenes, freieres, jedoch in den gebührenden Schranken sich bewegendes, Wirken unabläßige Bedingung und daß diese jetzt, wie früher, nicht erfüllt wurde, das mag eine in diesen Spalten zusammen gefügte kurze Uebersiche darstellen, nicht um der Vergangenheit, sondern um der Gegenwart willen, um diese von ihrem stolzen Hinblicke auf jene zurückzubringen und eine Besserung in ihr hervorzurustn. Gegenwart. Staatsbildungsanstalten für Lehrer sind jetzt, wenigstens in Deutschland, dem Israeliten, wie den Genossen anderer Konfessionen geöffnet; jedoch sind sie für den, der sich dem Berufe eines israelitischen Lehrers ausschlißlich widmen will, nicht vollkommen entsprechend, und bringt dieser die als Israeliten! ehrer ihm besonders nöthigen Kenntnisse nicht in solche Anstalten schon mit, dann wird er, selbst die besten derselben,

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