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Der Orient · 1844-06-11 · Heft 24 (11.6.1844) · p. Seite 189

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 24 (11.6.1844)
Date
1844-06-11
Page
Seite 189 (sequence 9)
Language
German
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- 189 -?ctl)ci(t werde, und wirklich bewerben sich schon viele um diese Begünstigung. Wenn schon hier von keinem Bürgerrechte im erweiterten Sinne des Wortes die Rede ist, da hierdurch keine unserer gesetzlichen Beschränkungen aufgehoben wurde; so ist es immer ein großer Vorschub zur Annäherung (in unsere christlichen Mitbürger, und die hierdurch den Juden mit den Christen gleich eröffnete Stimmberechtigung in der Verwaltung der städtischen Angelegenheiten, muß sie aus der zurückgesetzten Jnsassen-Stellung reißen und in der Achtung ihrer Mitbürger heben. Und weil es keinem Zweifel unterliegt, daß sie in ihrer Stellung als Scadtreprasentanten bei ihrem Vorralhe an praktischem Wissen und Intelligenz ihren christlichen Kollegen gewiß nicht nachstehen werden, so darf man der Hoffnung Raum geben, daß auch die hohe Regierung die günstigere Meinung, die sie nun einmal von den Juden gefaßt, erweitern dürfte. Die Folgen, die von dieser Maaßregel zu erwarten stehen, sind daher unverkennbar, und dieser humane und zeitgemäße Akt unserer Hohen Landesstelle verdient um so innigem Dank, als er unö auch den freudigen Beweis in die Hand giebt: es gäbe noch Männer von l hoher Stellung, die unangefochten vom modernen Juden- 1 Haffe, sich um die Erweiterung unserer Rechte interessi-; rm, und ungescheuet auch den Juden die Fähigkeit zu- 2 sprechen, Menschen und nützliche Bürger sein zu können. 5' Daß aber auch die hiesige Judengemeinde vermöge r ihrer Bildung und ihres bescheidenen und geräuschlosen Zmschreitens in zeitgemäßem Wissen und Civilisation, I[: die würdigeste Befähigung hierzu erlangte, wird keiner ( in Abrede stellen, der ihre segensreichen Anstalten kennt, s und der den Geist aufzufaffen verstehet, der diese Gef meinde beseelt, wo es sich um Förderung des Guten utib Nützlichen handelt. P... '■ Sada Gora (unweit Czernowitz in der Bukowina),? 22. Mai. Der bekannte Chasidim - Rabbi Israel ' Baal-S chem, ein- 'Abkömmling des alten gleichen i Namens aus dem vorigen Jahrhundert, hat nun endlich! durch seine chasidäischen Geschäfte so viel klingendes Ma- - lerial gewonnen, daß er sich in Czernowitz als Bankier oder Mtö Besitzer einer Schreibstube (wie man es hier nennt)! ttablirt, ohne jedoch dabei feine chasidäischen Geschäfte : cmfzugeben. Es wird nun wohl Keiner mehr sagen,? daß der Chasidismus zu nichts führt! Rabbi Israel i kam als Flüchtling aus Rußland vor ungefähre zwei fahren hierher > ein Edelmann gönnte ihm in der Nahe i. seiner großen Brennerei eine Zuflucht, in der sehr rich- J ügen Berechnung, daß durch die Wallfahrten der Cha-; stdim zu diesem exguisirten Rabbi, wobei bekanntlich! das Branntwein-Trinken zu den Kardinal-Tugenden ge- . Hort, die reichen Erzeugnisse seiner Brennerei in Münze verwandelt werden mußte. Beide haben sehr zu ihrem Bortheile spekulirt. Sada Gora konnte nicht so viel Branntwein producirm, als die Schaaren der Chasidim zur Erlangung der Begeisterung nöthig hatten, und Rabbi Israel war ganz erstaunt, die Czernowitzer, die man allgemein für gebildeter und gesitteter als die übrigen Juden der Bukowina hielt, noch so dumm wie die Juden in Volhynien und Podolien zu finden. Daß die Regierung von diesem Treiben keine Notiz nimmt, finde ich in der Ordnung, daß aber dieses Nichtnotiznehmen erst durch reichliche Bestechungen veranlaßt werden mußte, ist eine traurige Erscheinung. Rabbi Israel wohnte früher in Riezen, einer kleinen Stadt in Rußland, wo er das Geschäft des falschen Propheten im Großen getrieben. Durch einige Verbrechen, die er sich hat zu Schulden kommen lassen, wurde er, trotz der Ungeheuern Bestechungen seiner sehr fanatischen Anhänger, lebendig in der Festung von Kiew begraben und dann von da weiter gebracht, woher, wie das russische Sprichwort sagt, Niemand wiederkehrt. Aber unsere Czernowitzer Aufgeklärten sagen: Rabbi Israel ist ein Wundermann, denn er ist aus russischer Gefangenschaft entkommen. Es gelang ihm, den Gouverneur und die Wächter zu täuschen und durch die Unterstützungen seiner Freunde kam er glücklich hier in der Bukowina an. Hier in Sada Gora fand ec ein Asyl; der Eigennutz des Edelmannes und die Verblendung der Chassidim vereitelten jede Reklamation Rußlands. Daß Rußland ihn nicht so leicht aufgab ist natürlich, zumal da er einige Hochgestellte getauscht. Rußland schickte einige Beamte und ließ ihn förmlich von der österreichischen Negierung zurückfordern, aber 26 Personen in Czernowitz, Christen und Juden schwuren — den Meineid —, daß er in Sada Gora geboren sei und mithin ein Oesterreicher. Dieser großartige Meineid war die erste Wunderthat, die dieser Mann bei unfern aufgeklärten Czernowitzern gethan, und die Behörden wissen es positiv, wofür sie schweigen. Nehmen Sie dieses kleine Bild unserer Zustände für ein allgemeines; es bezeichnet besser als Alles unsere Kulturstufe. — Daß in Czernowitz eine große Druckerei ist, wissen Sie gewiß schon, aber daß man darnach strebt, die kabbalistische Presse zu Korzez hier aufleben zu lassen, ist eine Thatsache, die ich Ihnen mit Bestimmtheit mittheilen kann. Freistaat Krakau. Krakau, 26. Mai. Der seit vier Jahren hier existirende Verein der israelitischen zur Civilisation strebenden Gemeinde, hat seit dem vorigen Jahre bedeutende Fortschritte gemacht, welche man nur dem regen Eifer und der außerordentlichen Thatigkeit der Herren Vorsteher Dr. Czunklitz, A° Gumplowicz, Dr. Samelsohn — den Herren Inspektoren M. Lewi, I. Heilborn, I. Korn blüh — wie auch dem Herrn Statuten-Konservator I. S. Löbenstein und dem

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