Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1844)
- Date
- 1844-06-11
- Page
- Seite 188 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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gehenden Wvhlthatigkeit zu gedenken; sie ist charakteristisch, weil sie einestheils zeigt, in welchem trostlosen Zustande unsere Talmud - Tora-Schule, trotz der Vorsteherschaft eines reichen Orthodoxen, sich befindet, andererseits aber auch, daß in dem allgemeinen Tadel über die Unbekümmertheit unseres Vorstandes um das allgemeine Wohl, die Persönlichkeit Mendel N i erenstein's in jeder Beziehung auszunehmen ist. Die Talmud-Tora-Schüler, die überhaupt wie eine verwahrloste Heerde umherirren und die Schickburschen aller Dienstboten bilden, gingen mit ihrer Kopfbedeckung zum allgemeinen Skandal und Hr. Nierenstein hatte die Güte, für alle Hüte zu kaufen» Es wäre gewiß zu wünschen, daß der Talmud-Tora-Schule in leiblicher und geistiger Beziehung von unseren Reichen oder von unserem Vorstande diejenige Aufmerksamkeit geschenkt werden möchte, welche die Heranwachsende Jugend überhaupt verdient und um welche die Reichen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands wetteifernd streben. Die allgemeine Verarmung und Nahrungslosigkeit entschuldigt wohl die sich versteinernden Gefühle und die Theilnahmlosi'gkeit, sie entschuldigt wohl das Gehenlassen, wie es geht, aber das Entschuldigtsein ist kein Ruhm und nicht edler Männer würdig. Eine edle, strebsame Gemeinde erkämpft für das nachwachsende Geschlecht selbst aus den traurigsten Zuständen eine Zukunft. Wien, 28. Mai. (Eingesandt.) Es ist mir sehr unangenehm, Ihnen vielleicht wider Ihren Willen etwas über den „Jsr. des 19. Jahrh." zu schreiben; aber wo es gilt der Verleumdung entgegen zu treten, und sie von sich zu weisen, darf man sich wohl etwas erlauben. Ich rede hier von Nr. 18 jener Zeitschrift, wo ein Korrespondent gegen unfern verehrten Herrn Dr. Mannheimer auf eine ungeziemende Weise auftritt. Ist das der Gebrauch, den man von den Zeitschriften, die doch das Volk belehren sollten, macht, indem man ihr Oberhaupt, auf dem doch ihr ganzes Vertrauen ruht, öffentlich verleumdet und herabwürdigt? Oder, wer giebt dem dortigen Korresp. das Recht, einen Mannh. wegen der Veränderung seines Wandels, wie er sich ausdrückt, auf solche Weise zu Rede zu stellen? Hat ihm wirklich das Freundschaftsgefühl dazu getrieben, warum kommt er nicht in aller Stille durch ein Privatschreiben mit jenen Anfragen? Daß er aber nicht nur sein Freund, nicht sein Mann, sondern daß er den Verehrten gar nicht kennt, beweist die erste Zeile, wo er Mannh. gleichsam der Ehrsucht beschuldigt, als wolle er das pabstliche Scepter führen; denn abgesehen davon, daß gewiß das Judenlhum auf einer blühenden Stufe stehen würde, wenn an der Spitze einer jeden Gemeinde eine so tapferer Kämpfer für Gott und sein Recht stünde, abgesehen davon, daß es besser wäre, wenn das ganze Judenthum von einer Hand geleitet würde (?) und gerade von einem Mannheimer, als daß es am Gängelbande von Einem und den Andern gezogen wird, ist es sehr wunderlich zu hören, die Bestrebungen eines Mannheimers zielen darauf hin, sich an die Spitze des Volkes zu stellen. Allerdings ist sein Wirken dahin gerichtet, das Wohl feiner Gemeinde zu fördern und zu beschleunigen, allerdings zeigt es sein Mühen und Ringen, ihnen ihr Recht von den Menschen geltend zu machen, aber nie und nimmer kommt es ihm in den Sinn, sich an ihre Spitze stellen zu wollen. Hat der Korresp. wirklich das Gutachten des Dr. M. gelesen, so rekommandiren wir es ihm noch einmal zu lesen, und uns dann zu sagen, wo derselbe, nur auf irgend eine Weise der' Gewissensfreiheit entgegentritt. Würde nicht ein jeder Redliche ein solches Gutachten angeben, indem man sich nicht von einem Jeden aus seinem Rechte drängen läßt, sondern weist man dem Eindringling die Thüre und wirft ihn hinaus. Wenn ferner der Korr, von den Jünglingsjahren des Dr. M. Beweise für sein jetziges Denken und Handeln bringt, so sind solche Beweise nichtssagend, und zeigt das eben den Fortschritt und forschenden Geist. Davon aber abgesehen sind diese Beweise erdichtete Lügen, denn Hc. Dr. M. hat nie ohne Kopfbedeckung gepredigt, selbst in seinen Jugendjahren nicht; sondern es hat ihm damals in Kopenhagen das Publikum ohne Kopfbedeckung zugehört, und die Vorlesungen haben sich damals aufgelöst, weil Dr. M. seiner Versammlung zugemuthet, sich den Kopf während seines Vortrags zu bedecken. Uebrigens sind Vorträge derart keine gottesdienstliche Ceremonien, und man kann solche ebensogut ohne Kopfbedeckung anhören, als daß solche Vorträge am Mittwoch gehalten, nicht beweisen, das man den Sabbat verlegen will. Meint aber der Korr., nur dem Auslande gegenüber zeige sich Dr. M. so, während er in seiner Gemeinde desto toleranter ist, so ist er sehr im Jrrthum, und spricht er außer aller Erfahrung, und wir wollten ihm wünschen, jene oder die andere Predigt mit anzuhören. Der Beweis, der dort gegen die Beschneidüng geführt wird, ist zu lächerlich, um ihn zu wiederlegen. Bis hierher und nicht weiter. Von hier kann ich Ihnen einerseits freudiges berichten, daß nämlich der Großhändler Hr. H. Todesco einen Fond von 10,000 st. EM. angelegt, wovon jeder Handwerker bei der Erreichung einer Meisterstelle 500 st. CM» erhält; anderseits steht es aber hier sehr traurig mit dem Fortschreiten unserer Literatur aus. Keiner wird hier weniger unterstützt als der Literat und Studirende, und am Wenigsten der jüdische. ....n .h. 18. Mai. Unsere Landes stelle hat auf das Einschreiten unseres Gemeindevorstandes zu entscheiden geruhet, daß unserer Judengemeinde das Bürgerrecht hiesiger Kreisstadt, und das damit verbundene Stimm- und Wahlfahigkeitsrecht zu Stadtverordneten