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Der Orient · 1844-06-11 · Heft 24 (11.6.1844) · p. Seite 187

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 24 (11.6.1844)
Date
1844-06-11
Page
Seite 187 (sequence 5)
Language
German
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- 187 - forscher und Aerzte überhaupt, und Herr Dr. Steinheim, der vor einigen Jahren Herrn Werg ela nd persönlich kennen gelernt und seitdem mir ihm einen vertrauten und fortdauernden Briefwechsel unterhalten hat, insbesondere, die ihnen geborene Gelegenheit, mit Chrisiianiaö' No:abilitäten und Einwohnern in unmittelbare geistige Berührung zu treten, benutzen möchten. Leider hat Herr Dr- Steinheim aus durchaus ehrenwerlhen, aber individuellen Motiven diese Einladung nicht angenommen, ja er hat sich, allerdings noch vor der Veröffentlichung des Wergeland'schen Brieses, gegen jede von Juden.in diesem Sommer nach Christianja zu unternehmende Reise sowohl im „Orient^ als auch in Di'. I. I. Sachs med. Centralzeitung aussprechen zu müssen geglaubt. Da jedoch Herrn Dr. Steinheim' s Ansicht über die Zulässigkeit und Ehrenhaftigkeit einer solchen Reise von Seiten des Verfassers des gegenwärtigen Sendschreibens mit, wie Letzterer glaubt, nicht ganz verwerflichen Gründen (ebenfalls im „Öricnt") bekämpft worden ist, so laßt sich wohl auf die ganze Angelegenheit noch das Horazische: sub judice lis es tan wenden. Dieses Urtheil aber zur rechtskräftigen Sentenz zu erheben, sind nun unseres Erachtens nur die skandinavischen Narurforlcher und Aerzte jüdischer Confession und ihre College in andern Staaten, zumal in Deutschland, kompetent. An diese ergeht daher die Aufforderung, fallls sie über die Angemeffenheit und Rathlichkeit des Besuches des bevorstehenden wissenschaftlichen Congresses in Ehristiania die Ueberzeugung des Verfassers dieses Sendschreibens theilen, ihre bestimmte Ansicht durch Wort und That an den Tag zu legen. Bei uns wenigstens steht es unumstößlich fest, daß der Triumph, den skandinavische und deutsche Wissenschaft, Geselligkeit und Gesetzgebung bereits über die Schlacken der noch im vorigen Jahrhunderte unter den Juden fast unumschränkt herrschenden mittelalterlichen Weltanschauung, und über die jahrhundertelangen christlichen Voruttheile und Antipathieen gegen die jüdische Religion und ihre Bekenner, oder um es kürzer auszudrücken, der Triumph, den die Bildung, die Humanität und das Bolksthum über religiöse Absonderung und Partikularimus davongetragen, durch eine engere Annäherung der Geister und der Herzen nicht anders als verstärkt, dauernd gemacht und für alle Zeit gesichert werden könne. Empfangen Sie, meine Herrn, hierdurch die Versicherung der ungeheuchelten Hochachtung, die Ihnen zollt German o — Judaeu 3". Franke eich. Paris, Ende Mai. Auf den Antrag des Großsiegelbewahrers hat der König unterm 25. Mai eine Ordonanz erlassen, wodurch die Juden vollständig als abgesonderte Glaubensgenossen organisirt werden. Alle noch nicht unter sogenannten Konsistorien stehenden Juden sollen nämlich in Abtheilungen von 2000 — doch so daß in jedem Departement nur eine einzige Abtheilung gebildet sein darf, auch wenn diese zahlreicher sein müßte — ein sol- Konsistorium enthalten. Sämmtliche Konsistorien dieser Art sind einem sogenannten Centralkonsistorium untergeordnet. Vertreter der einzelnen Abtheilungen können alle Juden sein, welche ein Amt bekleiden oder bekleidet haben, ferner diejenigen, welche auf dem Verzeichnisse der Wahlberechtigten oder Geschworenen stehen, endlich diejenigen, welche der Kultusminister dazu bestimmen will. Außerdem erhält die Ordonanz noch andere Bestimmungen, die der Usus ohnehin schon früher eingeführt hat. Oesterreich. Pesth, 28. Mai. Die hiesige Stadt hat ihren Abgeordneten die verschärfte Instruktion gegeben, im Widerstande gegen den ständischen Entwurf der Städteorganisation zu verharren, namentlich in der Sache der Judenemancipation. Erst sollen die Städte und Marktflecken, und namentlich die 9 Millionen Bauern emaneipirt sein, bevor man zu den Juden kommen soll, und werden Zustand unseres Landes kennt, der weiß, daß dieses so viel als ad calendas graecas heißt. Der extravagante Pesti Hirlap macht den Vorschlag, das verfallene Adelthum durch gemischte Ehen mit Juden aufzuhelfen; hier sollen sie sich also mit dem Adel vermischen, und dort erst warten, bis die Bauern emancipirt sein werden. Welche Konsequenz? — Der Dr. med. Horschetzky arbeitet so eben an der Uebersetzung 'des 14. Buches von Josts's jüdischen Alterthümern. Brsdy, 24. Mai. Die Stimme der Oeffentlichkeit, welche in diesen Blattern schon manchmal das, was nicht gerade zu unserem Ruhme gereicht, verkündet hat, möge heute über eine gute Handlung Bericht erstatten. Ein solcher Bericht würde neben seinem Zwecke, zur Nacheiferung und zu ähnlichen guten Werken aufzumuntern, noch den Beweis liefern, daß dieses Blatt sehr gern auf das Vorrecht, die Schattenseiten vorzusühren, verzichtet, wenn nur einige Sonnenseiten sich darbieten, und im Bewußtsein dieser Zwecke, unternehme ich meinen heutigen Bericht. Ein reicher Mann, Joseph Sagklikower, der durch Mildthatigkeit und Armenspenden langst hier bekannt ist, hat so eben ein angemessenes Haus gekauft und es zu einem öffentlichen Siechenffaus hergegeben. Daß ein solches Institut bei uns nicht überflüssig erscheint, brauche ich wohl bei unserer Spitaleinrichtung nicht erst zu erinnern, und daß dieses Siechenhaus angemessener als die Anwendung des Jüdel Nathansohn'sche Legat für das Spital erscheint, wird Jeder zugestehen, der dem Hospitale nur einige Aufmerksamkeit geschenkt, obgleich die Kosten dieses Hauses in gar keinem Verhältnisse zu jenem Legate stehen. Noch muß ich hier erwähnen, daß genannter Hr. Joseph Sagklikower auch die Einrichtung des Siechenhauses aus seinen Mitteln besorgt, und daß er ein kleines Vermögen hinterlassen wird, womit dieses Haus angemessen zu erhalten sein wird. -— Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, [cineu andern, wenn auch nur vorüber- 24 *

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