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Der Orient · 1844-06-04 · 23 (4.6.1844) · p. Spalte 359-360

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
23 (4.6.1844)
Date
1844-06-04
Page
Spalte 359-360 (sequence 4)
Language
German
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359 36V Kritiken. Hirsch's Religionsphilosophie beurtheilt von Dr. Steinheim. es Me haben sollen — nach seiner Privatansicht die Lehren und Gesetze der Schrift za deuten, und auf diese Auslegungen hinweisend, auszurufeu: rhu — gar bald würde uns die Anklage des Propheten treffen (Jer. 11, 13): PH T^ “)DDD.- In der heiligen Schrift wie in dem Talmud liegen die Ausgangspunkte für die Fortbildung unserer Religion auf alle Zeiten. An diese anzuknüpfen, ist die Aufgabe jeder echten, der Gotteslehre treu bleibenden Reform. Ohne auf jedes Wort des Talmuds zu schwören, ohne alle Schlußfolgen seiner Interpretationen als bindend anzuerkennen, müssen wir dennoch dankbar zugestehen, daß die mündliche Auslegung des Talmuds vor der Erstarrung in dem todten Buchstaben uns gewahrt habe; daß dessen traditioneller Theil sowohl in dogmatischer, als in praktischer Hinsicht für uns nicht ohne Autorität sei. Wohl nimmt nur der allerkleinste Theil des Talmuds den Charakter der Tradition für sich in Anspruch, der bei weitem größte Theil giebt sich als freie Interpretation und Anordnung, dessen Sanktionirung, selbst nach Mammm, nur von der Synagoge abhängt; aber gerade dadurch ist der Talmud für jede Reform von hoher Wichtigkeit, indem er den Weg einer zeitgemäßen Bildung des religiösen Lebens angebahnt, und das Fortfahren aus diesem Wege oder das Recht im Geiste der Offenbarung auszulegen und anzuordnen, den kommenden Geschlechtern nicht entzogen hat. Doch ich will, wie gesagt, mein Urtheil über diesen Gegenstand nicht weiter ausdehnen, da ich es der theologischen Welt zum Theil vorgelegt, und da ich — wenn mir Gott Leben und Kraft verleiht — auch diese Materie in einem Lehrgebäude der mosaischen Religion auszuführen gedenke. — 3) Mit Bedauern nähere ich mich dem dritten Satze der Erklärung, von dem, weil er die Farbe einer indirekten Anklage zu offenbar an sich trägt, zu wünschen wäre, daß er nicht gesagt worden Der Messianismus ist das Palladium des Judenthums; denn die Verheißung des schönsten Ideals religiöser Aufklärung unter allen Menschen ist eine Idee, welche den Geist kräftiget und das Herz hebt. Durch den Messias soll, nach dem Dogma unserer Religion, die religiöse Bildung in ihrer innern Kraft und äußeren Ausdehnung ihre höchste Stufe erreichen. Die vollkommenste Auffassung der göttlichen Wahrheit, das reinste sittliche Leben, soll dann befestigt, und diese Erkenntniß wie dieses Leben wird dann das Gemeingut aller verwandten Wesen unseres Geschlechtes, die deshalb in ununterbrochenem Frieden zusammenleben werden, sein. Um diese Zeit tritt Israel in das dritte und letzte 'Stadium seiner göttlichen Bestimmung. Sowohl die Schrift 'als der Talmud deuten auf eine Läuterung des Gesetzes -in jenen Tagen hin, die, weit sie von Gott ausgehend, die ' vollkommenste sein wird. Wie verschieden die Nebenvorstellungen über das messianische Reich auch seien, die Verwirklichung dieser frommen Hoffnung, die Erfüllung dieser beseligenden Wünsche erwarten alle gläubigen Israeliten in und mit diesem Reiche. Durch den Mann, auf welchem Gottes Geist ruhet, soll auf dem Wege der Offenbarung selbst der letzte Enrwickelungsproceß der Religionslehre zur Reife gelangen. Daß Jerusalem, die Gottesstadt Zion, die Gottcsburg, der Sitz und Mittelpunkt dieses geläuterten Kultus werde, ist eine Aussicht, die in der Natur der Sache liegt, und die in der Prophezeihung uns gestellt ist; „denn von Zion geht die Lehre aus, und das Wort Gotres von Jerusalem". Wenn nun ein Theil der Juden auch den Wunsch in sich nähret, sobald jene Zeit eingetreten, in dem Lande der Väter wieder Wohnung zu nehmen, ist damit ein Grund gegeben, ihren Patriotismus anzuklagen? Befohlen ist dieses Hinwandern nirgends, nur verheißen ist es, wie das schon der Fall war bei der Zurückkunft aus dem babyloniichen Exil. Ob nun die Reformfreunde einen Messias erwarten oder wünschen, das thut wenig zur Sache; mindestens können die Juden, welche diese Erwartung haben und diesen Wunsch in sich hegen, eben so treue Bürger, als sie sein. Denn die.Vaterlandsliebe wird wahr und wahrhaft, wie das die ganze Geschichte und das Leben der Juden bewährt, dadurch nicht geschmälert. Oder wäre dieser unschuldige Wunsch ein rechtliches Motiv zur Verweigerung der Emancipation? Diese Frage wurde schon zu oft und zu gründlich beantwortet, als daß ich sie einer weitern Erörterung unterwerfen möchte, zumal sie dem Inhalt dieses Briefes zu fern liegt. Rur die eine Frage will ich dagegen stellen: ob es je einer Staatsregierung beigefallen ist, christliche Familien oder Sekten, welche den Entschluß zur Auswanderung aus ihrem Vaterlande gefaßt, wegen dieses Vorsatzes, so lange er nicht zur Ausführung gekommen, die staatsbürgerlichen Rechte zu entziehen? Und in einem solchen Falle wären vielleicht die Gründe zur Verweigerung eher vorhanden und lägen viel näher. — So scheide ich denn von den Reformfreunden, mit dem Wunsche, daß sie meine Vorstellungen einer Erwägung werth halten wollen, und von Ihnen, mein th. Br., mit der Versicherung, daß Sie demnächst von mir meine Ansichten über die Beschneidung lesen sollen. Gott erhalte Sie Ihrem re. Religionsphilosophie. Die Relkgionsphilosophie der Juden, oder das Prinzip der jüdischen religiösen Anschauung und sein Verhaltniß zum Heidenthum, Christenthum und zur absoluten Philosophie, dargestellt rc. von Dr. Sam. Hirsch, Rabbiner. Leipzig, 1843. bei H. Hunger. Von Dr. Steinheim. (Fortsetzung.) Es ist eine nicht lobenswerthe Art, wenn ein Schriftsteller von dem Werthe seiner Leistungen, von seinem Ver-

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