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Der Orient · 1844-06-04 · Heft 23 (4.6.1844) · p. Seite 183

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 23 (4.6.1844)
Date
1844-06-04
Page
Seite 183 (sequence 13)
Language
German
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- 183 - werde gewiß gelingen, und statt unter die Väter Zwietracht zu säen, den Kindern das Eine Stammhaus unverstört über-; geben. — Zur Veranschaulichung des zerstörenden und leicht - verflüchtigten Treibens jener Reformer, die, im Gegensatz des; sichern, ruhig fortschreitenden, geschichtlichen Werdens, nur \ verkrüppelte Treibhauspflanzen Hervorbringen, mit frühreifen : Blüthen, aber auch mit frühwelkenden Blättern, bediente sich! der Redner folgendes schönen Gleichnisses von der Eiche. „Im j Vorfrühling steht sie noch nackt und unbeblättert da; die; Gräser und die Bäume ringsum necken sich mit ihr und! sprechen, wir sind schon längst erwacht, geschmückt und gei Mt, du Langschläserin! warum erwachst du nicht und ziehst; an dein grünes Kleid? Die Eiche aber schweigt und Lief in I sich verschlossen hält sie die lebendige Kraft. Aber wenn der § rechte Augenblick gekommen ist, wenn schon viele jener frühl reifen Geburten des Jahrs abgefallen oder vom rauhen Winde § zerstört sind, da bricht ihr inneres Leben freudig zum Lichte ^hervor, weit hinaus breitet sie ihre grünen Zweige, bietet ein jj kaubdach den Vögeln, Schatten dem Wanderer und im Herbst t schaut sie mit ihrem dauernden Blätterschmucke auf die be- J schämten entblätterten Bäumen nieder." | In der dritten Abhandlung behandelte der Redner ein Thema, dem aber die im gewöhnlichen jüdischen Volksleben gegeneinander stehenden Parteien fremd sind, und das nur : bet* geistige Kampf auf rein spekulativem Boden genannt i werden kann. Die Parteien, die ihre verschiedene Meinungs- Dichtung in der religiösen Genossenschaft vertreten, haben mit Ducken und Forschen, mit dem Streit zwischen dem Halten ' m Herkommen und Philosophie nichts gemein, und der Kampf, dm der Redner hier schilderte, ist kein Kampf der Parteien, sondern der Wissenschaft mit dem blinden Glauben. Aber auch nicht der Neuzeit gehört dieser Streit an, | denn seit der Zeit, als die externen Wissenschaften auf jüdischem k? Boden verpflanzt wurden, ist dieser Streit weit heftiger als | in unfern Tagen geführt worden. Des großen Maimuni f; Werke würden uns nicht erhalten worden sein, wenn der fa- ^tische Eifer einiger spanischer Gelehrten den Sieg erlangt l hatte. Die freie Forschung in Gesetz und Lehre fand zu allen l. Zeiten ihre Vertreter, und „daß wir im Forschen den Faden des Glaubens nicht verlieren und andrerseits im eigenen Vor- | theile unseres Glaubens die freie Forschung nicht verdammen f dürfen," was der Redner in dem letzten Theil seines Vortrags | feinen Zuhörern so eindringlich ans Herz legt, ist eine Wahrheit, die in unseren heiligen Büchern, und in den strengsten i asketischen Schriften, wie in den sublimsten Philosophemen unstrer freien Denker, medcrgelegt ist. Das Resultat, das e Endergcbniß des menschlichen Forschens, ist als geoffenbarte l Wahrheit in der Schrift gegeben; dieses Resultat mit unset rem Denkvermögen aufzusuchen, ist eine Aufgabe, welche die Religion an uns stellt, und wir finden allerdings den „wahren Frieden", den Seelenfrieden, wenn wir diese Wahrheit fluchen mit glaubenstreuer Seele; wenn wir die geoffenbarte l Wahrheit finden wollen. Dem Volke aber, der ungelehrten Masse, wird keineswegs eine solche Forschung, wenn auch mit glaubenstreuer Seele gesucht, den Frieden bringen-dasH aupt muß für den Körper denken, die Gelehrten für das Volk forschen, suchen und den Pfad ebnen, den es wandeln soll, und ohne Zwiespalt der Gesinnung und der That ihm den Frieden geben, den es bedarf. Und für diese Häupter, diese Lehrer in Israel, hat der Redner mit Recht die freie Forschung verteidigt, gegen die Verdächtigung derer, welche „mit mistrauischen Blicken auf die jüngeren Lehrer sehen, welche die Leuchte der Forschung mit dem Lichte der Tora zu vereinigen suchen." Treffend ist das Gleichniß, das der Redner hier anwendete. „Wenn Jemand zu dir kommt und will dir eine köstliche Perle zeigen, jedoch nur unter der Bedingniß, daß du sie nur beim Lichte in der Nacht betrachten dürftest, wirst du nicht Zweifel in ihre Echtheit setzen? Beim Hellen Tageslichte, wenn du sie untersuchen darfst und ihren Glanz erprobst, dann magst du ihre Aechtheit. preisen, der Besitzer sich freuen und der Beschauer sie bewundern. Die Zeit ist gekommen, Israeliten, wo wir den Werth unserer Religion nicht mehr im Dunkeln, sondern beim Lichte des Tages erproben müssen, um ihr die Anhänglichkeit ihrer Gläubiger und die Achtung aller Welt zu sichern. — Die Leuchte des Gebets giebt uns wohl eine heilsame, aber nur vorübergehende Mahnung, Gott treu zu sein, aber den innere Gehalt unserer Religion, haben wir ihn im Lichte erkannt, dann ist er ein Licht, das uns ewig vor dem Abfall bewahrt." Möge der Friedensgruß, der uns in diesem beredten Vortrag gegeben wurde, in den entferntesten Gemeinden wiederhallen, daß Israel im Sonnenlichte des Friedens und der Eintracht vereint dastehe, und alle Söhne des Herrn, eines Herzens, eines Sinnes, sich um den Altar des Glaubens schaaren, und jeder im Bruder wieder den Bruder des Glaubens erkenne. K—m. Oesterreich. Prag, Mai. Ueber die Frage wegen Festsetzung eines neuen Normaljahres in Betreff der verbotenen Erwerbung christlicher Realitäten durch Juden, ist folgende k. Entschließung den Behörden mitgecheilt worden: „Ein neues Normaljahr in Bezug auf den Nealitatsbesitz der böhm. Israeliten finde ich nicht festzusetzen, wohl aber ermächtige Ich das Gubernium, in Fallen, wo unbefugte Erwerbungen christlicher Realitäten noch vor der Erlassung des Hof-Dekrels vom 14. November 1807 statrfanden, aus rücksichlswürdigen Gründen, hierzu die nachträgliche Genehmigung zu ertheilen". Polen und Rußland. Warschau, 6. Mai. Für die Juden ist eine neue Form und Formel der Eidesleistung vorgeschrieben,

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