Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1844)
- Date
- 1844-06-04
- Page
- Seite 182 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 182 - unserem Rabbiner erwarten kann, und sieht vertrauensvoll den Hirtenstab in dm Händen eines offenen, biedern Hirten. Wir unterlassen/ da diese Rede im Drucke erscheinen wird, einzelne Momente hcrvorzuheben, und theilen nur die Disposition derselben mit. Der Text, den der Redner in der Einleitung homiletisch erörterte, war 2 B. M. 19, 1 — 6. Das Thema: Wie sei das Lehren und Wirken des Rabbiners in der Gegenwart beschaffen? 1. Wie sei sein äußeres Benehmen beschaffen, die Art und Weise, in welcher er wirke? 1J. Wie seien die Mittel beschaffen, durch welche er wirke? JH. Wie seien die Zwecke beschaffen, auf welche hin er wirke? Antwort. I. Sein Benehmen sei würdig, sich darstellend in Milde und Ernst,anschließend an die Textesworte Ol DDNH HD oi -um. II. Seine Mittel seien erhaben, er wirke momentan durch Begeisterung, Herstellung eines zeitgemäßen würdigen Gottesdienstes, und (bleibend) durch die Erweckung des Selbstgefühls auf die Gemüther ein; 11. Seine Zwecke seien groß, er verbreite die Wahrheit und erhalte die Tugend (echte Frömmigkeit) in seinem Kreise. Das Rednertalent unseres Rabbiners ist zu bekannt, als daß wir nöthig hätten, den Lesern dieser Blätter den Eindruck zu schildern, den dieser Vortrag in den Gemüthern der Zuhörer zurückließ; aber auch keine leichte Aufgabe war es, die Seitfragen vor einer gemischten Gemeinde in einem 2 ständigen Vortrag zu besprechen und nicht nur keinen Haß und keine Leidenschaft zu erregen, vielmehr die Aufgeregten zu besänftigen, die Gleichgültigen zu erwecken, so daß alle diejenigen, welche sich vor jedem günstigen Eindruck verbarrikadirt hielten, die Allmacht der Wahrheit, unterstützt von der Macht des Wortes, anerkennen mußten. Und so wie unser Rabbiner am ersten Festtage sein Verhältniß zur Gemeinde unzweideutig festgestellt hat, so offen und frei entwarf er in seinem zweiten Vortrag am zweiten Tage des Wochenfestes ein treues Bild unserer religiösen Zustände; die Uebelsrände aufdeckend und die wunden Flecken berührend, welche in die sonst einträchtigen Zelte Israels Verwirrung und Entzweiung brachten. „Feindselig stehen die Parteien einander gegenüber, sagte der Redner im skizzirten Entwurf seiner treuen Schilderung, keine will einen Fußbreit weichen; wie Esau und Jakob kämpfen sie um das Wohlgefallen des Vaters, und die Pfeile von der einen und die Pfeile von der andern Seite, beide dringen sie scharf in die Brust der Mutter, unserertheuerenReligion, und mit Rebekka ruf: sie schmerzlich aus: warum soll ich eines Tages euer beiden beraubt fein." Die Parteien von ihrem äußern Auftreten und Erscheinen bis zu dem Kampfe begleitend, der im Innersten unseres Heiligthums gekämpft wird, nahm der Redner zum Thema seines Vortrags: wie der rechte Friede zu finden sei. Anlehnend an des Textes Worte 'Ul Dl1?!# DT©!# DU hDD, wurde diese Lebens- und Zeirsrage beantwortet: wir finden den rechten Frieden, wenn wir ihn suchen 1. mit liebewarmein Herzen, 11. mit vorurtheilssreiem Geiste, und 111. mit glaubenstreuer Seele. In der ersten Abteilung wurden ohne überladnen Flitter, mit den gewöhnlichen Farben der Erfahrung die äußeren Erscheinungen und Begegnung der Parteien, der kalte Jndiffcrentismus der einen Partei, und der verzehrende Ei fer der andern, als die ersten Feinde des wahren Friedens geschildert. In der zweiten Abtheilung ging der Redner in die Verhaltniße der Kämpfe, die jetzt in Israel geführt werden, tiefer ein, und stellte dar, daß dieser Streit auf der einen Seite mit befangner Furcht vor dem Neuen und auf der Andern mit ebenso befangener Sucht nach dem Neuen geführt wird. Aus der einen Seite erheben sich laute Wehklagen über die Abbestellung auch des geringsten Misbrauchs, während auf der andern Seite die Zahl der Streitenden, welche die heiligsten religiösen Gebote von sich abwerfen, täglich zunahm. Daß es an der Zeit sei, wo man ein Glied hingeben muffe, um den ganzen Leib zu retten, wo man das Veraltete, Abgelebte, Todte hingeben müsse, um das ewige Göttliche zu erhalten. Nicht fürchten dürften wir, daß die unreinen Bestrebungen der Zeit, welche zunächst auf menschliche Satzungen gerichtet, auch die göttlichen Gebote bald in den Kreis der Zerstörung ziehen möchten, denn «DDT ’HTi HNDU3 l^opo P'N, die Worte der Lora selbst nehmen feine Verunreinigung an, diese seien ewig lebendig und würden auch in der Mitte einer vielbewcgten Zeit nicht zu Grunde gehen. Der Redner ging sodann zu dem andern Gebrechen der Zeit über, zu der tadelnswerthen Sucht nach dem Reuen, die der Auffindung des rechten Friedens nicht minder entgegen stehe. „Unsere Zeit ist eine ungeduldige Zeit, und wie die Menschen die Entfernungen und Räume täglich mehr abkürzen, so möchten sie auch die Entfernungen in der Zeit schnell verringert und was der späten Zukunft aufbewahrt ist, schon in der Gsgenwart verwirklicht sehen. Daher schreibt sich die Sucht nach dem Neuen, jenes ungestüme Verlangen nach religiöser Umgestaltung, jene sich durchkreuzenden Wünsche injn r©l# W'X Z-DL" so daß Einer nicht versteht, was der andere will. Jeder nur nach seinem Sinne die ligiösen Zustände umgewandelt sehen möchte, unbekümmert, ob der Nachbar mit übereinstimmen, nach seinem Standpunkt mit übereinstimmen könne, und die unserer kleinen Schaar so unumgänglich nöthige Einheit darüber zu Grunde gehe". Nicht leicht und seicht, sondern tief und gründlich mußten wir das, was uns an dem großen Werke der M en sehen entfaltung-und Bildung zugesallen ist, mit deutscher Innigkeit und Gründlichkeit vollführcn, ohne Sucht nach Neuem, ohne Haschen nach augenblicklicher Geltendmachung, mit Liebe zur Sache, mit Berücksichtigung der Zukunft, und unser Werk msMim