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Der Orient · 1844-06-04 · Heft 23 (4.6.1844) · p. Seite 184

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 23 (4.6.1844)
Date
1844-06-04
Page
Seite 184 (sequence 15)
Language
German
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184 der sich namentlich alle Bewerber um Staats-, Scadtl und Gemeindeämter unterwerfen muffen. — In Polen soll im Mai die erste Rekrutirung unter den Juden stattsinden (wo bleibt die Erfüllung der vorigjährigen Aufschubsverspcechungen?). Personalchronik und Miseellen. Bruno Bauer und sein fidus. Achates. Nachdem B. Bauer einmal seinen Feldzug gegen die Juden unternommen, fehlt es ihm auch nicht mehr an Bundesgenossen. Wir könnten, wenn wir maliciös sein wollten, die Herren Ghillany, Marcard, Wolfart und andere Ritter der Legitimität, mit denen der philosophische Radikalismus so eifrig sraternisirt, hierher zählen; aber wir wollen nicht Bosheit mit Bosheit vergelten. Gewundert hat es uns indessen, daß auch Herr G. Julius, der noch vor Jahren den Radikalen ziemlich fern stand und sich sichtlich zu den Rationalisten und Liberalen hinneigte, so entschieden sich auf Bauer's Seite schlägt. Uebernimmt doch sogar Herr Julius, der ehemalige Redakteur der Leipz. AUg» Zeit., welche während seiner Leitung von Preußen verboten wurde, die Bertheidigung Dauert gegen Grün und Riesflr mit großmü'thiger Zuvorkommenheit (Wigand's Vierceljahrsschrist Bd. 1. Leipz. 1844). — Wer doch auch so glücklich wäre, seine Farbe so schnell Twrchftln zu können, ohne daß man ihn der Inkonsequenz beschuldigen könnte. Bald werden die Juden diesen Vorwurf mehr scheuen, als ihre radikalen Gegner. Werden auch dann noch die Juden für weniger gewissenhaft, weniger wahrheitsliebend gelten dürfen? Wohlrhatigkeitsanstalten. Durch den unter lebhafter Mitwirkung des Rabbiners Dr. Herxheim er zu Bernburg gegründeten Verein für Ackerbau, Handwerke, Künste und Wissenschaften unter den Juden, sind bis jetzt 20 Lehrlinge und Gesellen, worunter auch Nagelschmiede, Maurer, Schlosser u. s. w. unterstützt und resp. zur Wanderschaft ausgerüstet worden. Auch ein christlicher Knabe hat dieselbe Unterstützung, erhalten. Der Herzog und viele christliche Bürger contribuiren zum Vereine. — Auch in Detmold fand am 23. April die (dritte) Jahresversammlung des Vereins .für Handwerker unter den Juden statt. Erklärungen in der Beschnei dungsfrage. Der Hamburger Correspondent theilte aus Schwerin die Nachricht mit, daß Hr. Dr. Hold heim über die Frage der Beschneidung ein großes Werk erscheinen lassen werde. Dieser Miltheilung nun widerspricht nun Hr. H. im Corresp. vom l 13. Mai und behauptet: er wolle nicht ein großes Werk,! sondern nur 5 — 6 Bogen über die Beschneidung schreiben< ferner ihre religiöse Bedeutung unangetastet lassen und nur den Beweis liefern, daß, weil sie des sakramentalen Charakters entbehre, der Regierung nicht das Recht zustehe, sie zu erzwingen. Ueber Rußland aus Holland. Nach den neuesten Nachrichten aus Holland, ist die Negierung geneigt, eine diplomatische Verbindung des Kabinets im Haag mit Petersburg, in Angelegenheiten der russischen Grenzjuden, zu verwirklichen. Das Schicksal der russischen Grenzjuden ist indeß sehr traurig. Wohlthätigkeitsanstalten in Neapel, Paris und Berlin. Freiherr von Rothschild in Neapel Hut dem Kinderasyl (der Kleinkinderbewahranstalt) daselbst tOOOÖ Ducati unter der Bedingung geschenkt, daß mit diesem Institute eine Gewerbeschule verbunden werde. — Der Hülssverein für Deutsche in Paris zählt unter seinen 17 Vorstehern 3 Juden. — Die nach dem bekannten Literarhistoriker Consistorialrath P i s ch o n benannte Pensionsstiftung für Volks- und Elementarlehrer Berlins ist hauptsächlich von Herrn D. A. B e n d a mit gegründet. Derselbe nimmt auch nulle Beiträge dafür an. So sind jüngst 50Thlr. von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde zu Berlin eingegangcn, welcher ungenannt bleiben will. — Zu dem in Frankfurt a. M. zu errichtenden Versorgungshause für Israeliten soll ein dortiges jüd. Bankierhaus 10,000 fl. zugesagt haben. Rückgabe des Raubes in Jassy. Das geraubte und getaufte Kind der Feige Mandelbaum ist endlich der Mutter zurückgegeben worden. * * * Neues aus Paris. Ein 25jähriger christlicher Architekt ist aus Liebe zu einer Jüdin zum Judenthume ü'bcrgegangen. * * * Marokko. Auch hier hat eine Judenverfolgung begonnen. Eine Jüdin, Dalilah Heahnel, ließ sich eher hiiu richten, als daß sie, wie man ihr zumuthete, zum Islam übergetreten wäre. ch ch ch Flatow in Westpreußen. Am hiesigen Orte will sich ein jüdischer Greis von 95 Jahren mit einer 90jährkge» Greisin trauen lassen. Der Rabbiner scheint vergeblich davon abgerathen zu haben. ch ch ch Statistik. Im Düsseldorfer Regierungsbezirk wohnen jetzt 7102 Juden. ch ch Verlag von E. L. Fritz s che. Druck von I. H. Nagel.

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