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Der Orient · 1844-06-04 · Heft 23 (4.6.1844) · p. Seite 178

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 23 (4.6.1844)
Date
1844-06-04
Page
Seite 178 (sequence 3)
Language
German
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178 Meklenburg, welcher einige Zeit hier lebte, kehrt, wie wir hören, nach seiner Vaterstadt Königsberg zurück. Möchte er auch zu seinen fcühern Arbeiten im Fache der jüdischen Literatur, die ihm manches Werthvolle verdankt, zurückkehren, und namentlich daran denken, daß er eine Abhandlung über msi mnsD versprochen hat. Wahrend seines hiesigen Aufenthalts hat dieser junge Gelehrte zum Bedauern derer, die seine Befähigung für das jüdisch-wissenschaftliche Fach kennen, einen Theil seiner Kräfte als Korrespondent für auswärtige politische Blätter vergeudet; und hat sich dadurch noch obendrein die Aufmerksamkeit der Behörde zugezogen, die es,.wegen seiner freisinnigen Aeußerungen und Mittheilungen, an ernsten Winken und Maaßregcln nicht fehlen ließ. Breslau, 20. Mai. Die Juden hier sollen damit umgehen, für ihre Glaubensgenossen einen Moses Mendelssohn-Verein nach Act der Gustav-Adolph-Vereine zu gründen. Wie jener christliche Verein soll auch natürlich in diesem der Name eigentlich nur Symbol sein, indem Mendelssohn als Repräsentant der modernen Entwickelung des Judenthums gilt. Unter der Fahne eines solchen Vereins müßte sich Alles vereinigen, was das neunzehnte Jahrhundert im Judenthume angeregt, von dem Beginne der jüdischen Journalistik (1806) bis auf den Resormverein (1843) und die Rabbinenversammlung (1844). D'e vereinzelten Mendelssohn'schen Vereine, die jetzt in einzelnen Städten (Dresden, Dessau, Berlin u. s. w.) existiren, erstrecken sich nur auf leibliche Wohlthätigkeit, woran unser Zeitalter ohnehin nicht arm ist, keineswegs aber haben wir noch einen Verein, der allen Strömungen der jüdischen Kultur und Wissenschaft in Deutschland zum Mittelpunkte dienen soll, und wahrlich zu einem solchen Vereine paßt Mendelssohns Name besser, als der Begründer der Bildung unter den Juden. Wie ich höre, will der Vorstand sich bei diesem Vereine bethätigen; vielleicht gelingt es ihm, dadurch den Parteihaß zu Grabe zu tragen. Berlin, 21. Mai. Herr Dr. A. Benda, zum Stadtrath gewählt und bereits von der Regierung bestätigt, weigert sich den Eid more judaico abzulegen. Er will nicht bei „Adonai, dem Gotte Israels" schwören, weil er nur einen Gott Aller kenne. — Der bekannte Statistiker Hoffmann, der die Juden so meisterhaft statistisch zu verleumden versucht hat, ist seines hohen Alters wegen in Ruhestand versetzt. — Hamburg, 6. Mai. (Verspätet.) Von dem unerfreulichen Resultate, das die in vor. Woche (am 2. Mai) abgehaltene Versammlung des löbl. Comniercii in Betreff der Zulassung der Juden zu den Berathungen des Ehrbaren Kaufmannes gehabt hat, werden Sie schon auf anderem Wege authentische Nachrichten erhalten haben. Freude gewährt es den Juden, daß sie nichts dafür gethan haben, die Motion selbst zu provociren und noch größere, daß sie 133 der gewichtigsten Stimmen Hamburgs auf ihrer Seite hatten. Ja, wenn dieStinimen nicht gezählt, sondern gewogen würden, es stände auch in Hamburg wie an anderen Orten besser um uns und um das Gemeinwesen. Aber die 195 Stimmen dagegen! Es sind die der Neider, der Egoisten, der eingefleischten Kramer. Das Kommercium selbst wird einsehen, daß es seine Reihen lichten und sichten, daß es die Art der Votirung strenger bewachen muß, um nicht, wenn der Zufall, statt, wie sonst, 50, wiederum einmal über 300 Stimmende zusammenführt, eine Verletzung seiner wichtigsten Interessen besorgen zu müssen. Frankfurt a. Mt., 20. Mai. Ein geachteter jüd. Bankier ist zum Mitglieds des Kasino's, das bisher nur zwei Freiherren v. Rothschild zu Mitgliedern zählte, vorgeschlagen worden; zur Lesegesellschaft werden bis jetzt jüd. Künstler und Gelehrte nur als Gäste zugelassen. - Wie man hier aus der Moldau vernimmt, sollen die Juden mannigfachen Beschränkungen unterworfen, namentlich soll die Freiheit der Pachtung auf dem Lande entzogen worden sein. Karlsruhe, 18. Mai. Am 14. April ftorb allhier Herr Jakob Kusel, Vorstand des Bankierhauses Kusel, Oberrath der israel. Gemeinde. Berlin, 23. Mai. Der Stadtrath D. A. Bendri hat nun am 30. April den Eid bei „Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" und mit den Schlußworten: „Eo wahr mir Gott helfe" geschworen. Sachsen, 22. Mai. In dem trefflichen Rechenschaftsberichte, den der freisinnige landstandssche Abgeordj nete von Watzdorf im Adorfer Wochenblatt seinen Wühlern abgestattet hat, setzt er auch die Gründe auseinander, die ihn bewogen, für die völlige Emancipation drc Juden zu stimmen. Hannover, 18. Mai. Die Petition der Handelsinnung zu Hannover um Wiederherstellung einiger durch das Gesetz vom 30. Sept. 1842 aufgehobenen Beschränkungen der jüd. Kaufleute ist von den Standen zurückgewiesen worden. Hamburg, 8. Mai. Bei der gestern statlgehabten feierlichen Grundsteinlegung zur (2 Jahre vorher abgebrannten) Petrikirche, waren auch die beiden Pcrdiger des Tempels im Ornate, so wie ein Theil des Grmeindevorstandrs und der Tempeldirektion zugegen. Herr Ehacham Bernays, der natürlich gleichfalls die Einladung erhalten, scheint durch Umstände an der Theilnahme behindert worden zu sein. Hannover, 24. Mai. Nicht uninteressant ist die Debatte, die sich kürzlich in der 2. Kammer der hannöv. Ständeversammlung wegen der Petition der Kaufmannsinnung in Hannover und des dagegen eingelegten Protestes der jüd. Gemeinde daselbst, in Betreff der Aufnahme des Kaufmanns Heinemann in die Innung/ entspann. Der Vice-General-Syndikus (Dr. Wc>^ muth) referiere im Sinne des Judengesetzes und der früh" der Regierung eingeraumten Befugniß, jüd. Kaufleutr»

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