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Der Orient · 1844-05-28 · Heft 22 (28.5.1844) · p. Seite 171

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 22 (28.5.1844)
Date
1844-05-28
Page
Seite 171 (sequence 5)
Language
German
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171 f«i' zwei verschiedene Journale geschrieben hat, so meint ein alter ZeitungsleseL — ich meine nicht!! Auch in Würtemberg ist eine Schrift über jüdische Gauner erschienen, aber nur als Manuskript gedruckt und an höhere Gerichtsstelien vertheilt worden. Es ist auch nicht ein Würtembecger darin aufgesührt, meist sogenannte „Linke^ aus dem Elsaß, die ihre Gaunereien durch ganz Deutschland treiben; es ist Pflicht, zur Entlarvung dieser Schurken beizutragen. Der Nekrolog des „Ludwig Marcus" in der Augsb. Allgemeinen Zeit., hat viel Sensation gemacht; es wäre zu wünschen, daß sie ihn abdcucken ließen, damit er bleibend für die Annalen jüdischer Geschichte würde — Mit den Klopffechtereien habe ich begonnen und mit den Duellen schließe ich, indem ich einen kurzen Artikel aus dem „Stuttgarter neuen Tageblatt" wiedergebe: „Bekanntlich gehörte der vdm Baron Arnstein im Duell zu Preßburg erschossene .Graf Schönborn zu jenen Adligen, welche in Baden dermaßen vom Haber gestochen wurden, daß sie mit dem Haber nicht tanzen wollten und nun Einer nach dem Andern von dem Haber und seinen Genossen geschossen wurden. Bckannüich stammt Baron Arnstein aus einer jüdischen Familie. Wie es heut zu Tage immer zu gehen pflegt, wenn Christ und Jude in Konkurrenz treten, behielt Letzterer auch diesmal die Oberhand. Diese offenbare Fehde der christlichen und jüdischen Ritterschaft ist zwar ein Skandal, aber eines der auffallendsten und charakteristischen Zeichen der Zeit. Bereits sind vier Christen gefallen und noch nicht ein Jude! Herr, des Himmels! wie hatten die alten adeligen Herren vor vier- und fünfhundert Jahren auf ihren Burgen denjenigen ansehen wollen, der ihnen prophezeit hatte, daß ihre hochgeborenen und wohlgeborenen Ur-Enkel von Urenkeln ihrer Hofjuden erschossen würden! Ich glaube, sie hatten den Propheten mit Hunden aus dem Hause hetzen lassen! Gerechtigkeit des Weltgeistes! Nachdem bit Juden Jahrhunderte lang von adligen und bürgerlichen Christen in den Staub getreten worden sind, greifen sie zu Pulver und Blei und züchtigen die Nachkommen der Peiniger ihrer Vorfahren; auf die Letzt' schießen die Juden ihnen das Pulver nach und kein Geld mehr vor! Friehrichsrndt, Ende April. Am Montage, den 22. April, fand in der isr. Schule die erste öffentliche Prüfung statt. Die 2lnstalt besteht zwar schon seit drei Jahren, hat aber erst vor Kurzem ihr Regulativ erhallen, somit war diese Prüfung, obwohl schon alljährlich eine solche gehalten wurde, die eigentliche erste. Die 3ahl der Zuhörer war groß; auch Damen hatten sich eingeftmden, wie in größeren Städten immer bei ähnlichen Gelegenheiten. Sehr erfreulich war es zu bemerken, wie die Schule unter der geschickten Leitung des Direktors Gott hold von echt israelitischem Geiste durchdrungen ist und auf dem Grunde des Gesetzes ruht. Man fühlte dies bei allen Unterrichtsgegenständen. Nicht allein, daß die Schüler und Schülerinnen aller dre Klassen mit dem biblischen und überlieferten Gesetze, mit der biblischen Geschichte und Erdkunde des jüdischen Landes, je nach ihren Fähigkeiten auf's Allergmaueste bekannt waren; es konnten selbst schon die 7 bis 8jahrigen Kleinen fertig hebräisch lesen und einzelne Gebete übersetzen. 2tuch hierbei zeigte sich die durch die israelitische Rationalität bedingte vorwiegende Anlage der Kinder für die Erlernung ihrer heiligen Sprache. Vor Allem aber verdienten die Peobeschriften die allgemeine 2luftnerksamkeit und es ist wirklich bewundernswürdig, wie alle Schüler, die jüngsten und ältesten, die Knaben und Mädchen eine durchaus gleiche, schöne und sichere Handschrift schreiben. Nicht mit Hilfe von Vorschriften sondern durch Vorschreiben an der Wandtafel wird der Schreibunterricht vom Direktor ertheilt, wodurch diese an und für sich mechanische Uebung zugleich eine Denkübung für die Nachschreibenden wird, weil diese genöthigt sind, die vorgeschriebenen Buchstaben im Gedanken zu verkleinern. Der schon bejahrte ehrwürdige Herr Graf, Hauptlehrec der zweiten Klasse, prüfte diese im Hebräischen, und die Fertigkeit der Schüler war ein Zeugniß für die Tüchtigkeit des greisen Lehrers. Nicht weniger zufriedenstellend siel die Prüfung im Kopf- und Tafelrechnen aus, worin der Hauptlehrer der dritten Klasse, Herr Wagner in allen Klassen unterrichtet. Mit langen Zahlreihen, die sie zu behalten hatten, lösten die ältern Schüler rasch und richtig schwierige Aufgaben, während , auch die Kleinsten zum Theil schon einige Rechnungen zu vollziehen wußten. Zum Schlüsse des Ganzen, welches Morgens und Nachmittags jedesmal drei Stunden dauerte, wurden von Knaben und Mädchen einige durch Einfachheit und Laune gleich sehr ansprechende Lieder und prosaische Stücke mit nicht geringer Gewandheit frei vorgetragen. — Möchte die Schule in ihrer jetzigen trefflichen Einrichtung der Gemeinde, die dafür manches Opfer bringt, noch lange erhalten bleiben zum Segen für das Heranwachsende Geschlecht. Jtz. W. Breslau, 14. Mai. Vorgestern den 12. Mai fand in den Vormittagsstunden 9 —12 im jüdischen Gemeindehause die Prüfung derjenigen Zöglinge statt, welche die von dem Rabbiner Dr. Geiger neuerrichtete und begründete jüdische Religionsunterrichtsanstalt besuchen. Hr. Dr. G lud schon einige Tage vorher durch ein kleines, die Geschichte und Errichtung dieser jungen Anstalt erzählendes Programm seine Gemeindeglieder zur Prüfung ein, und daß der Parteihaß auch bei dieser sehr wohlthätigeu Anstalt nicht fehlte, läßt sich wohl denken. Die Ordnung der Prüfung war in folgender Art: 9—9.J 11. Knabmklasse: Pentateuch und Anfangsgründe der hebräischen Grammatik. 9-£—10 1. Knabenklaffe: Bibelkunde 22*

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