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Der Orient · 1844-05-28 · Heft 22 (28.5.1844) · p. Seite 170

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 22 (28.5.1844)
Date
1844-05-28
Page
Seite 170 (sequence 3)
Language
German
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- 170 - denn wenn wir bei der christlichen Versammlung dumme, verjährte Vorurtheile über die Genossen des jüdischen Glaubens anzutreffen erwarteten, wenn wir auch wissen, daß die verpestende Pietistecei mit ihrer vernebelnden Allgewalt durch den Trieb, der Residenz nachzuahmen, bis zu dem kleinsten Beamtlein vorzudringen beginnt, so erwarteten wir doch von einer solchen Versammlung eine bessere Einsicht in ihre Pflichten und Rechte und ein besseres Verstandniß dessen, was ihr Noth thut. Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung hat aber gegen ihre Pflichten gehandelt, indem sie gegen den Willen ihrer eigenen Kommittenten, wozu auch die jüdischen Bürger gehören, beim Ministerium einen Eintrag stellte, der außerdem noch diesen Theil der Bürger tief beleidigen mußte. Sie hat gegen ihre Pflichten gehandelt, indem sie die Pflichten der Stadtverordneten, das Interesse der Bürger gegen Eingriffe von Außen zu wahren, ihre Wohlfahrt zu fordern, vergessen und sogar die Eingriffe von Außen Herbeirust und die Wohlfahrt untergrabt. Die Versammlung hat aber auch gegen alles Recht gehandelt. Es ist die größte Rechtsverletzung, auf Beschränkungen mancher Bürger um des Glaubens willen anzutragen, da doch das bestehende Gesetz keinen Unterschied anerkennt; es ist eine Beleidigung preußischer Unterthanenrechte, darauf anzutragen, diese oder jene Klasse der preußischen Bürger die Aufnahme in den Kommunen zu verweigern, und der geringste Jude ist doch so gut Preuße, wie der Herr Stadtverordnete. Uebrigens muß ich hier erwähnen, daß die Erklärung der hiesigen Judenschaft, die nun sammt den Verhandlungen, unter dem Titel: „Notwendige Erklärung der jüdischen Gemeinde zu Grünberg an ihre christlichen Mitbürger. Zum Besten der städtischen Armenkasse. Grünberg, 1644. 8." erschienen ist, in einem so milden und schonendem Tone abgesaßt ist, wie ihn die Herren Stadtverordneten nicht verdienen. Frankfurt a. 19. Mai. Ich erkläre hiermit, daß mein Bericht vom 3. Mai im Orient Nr. 20 — in Betreff des Holzplatzes auf dem Friedhose — weder von Hrn. Raph. Kirchheim noch von Hrn. Jak. Baß veranlaßt worden und daß diese beiden Herren von der Abfassung oder Einsendung des besagten, übrigens seinem ganzen Inhalte nach wahrheitgemäßen Art. vor dessen Erscheinen im Orient durchaus keine Kenntniß hatten. Der Verfasser des erwähnten Artikels. Puberbsru, 12. Mai. Seit dem 9. d. M. zählt die Geschichte eine Judenverfolgung mehr. In unserm benachbartem Gesecke nämlich wurden am 9. b. M. zwischen 8 — 9 Uhr Abends alle Judenhauser bis auf eines, worin eine Wöchnerin lag, demolirt, weil man glaubte, daß ein Schmähbrief, den der Geistliche zu Paderborn empfangen, von den Gesecker Juden ausgegangen sei. Wie es sich mit der Wahrheit dieser Beschuldigung verhalte, wird der Verlaus des Processes darlhun; jedenfalls müssen die christlichen Einwohner zu Gesecke sehr roh und pöbelhaft sein. Berlin, 18. Mai. Der Schöpfer der Potenzenlehre hat unter den Juden einen Kritiker gefunden; chc. L. Schwarz, ein junger Denker, hat eine Darstellung und Kritik der alten und neuen Philosophie Schelling's geschrieben. Herr Schwarz ist zwar Spinoziß, oder besser Pantheist, und würde demnach seine Kritik nicht als Jude geübt haben; allein Hr. Schelling lM doch insofern ein Dementi erhalten, als Hr. Schwürz ihm bewiesen hat, daß die Wissenschaft nicht christlichgermanisch ist. Aus dem TV irrte mb erg s sch e n, 12. Mai. Sie erhalten hiermit die Gratis - Ausgabe der Antikritik des F. Nork gegen Professor Ernst Maier, Entgegnung des Ersteren gegen Letztern auf die Recensi'on der Schnst „biblische Mythologie". F. Nork wüthet wie ein Gereizter, fletscht die Zähne und seine ohnmächtige Wut!) zeigt sich schon im Titel seiner Schrift: Doktor Ernst Maier auch ein Recensent der Gegenwart, geschildert durch sich selbst im Februarheft der „ Jahrbücher der Gegenwart"; oder neue Schimpf- und Textverdrehungsproben jenes „divino furioso“ mit prickelnden Noten in usum ejusdem vermehrt von F. Nork. 5p?tt Nork ist auch ein, wie man zu sagen pflegt „zum großen Kehal Uebergelretener", er nennt seine Apostasie eine abgenölhigte und fastet noch am Todestage seines selig. Vaters, sogar, wenn er auf einen Sabbat fallt, düs Sabbatbrod ist ihm noch die freundlichste Erinnerung, die er aus dem Judenthume mitgenommen. — Gegen M Brühl hat sich in unserm „Beobachter" eine scharfe Polemik entwickelt; ein Protestant zieht gegen das Stecken der Ultramontanen zu Felde und reißt hier gelegentlich auch eins mit dem Getauften vom Zaune, nennt ihn einen bankrotten Schriftsteller, und wenn die Sachlein wahr sind, die öffentliche Blätter von ihm erzählen, st hat der Katholicismus keine große Acquisition an ihm gemacht. 1 Seine Bekenntnisse sind ein weitausgehender „Ecce liomo"! Das Frankfurter Philantropin hat ihn erzogen und den seligen Creiznach nennt er, als den, der ihm zuerst den Heiland gelehrt; — das hat wahrlich CW nach nicht vermuthet, daß er noch als Missionar verzoll! werde, aber darum: ihr Weisen seid vorsichtig in euren Worten! Nach Brühl steht das Philanthropin auf chch lichem Grund und Boden, so sehr es auch, resp. einer ihrer Lehrer, ein Anhänger des „Israeliten des 19. Jahrhunderts" ist. Der Korrespondent 5p. im Jsr. des 19. Jahrh., nach dessen wahrer Gestalt schon einigem! auch in diesen Spalten gefahndet worden ist, möchie wohl derselbe sein, der in der Hep - hep-Periode bop pelzüngige Artikel pro und contra in Sachen der Juden

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