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Der Orient · 1844-05-21 · 21 (21.5.1844) · p. Spalte 327-328

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
21 (21.5.1844)
Date
1844-05-21
Page
Spalte 327-328 (sequence 4)
Language
German
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328 327 Studien. Briefe über das Judenthum. verfolgt habe, auf wenig Seiten hier durchzumessen und zu beschreiben. Wie fast Alle wurde auch ich in meinen Studien gleich mitten in die Sache gesetzt; da, wo eben die Strömung war, und wo der Fluß der Wissenschaft sich weiter bewegte, trat ich denn mit ein. Was früher geschehen, wußte ich kaum; auch was eigentlich geschehen sollte, und wovon in der Philosophie die Rede, was die eigentliche Frage sei, ahnte ich kaum, und nur in undeutlicher Auffassung. Mein erster Lehrer war Fichte d. A. Aber bald ward von ihm abseit dem hellglänzenden Sterne der Naturphilosophie nachgegangen; denn die Wissenschaftslehre mit ihrem strengen Subjektivismus konnte dem Arzte und Naturforscher nicht lange genügen. Auch ward den die Arznei studirenden jungen Männern die naturphilosophische Lehre in mannigfacher Anwendung dargeboten, und ich erinnere mich noch sehr wohl, welchen befriedigenden Eindruck des Herrn. H. Steffens oryktognostische und geologische Arbeiten auf mich gemacht hatten. Zur selbigen Zeit ward auch von einem überaus geistreichen Lehrer der Physiologie der Versuch gemacht, die Anatomie in apriorischen Grundlehren zu deduclren. (A u t h e n r i e t h in Tübingen.) Beide Arbeiten, die letzte insbesondere, machten mich zuerst auf das Abentheuerliche und Verkehrte der apriorischen Physik und Physiologie aufmerksam und legten den ersten Grund zu eigenem Nachdenken und zur späteren Erkenntniß, daß die Natur nicht durch den Begriff ursprünglich, von der Vernunft aus (a priori), erkannt und demonstrirt werden könne. Theils fand ich jene Begriffe falsch und mit den Thatsachen in Widerspruch; theils so hohl und ausweitbar, daß Alles hinein gezwängt werden konnte. Ersteres war eben der Fall mit den geistreichen, in blühendem Style vorgetragenen Geognosien von Steffens; Letzteres mit der nach Prioritätsgesetzen demonstrirten und konstruirten Anatomie Authenrieth's. Wenn H. Steffens aus nothwendigen apriorischen Lehrsätzen herausgebrachr hatte, daß alles Eisen des Erdballs nach innerer Gesetzmäßigkeit, gegen den Nordpol, alles Gold unter den Aequator gedrängt werden müsse, und ich hinterher aus Andern erfuhr, welche Massen edlen Metalls im Kaukasus, und welche Massen Eisens in den Cordilleren angehäuft seien; wer konnte mir es da verdenken, wenn ich dem schlechten, großprahlerischen Absolutismus und Apriorismus unwillig auf immer Valet sagte, und über die eitlen Arbeiten eines hinterher klugen Physiologen, der sich stellte, als habe er das Alles vorher und von selbst gewußt, ehe ein Anatom sein Secirmesser eingesetzt, nur noch mitleidig gelächelt, und sie verspottet habe? (Fortsetzung folgt.) Brie fe über das Judenthum, mitgetheilt von dem Rabbiner Dr. Joseph Aub zu Baireuth. Dritter Brief. „Das Wahrscheinliche ist gerade nicht immer, wenigstens nicht ausschließend und unbedingt, das Kennzeichen der Wahrheit; sonst müßte jener indianische König recht gehabt haben, der das Eis läugnete, weites ihm unwahrscheinlich war." (Herder, Briefe, das Studium der Theologie betreffend.) Ihre Meinung, m. Fr., daß bei der Kritik der Erklärung des Reformvereins die Wahrheit oder Unwahrheit des Inhalts den Hauptpunkt der Prüfung bilde, dem gegenüber alle übrigen Momente von keinem großen Belange seien, wird Niemand in Abrede stellen. Die Billigung oder Verwerfung f der Grundsätze dieses Vereins hängt natürlich von dieser Ent- J scheidung ab; indessen darf darum noch nicht die Form völlig j unberücksichtigt bleiben. Denn wie jeder Begriff seinen adäj quaten Ausdruck erheischt, wie jede Disciplin das ihr angemessene System erfordert, und jeder Misgriff hierin dem Wesen schadet, und jede Abweichung der Sache Nachtheil bringt: so. und noch weniger darf der Inhalt religiöser Wahrheiten die Form verachten, in welche er gefaßt, die Bahn übersehen, welche er zu gehen hat. Daher glaubte ich, daß die Beurj theilung der genannten Erklärung sich keineswegs blos auf \ den Inhalt beschränken dürfe, sondern auch auf die Form ihr 1 Augenmerk richten müsse. § I. Die Form anlangend, rechne ich dahin auch den Weg, Z welchen die Reformfreunde eingeschlagen, die Weife ihres Aufk tretens. Dieser Weg scheint ein verfehlter, diese Weise eine Z verkehrte zu sein. Ist auch die Gesinnung der Reformsreunde,? wie schon im vorigen Briefe bemerkt wurde, weder neu noch § überraschend; ward sie vielmehr in Wort und That von Vie- | len unter allen Konfessionen geäußert: so bleibt doch btefe | Promulgation befremdend, gewissermaaßen beispiellos. In welcher Glaubensgenossenschaft ist es noch einigen Laien beiget fallen, mit einem Manifeste des Unglaubens die Gemeinschaft der Gläubigen nicht allein herauszufordern, sogar auch als Reformatoren sich ihr aufzuwerfen? Zu welchem Zwecke dienen diese drei Sätze der Erklärung? Sollen sie Zeugniß ablegen von den religiösen Lehrsätzen und Gesinnungen ihrer Herolde? Vor keinem Richterstuhle gelte solch ein obstruses Zeugniß als vollgültig. Oder sollen diese Lehrsätze Ueberzeugungen in Anderen Hervorrufen und begründen? Dazu sind sie selbst zu unbegründet, um eine solche Einwirkung zu erzeugen. Als Thesen allenfalls zu einer Disputation würden die Worte der Erklärung noch tauglich sein; aber zu bezeugen und zu überzeugen eignen sie sich durchaus nicht. Anstatt einen solchen

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