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Der Orient · 1844-05-21 · 21 (21.5.1844) · p. Spalte 323-324

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
21 (21.5.1844)
Date
1844-05-21
Page
Spalte 323-324 (sequence 2)
Language
German
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323 Krüiken.' Hirsch's Religionsphilosophie beurtheilt von Dr. Steinheim. 324 -bis critif t>icfe Spitze Erieb, verband ihn hinterher mit einer höchst kombinirten Theorie des Werdens, mit einer Atomentehre, durch welche dem reinen Begriffe ein Zusatz von äußerlichem Leigemischt wurde, der einen Schüler dieses Lehrsystemes veranlagte, ein durchaus reines Lehrgebäude idealistischer Art aufzustellen, und dieser lehrte, die Materie sei nur eine Modifikation, neben dem Denken, und das, was beiden als Wesen zu Grunde liege, nannte er Substanz; ein Zweiter, der wieder auf diesen folgte, griff mehr die zweite realere Seite des modernen Idealismus auf und lehrte: nicht der Begriff, sondern das Begreifende, eine lebendige, ruhende, schlummernde, oder bewegte und wachende Monas sei das wahrhaft Seiende. (Wir haben im Umrisse dieGrundänsichten von Cartesius, Spinoza und Leibniz angegeben.) Noch stritten sie sich hin und her, und schon erneuerten sich wieder die früheren Einreden der Skepsis gegen die Dogmatik (Locke, Hume), als ein. Mann unter uns Deutschen auftrat, der der Sache auf den Grund dadurch zu kommen suchte, daß er die Natur unsers Erkcnntnißvermögens von Anfang an in Untersuchung nahm. Es entstand als Resultat: die Kritik der reinen Vernunft. Ihr Hauptergebnis' ist bekanntlich von dem Unzureichenden derselben in der Erkenntniß des Wesens der Dinge. (Die Unmöglichkeit eines synthetischen Urtheils a priori in der Mathematik ausgenommen, die sich aber nur auf Zeit und R a u m, nicht aber auf den Inhalt, das Wesen, das Erfüllende derselben, bezieht.) Kant beschränkte seine Untersuchungen nicht blos auf die Dinge der sichtbaren Wtlt (nmndüs phaenomenon); sondern dehnte sie in gleicher Weise auf die Wesen der unsichtbaren Welt, Seele, Freiheit, Gott, und mit demselben Resultate aus. Das heißt, er fand am Ende seines ernsthaften und tief angelegten Calcul's, daß wir auch von der unsichtbaren Welt kein eigentliches Wissen haben können, und daß, wie in der sichtbaren, ein Glauben an die Wahrhaftigkeit unserer 5 Sinne, so in der unsichtbaren ein entsprechender Glaube an die Wahrhaftigkeit unseres innern, sittlichen Sinnes im Wahrnehmen des Gewissens vonnöthen und eben sowohl für unser menschliches Bedürsniß hinlänglich sei. Durch einen eben so kühnen als beharrlichen Trieb des menschlichen Geistes geschah es aber, daß man sich bei diesem Kant'schen Resultate nicht zu beruhigen vermochte. Man fing das alte Spiel wieder von vorn an, jedoch in einer höheren Loge, wenn ich mich einer Ausdrucksweise aus der Musik entlehnt, bedienen darf. Zuerst trat der Idealismus in seiner eminentesten Formation auf mit der Prätension einer sog. Wissenschafts-- lehre. Sie gab vor, das Wesen der Dinge trotz der Kritik der R. V. gefunden zu haben und zwar in der allergewissesten Wahrheit des im Denken sich selbst setzenden Subjekts, wo denn im alten Cogito — erga 8um, das ego, I ch denke, mit besonderem Nachdruck Hervorgehoben ward. So ward die erste Voraussetzung, daß der Geist das Ewige, Wahre und Erste sei, von seiner ersten Stufe, sivo sie noch den Geist als eine breitere Basis besaß ,-bis zu dem schmalem Ich zugespitzt, und verlor sich in eine bloße Subjektivität,, die sich und zugleich ihre Begrenzung, ihr Objekt schuf oder fetzte: Wo blieb aber die Fülle der Erscheinungen? Sie ward herab-- gesetzt zu einem leeren Postulate einer Grenze des sich setzen-- den Ich's, welchen dieses als Selbstbegrenzung mit Rothwendigkeit forderte. Daß bei dieser Weltvernichtung die absolute Wissenschaft sich nicht beruhigen konnte, ist begreiflich. Die Welt der Erscheinung ist mit einer eindringlichen Kraft versehen der man nicht dadurch ausweicht, daß man die Augen zudrückr. Das reine Iden tifi cir e n der Welt mit der subjektiven Vernunft hielt nicht lange Stand, und ein neuer Denkvirtuos kam wieder auf den alten Gedanken Spinoza's zurück, , daß das Denken und die Materie die beiden Ausdrücke, gleichen Werthes, und gleichen Wesens, der einen ruhenden, ewigen, absoluten Substanz seien. Hierdurch ward nun der Objektivität, der Welt außerhalb des Subjekts,- dem Angeschaueten, die Existenz wieder zvgestanden, aber das Wesenhafte dieser Welt in dem Gedanken aufgelöst, es ward die Welt der Erscheinung mit dem Gedanken begriffen, und in ihm dadurch aufgelöst, daß sie mit ihm in einem Dritten (dem Indifferenten) vereinerleit (identisicirt) wurde. Diese Identisicirung des Gedachten mit dem Denken stieß sich aber von Neuem an den harten Granit der Außen-, der Objektenwelt, litt Schiffbruch und zerschmetterte an diesem Stein des Anstoßes. Es wollte mit der Auflösung derselben nicht ganz gelingen; im Schmelzu'egel des Gedankens fanden sich unauflösliche Reste jener, vorhin von der Wissenschaftslehre ganz ausgeblasenen Sinnenwelt, die dem Monstruum des Gedankens widerstanden. Besonders aber war der Uebelstand nicht zu beseitigen, den jene alten Denker Griechenlands gegen die Physiologen und Wissenschaftlehrer ihrer Zeit zur Geltung brachten, daß keine Bewegung in diesem Identitätssysteme zu finden sei: (tv slvca sozcog to näv). Die allbekannten Gegensätze und Antinomien blieben daher in der alten Härte als Niederschläge zurück und forderten auf zu einem neuen Versuche der Auflösung des harten Granits der Erscheinungswelt (des Dings—an—sich) in dem reinen Gedanken, und der nicht wegzubringenden Bewegung, des Werdens. Da erhub sich abermals der reine Gedanke, stellte sich an die Spitze der Erscheinungswelt und behauptete: Ich bin nicht allein das Sein, sondern auch die Bewegung, ja eben das Sein muß seinem Wesen nach sich selbst durch einen innerlichen Trieb in sein Gegentheil (das frühere Nicht—Ich, eine Modifikation des Nicht—Seienden des Plato) verwandeln, durch das Nichts zum Werden werden. Diese Bewegung des Gedankens, des Begriffs, ist das Werden selbst. Zwar ist die Welt schon eine Zeit lang, bevor der Gedanke sich auf diese seine große Schöpferthat besonnen hatte, fix und fertig da gewesen; allein die Arbeit des Begriffs mußte in der Philosophie erst denselben Gang wieder, hin und her lavirend, bis

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