Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-05-21 · 21 (21.5.1844) · p. Spalte 321-322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
21 (21.5.1844)
Date
1844-05-21
Page
Spalte 321-322 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890820--3553-3530335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literalnrblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. J\fs 21. Leipzig, den 21. Mai 1844. Inhalt. Kritiken. Hirscli's Religionsphilosophie beurtbeilt von Dr. Steinheim. (Forts.) — Studien. Briefe über das Iudenthum. Mitgetheilt von R. Dr. I. Aub. Dritter Brief. — Etwas über das Verhaltniß der Adaqualion des talmud. Ausdruckes zu dem damit bezeichneten Begriffe. Von M. Schwarz au er. (Schluß.) — Literarische Ankündigungen. Religionsphilofophie. Die Religionsphilosophie der Juden, oder das Prinzip der jüdischen religiösen Anschauung und sein Verhaltniß zum Heidenthum, Christcnthum und zur absoluten Philosophie, dargestellt rc. von Dr. Sam. Hirsch. Rabbiner. Leipzig, 1843. bei H. Hunger. Von Dr. Steinhdirrr. (Fortsetzung.) Doch wir lassen diese zweite Art des Gegensatzes von ewiger Ruhe und ewiger B e w e g un g auf sich beruhen, und machen auf eine neue entsprechende Differenz zwischen den Philosophen aufmerksam, die besonders mit jenem ersten Gegensätze von Materie und Geist innig verbunden ist. Ich spreche von der Untersuchung über die Natur unserer Erkenntniß. Halten wir uns nämlich an diejenige Partei, die das Geistige ausschließlich als das Wesen der Dinge betrachtet, die Gegenstände der Sinne dagegen als Nichtseiende, als blos subjektive Modifikationen unseres Wahrnehmungsvermögens; ist, wie dies wohl zuerst von Plato gelehrt ward, die Idee eines Dings sein Wesen, seine Erscheinung aber die unvollkommene Abspiegelung, sein Versinken in eine schlechte Sinnlichkeit, und sind diese Ideen es, welche das Wissen ausmachen, und liegt dieses deshalb nicht außerhalb des erkennenden Geistes, sondern in ihm, so versteht es sich von selbst, daß unser Erkennen nur ein Erinnern, ein ins Bewußtseintreten aus einem verhüllten Zustande sei. Es giebt mithin kein eigentliches Lernen, wenn dies ein Erkennen eines, durchaus außerhalb Unser Liegenden, ein Zuwachs unsers Wissens, bedeuten soll. Alles Erkennen ist sonach, abgesehen von dem, was man gemeinhin das Gegenständliche, die Natur der Dinge, oder die Außenwelt nannte, schon verhüllt in der menschlichen Seele eingeboren; das so genannte Lernen wäre somit weiter nichts, als ein Erwecken dieser noch schlummernden Ideen, und deren bewußtes Anschauen, wie auch das Vergleichen derselben mit den Ergebnissen der Sinnenwelt, in wieweit diese mit jenen Idealen zusammenstimmen. Diese Partei, die man gewöhnlich die idealistische nennt, schreibt daher nur den Ideen der Dinge, ihren Begriffen, Wesenheit zu, und diese Wesenheit kann begreiflich nur in der begreifenden Vernunft liegen. Die Natur der Dinge hat nur soviel Wesenheit und Wahrheit in sich, als sie diesen ihren Begriffen entspricht; inwieweit sie ihnen nicht entspricht, insoweit ist sie ein Mangelhaftes; es fehlt ihnen das, was dem Ideale nicht konform ist. Aus dem Begriffe entwickelt sich daher die Vollkommenheit und Wesenhaftigkeit der Welt, und weil diesen Begriffen allein die Realität zuerkannt wird, so nennt man diese Sekte im scholastischen Zeitalter: Realisten, an deren Spitze — wie schon gesagt — Plato steht. Ganz diesen entgegengesetzt lehrt der Schüler und Gegner P la to's, Aristoteles: Nichts ist im Begriffe, w a s n i ch r v o r her i m Sinne gewesen. Während demnach die Partei des Idealismus den Begriff allem Andern vorangehen läßt, und in ihm die eigentliche Fülle des Wesens annimmt, läßt die Partei des Realismus (nicht zu verwechseln mit dem Realismus der Scholastik, der den gerade entgegengesetzten Sinn hat) den Begriff auf die Anschauung und Erfahrung folgen. Diese beiden Hauptlager der philosophischen Heerführer und Heere stritten nun lange mit einander „bald siegend, bald besiegt" und trieben sich gegenseitig bis zu ihren äußersten Spitzen. Die Spitze der Idealisten trat in der modernen Philosophie zuerst hervor im Ausspruch; daß das einzig Gewisse und Wahre sei: ich denke. Der erste Philosoph nach der Zeit der Scholastik, der jenen Platonismus der. Idealwelt 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.