Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 20 (14.5.1844)
- Date
- 1844-05-14
- Page
- Spalte 313-314 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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313 314 Studien. Methodik des Talmuds. ist in ewiger Ruhe und Alles ist in ewigem Flusse die beiden Schulen der Eleaten und der Skeptiker aus. Ist nämlich der Geist das Wesenhafte, Unveränderliche und die Materie das Wesenlose, so ist auch das, was an der Materie erscheint, das Werden, die Veränderung wesenlos, ein bloßer Schein. Der sich selbst gleiche ewige Geist ist unveränderlich, und alles Andere ist nur Täuschung der Sinne. Die Welt kann sich nicht bewegen, weil kein Raum da ist, in dem sie sich bewegt. Die entgegengesetzte, von der Wesenhaftigkeit und Ewigkeit der Materie ausgehende Partei dagegen erkennt nur Bewegung, nur Werden und kein Sein an, woher das Bekannte, daß man nicht zweimal in demselben Strom baden könne. (Fortsetzung folgt.) Methodik des Talmuds. Etwas über das Berhältniß der Adäquation des talmudischen Ausdrucks zu dem damit bezeichnten Begriffe. Von M. Schwarznuer. (Fortsetzung.) So unabweislich nun auch es dem aufrichtigen Offenbarungsglauben sein muß, dem Buchstaben der 5 B.M. göttlich geoffenbarte Realität zu vindieiren En min milllND Dn2lN (Mechitta S. 59 a, Ende), so galt doch der Grundsatz allgemein: ctin ’Jü ppb nun toi „Die Tora redet die Sprache der Menschen". Die allgemein anerkannte Gültigkeit dieses Satzes ist nicht zu bezweifeln. Wie dieses schon Dr. Hirschfeld (Halachische Exegese, S. 142 Anm.l richtig bemerkt. Ebensowenig ist es zweifelhaft, das man von diesem Ausspruche den weitesten Gebrauch gemacht; daß man einen Doppelsinn hiermit bezeichnete und in der Bibelexegese geltend machte. Hielt man einen Ausdruck nämlich für überflüssig, z. B. die Wiederholung des Jnsinitifs vor dem Verdun» fimitum, oder bei scheinbaren Pleonasmen, wie e^N ew 2C.,unb hatte dafür. eine Verwendung zur Begründung eines Gesetzgegenstandes, so wurde er hierfür angewendet, indem man jenen Grundsatz jod n'l zwar festbielt, ihn aber dahin auffaßte: die Tora, i. e. das göttlich geoffenbarte Gesetz, spricht zwar die Menschensprache, aber — als Gotteswort muß dennoch jedes einzelne seine Bedeutung und deshalb seine Deutung haben; wie dieses mit klaren Worten N. Jose in Sifra Q^llp e. 10, ed. Dessau (f. 203 b) ausspricht: bx hon , inin ’Jd , idni 23 bi , ^NIE» VQ IN , ^Nlt^ ’J3 % 131 , *03 nun mm idin w 'i , bu man ahni ob)i) ,.i3in din u: tSHmnb' findet sich aber bei einem solchen überflüssigen Worte keine Verwendung, oder wird das, wofür es verwendet, nicht als gesetzlich anerkannt, dann beruft man sich ebenfalls auf den Grundsatz x'jjrl'l in dem Sinne: da einmal das Gesetz einer Menschensprache sich bedienen muß, so müssen auch zuwe.ilen Ausdrücke Vorkommen, die als Sprachidio me keine weitere Bedeutung haben. *) Dieser Grundsatz nun' wurde zunächst auf parabolische und hyperbolische Ausdrücke in der Bibel angewendet. So sagt die Pesikta sutarta S. 69 a b pniNl; "111 , pDDn pw , in ma i3i : in ion pi d^ni by jwty -ji2b fü^b^b'ion lau idini I3i Nim , *)id )b |w , ]i3c^n 3n by , mn myani v\bxb HM1 ppn 'w pp , din ^3 \)wbi .*1331 ’D^nI? ”*1 PN UWIN , DlSfJJ So nun von dem göttlichen Worte selbst geleitet, und zu der Ueberzeugung geführt, wie einer menschlichen Sprache nimmermehr eine adäquate Bezeichnung für abstrakte Begriffe abzugewinnen steht, wurde dem äußern Sprachgewandt des Talmuds von seinen Lehrern die geringste Sorgfalt geschenkt, und die Gettesidee erhielt ein allzu sehr menschliches Gewand. Wir finden dieses am besten a. a. O. S. 6/ wieder gegeben: 'i n3i byi bxyow 'n nfonn din non' D^D O , .13312 .1^23 l^'.l 1323 1131 1L7N , N3^ IL'N , CFN'3jrj by 22lb ^13^ '21.\wb D'HDJ 1D1M3 lillNip 1NSD.13 M DN 1EH1 , '»1 DN HNINI DDN nun -.131 n^n , *\)d ]\s6 n^N‘3 Narai 'Di mp nriN Dnram , nun nriN Dwnjri pi , din ^3 nwi , o.ib inN -pi bon , orrnnN n'D3ni , D'N'ütfi /di biw sw ynixt 1313 Vorzüglich aber ist es die hyperbolische Redeweise des Talmuds, welcher wir hier eine besondere Aufmerksamkeit widmen wollen. Das Princip des absichtlichen Gebrauches dieser Redeweise, ist vom Talmud selbst ausgesprochen., *) Die Wichtigkeit des Gegenstandes, wirb gewiß die kleine Mühe des nothwendigen Nachschlagens der hier angeführten Stellen lohnen: Die Tosafot zu Sota 24 a : ni'3 13/ EnN EnN \\.l pnv» '11 und zu Menachot 17 b \ n 13 131 pM PnH wo weisen den vorzüglichsten Tannann nach, daß einer und derselbe an der einen Stelle den Grundsatz N'3'3'n'l festhalce und anderswo ihn wieder aufgebe; als da sind: R. Elst-ser, R. Akiba, R. Jischmaül, R. Jehuda, R. Me'ir, 8i. Jose, R. Simon u. A. und kommen endlich zu dem Resultate: daß zwar der Grundsatz allgemein und im weitesten Sinne anerkannt wurde, jedoch nach Zweckmäßigkeit eines zu bestimmenden Gesetzes, auch das überflüssige, Wort gedeutet wird : „rv6 n*»3D WH MH bl in onbp TDynb , iaoi ndm i.-?2 , N'3'3'n'i 131 rp p'Kni , 21132 " Hr. Dr. Hirschfeld, welcher a. a. O. dieses Resultat kurz und prägnant wiedergiebt, ist daher von dem Vorwurfe der jüdisch theologischen Zeitschrift 5. Bd. S. 78 gänzlich frei zu sprechen; wohl aber ist genannte Zeitschrift a. a. O. und S. 239 vorzügl. die Anm. zu vergleichen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, zu welchen Jrrthümern die Hyperkritik verleitet. Wir kommen zur Zeit wieder hierauf zurück.