Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 20 (14.5.1844)
- Date
- 1844-05-14
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Studien. Methodik des Talmuds. Die unabsichtliche Gusma. 316 B'^nri nii ’Nin D'ndj nm win }ite6 min mm '»NIH Chulin, 90 b Mitte; Lamid 2, 28 und 36. Gleichbedeutend mit wn' ist die nöIU; worüber namentlich Aruch .Radix S. 371 e6. Prag nachzulesen ist. Der ältere Ausdruck ist . i^in, welcher schon in der Mschna Nedarim e. 3, 1 vorkommt. Vergl. Junz G. V. S. 350 ff. Anm. k. Während nun von der Gusma der weiteste Gebrauch statt findet, was in der Barajta unbeschränkt auch ausgesprochen, wird von Rab Iizchak im Namen Samuel's (Chulin/90) dies nur von drei Stellen behauptet; und ebenso widersprechen sich a. a. O. die Gaonlm Scharira und Haji auf eine unerklärliche Art, worauf schon Rapaport in Bikkure Ha-Ittim, S. 88. Anm. 12 hinweist. — Wahrscheinlich war es die Furcht, man möchte von dem ausgesprochenen Principe einen zu ausgedehnten Gebrauch bei der Auffassung der vorhandenen religiösen Schriften machen, und so suchte man dasselbe auf bestimmte Stellen zu reduciren,.welches aber, namentlich von Raba (^m) widersprochen wurde, und wie natürlich, bei den unzähligen hyperbolischen Stetten, nicht ausführbar war. Daher die auffallenden Widersprüche der Gaonim a. a. O. — (Vergl. noch Erubin S. 2.; Beza S. 4 die oben angezogenen Stellen der Pesikta sutarra und Maimuni More Nebuchim. 2. Lhl. c. 47.) Beinahe könnte man versucht werden, den Ausspruch Rab Iizchak bar Nachmena's — wofür in Lamid 29 auch R. Iannai bar Nachmena steht-— daß nur an drei Lalmudstellen hyperbolisch geredet werde, selbst für eine solche entgegengesetzter Art zu halten, wenn man nicht zu bedenken hätte, daß R. I. b. N. nur von der Gusma, welcher sich die Lannäi'm in Mischna und Barajta bedienten, handle; und daß dessen Aufzählung der Gusmaauödrücke, nur das Gedächtniß und nicht unser heutiges, schriftlich geordnetes Kalmudwerk, zur Quelle haben konnte. (Jedenfalls bietet dieser Ausspruch den schlagendsten Beweis, wie grund-bodenlos die Methode einer Kritik wäre, welche sich bei der Beurtheilung talmudischer Stellen an das strikte Worte halten wolle.) Während wir nun hier versuchen, über Entstehung, innern Gehalt und möglichster Klassifikation der talmudischen Gusma, zum erstenmal ein größeres Licht zu verbreiten, müssen wir von jenen hagadischen Erzählungen, wie die von Rabba bar Chana in Baba Batra 73 ff. und vielen andern dergl., denen vermöge ihrer rein parabolischen Natur, jede Realität, den der nächste Wortlaut giebt, abgeht, und daher unstreitig in das Gebiet der Poesie zu verweisen sind, gänzlich abstrahiren. Wir haben es hier nur mit der G usma zu thun, d. h. mit derjenigen Redesigur, wo der Wortlaut an sich wahr, und nur in der Komparation seines Inhalts ausschweift. Ueber deren Entstehung hätten wir nun schon in Vorhergehendem genügende Winke gegeben. Von der Bibel selbst dazu geleitet, und von der Sprache kaum ein anderer Ausweg geboten, mußte noch die tropische Lage des talmudischen Wirkungskreises nothwendig, zum überhäuften Redetropus führen. Wir wollen diese Entstehungsgründe die objektiven nennen , zum Unterschiede eines wesentlichen subjektiven, wozu jene sich wie die Ursache zu der Wirkung verhalten. Bei der ursprünglichen diskursiven Entstehung des talmudischen Haupttheils, die Halacha, wobei man nicht nur nicht an ein Niederschreiben dachte, sondern vielmehr, wie oben nachgewiesen, sich ausdrücklich dagegen verwahrte, waren die Betheiligten, Lehrer und Schüler untereinander, über die positive Göttlichkeit der diskutirten Materie vollkommen einverstanden; und man hatte daher zum klaren gegenseitigen Verständnisse, der obwaltenden Divergenzen nur wenig Worte nöthig. Da bei der diskursiven Lehrart, jeder etwaige Misverstand, sogleich wieder berichtigt werden konnte, war man nicht gezwungen, auf den äußern. Ausdruck Sorgfalt zu verwenden. Es bedurfte gleichsam nur eines Lautes, kaum eines Wortes, und man verstand sich. — So wie Familienglieder , die von gleicher, wahrhaftiger Liebe durchdrungen, zur gegenseitigen Mittheilung ihres Willens, nur weniger Worte bedürfen — weil die genaueste Kenntniß einer jeden einzelnen Individualität bis zum Minitissimum die Stelle der Sprache vertritt —: so war die Innigkeit der Talmudlehrer von der Göttlichkeit der Religionsgesetze, gleichsam eine geheime Sprache, die sich nur wenig um das äußere Mittheilungszeichen kümmerte. — Man denke nur an die Redekürze des scharfsinnigen, halachischen Vortrags eines jetzigen, tüchtigen Lalmudlehrers. — Der Lehrer war von der intensiven Wichtigkeit seines besprechenden Gesetzes oder der moralischen Wahrheit so ergriffen^ sein religiöser Enthusiasmus stand in so ungleichem Verhältnisse mit der ihm gebotenen Rhetorik, daß bei der Absicht, seinem Lehrgegenstande auch die möglichst extensivste Giltigkeit zu verschaffen, er immer den Superlativ der Eigenschaft wählte. So entstand: As foie unabsichtliche Gusma. Hierher gehören die verschiedenen Aussprüche über die Wichtigkeit der Gesetze und Lugenden, deren oftmaliger Widerspruch, und gerade ihnen entgegengesetzter Behauptungen, wenn auch von verschiedenen Lehrern, schon ihre hyperbolische Natur, wie wir diese Klaffe charakterisirt, beweiset. Wählen wir nun zunächst: mm so findet sich sogleich in Pea 1, 1, dasselbe, als das non plus ultra aller religiösen Handlungen hingestellt. Ebenso Nedarim, 32 a Mitte von R. Eliäser ausgesprochen; und Berachot, 8 a pfn INM DVft rnte HDte bw niDN 'i uba inbiyn nnprib b i'n. Megilla, 28 b, Ende! note iWH te irrte DN NJH 'lDl ‘W NDH D^iyn p NW )b PIDDID Dem wird nun entgegengesetzt von N. Iochanan im Namen des R. Simon den JochG: miete -jnr min te ntym nten. Noch stärker wird dieser Widerspruch in Aboda Sara 17 b, Mitte: .mte b ]w »DD nemte minn. poiyn te oin di 'dni (Beschluß folgt.)