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Der Orient · 1844-05-14 · Heft 20 (14.5.1844) · p. Seite 154

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 20 (14.5.1844)
Date
1844-05-14
Page
Seite 154 (sequence 3)
Language
German
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154 düng der Berliner Schullehrer gegeben» Freilich hat Hr. B. als Jude, d. h. in dem Bewußtsein des Judenrhums, nichts gethan, und wenn Bauer es so meint, so hatte er vollkommen recht. Frankfurt a. M., 3. Mai. Hr. Kirchheim ist wieder bis auf Weiteres mit den hiesigen Orthodoxen überworfen. Das ist denn aber auch ein wunderliches, unerträgliches und unverträgliches Volk, mit dem nicht leicht ein Bündniß zu schließen ist. Lasten Sie sich die Geschichte in Kürze erzählen, sie ist charakteristisch! Seit vielen Jahren hatte der hiesige Verein zur Vertheilung von Brennholz unter den Israel. Armen sein Magazin auf einem der israel. Gemeinde angehörmden Platze und zahlte dafür, blos um der Gemeinde das Eigenthumsrecht zu reserviren, einen unbedeutenden Miethpreis. Durch den Bau des neuen Schul- und Gemeindehauses sah sich nun der Vorstand genöthigt, dem Verein den Platz zu kündigen. Die HH. Raph. Kirchheim und Jak. Baß, die zwei thatigsten Mitglieder der Verwaltung des „Holzvereins", hatten nun die schwierige Ausgabe, einen andern Platz für das Magazin aufzutreiben, der 1) geräumig genug, 2) sicher gegen Entwendung, 3) nahe genung an der Stadt fei, um den Armen das Holz durch die sehr wohlfeilen Stadtfuhren („Einzelner") an's Haus führen zu können und nicht zu den äußerst kostspieligen Extrafuhren seine Zuflucht nehmen zu müssen —- und der endlich4) keine die Kräfte des Vereins übersteigenden Miethpreis koste. Letzteres war nun eine ebenso schwierige als unerläßliche Bedingung, da ein ähnlicher Platz hier nicht wohl unter 40 60 Karolin jährlich zu haben ist, die jährliche Einnahme des Vereins jedoch nicht 1200 fl. übersteigen. Die HH. K. und B. wendeten sich an den Vorstand und baten um Zuweisung eines neuen Platzes. Der Vorstand bot darauf dem Verein einen alle erforderlichen Requisiten in sich vereinigenden Platz innerhalb der Ringmauer des ehemaligen — seit 1828 geschlossenen — Friedhofes an, und zwar zunächst dem Eingänge, an dem Orte, wo sonst die DnDD (das erstgeborene männliche Rind- und Kleinvieh) eingescharrt wurden. Die nöthigen Zurüstungen, Umzäunungen rc. erbot sich der Vorstand, aus Gemeindekosten vornehmen zu lassen. Das Anerbieten wurde sofort acceptirt und auch von Seiten des Vorstandes waren die nöthigen Vorkehrungen bereits getroffen, als aus einmal sich ein Zetergeschrei über Entweihung der Gräber (?), welche HNOrn "HDN seien, erhob und sofort etwa 20 Mitglieder erklärten, sie würden-nicht etwa auf ihre Kosten einen andern Platz nnethen, was sie, als sehr reiche Leute, wohl thun könnten — sondern sie würden, wenn man, das Magazin auf den ehemaligen Gottesacker verlege, die Armen dafür bestrafen, indem sie ihre Beiträge nicht ferner zahlten. Daß auf dem Platze keine Gräber von Menschen sind; daß die Möglichkeit, es könne einmal hier ein Mensch beerdigt worden sein, auch fast ebenso von einem andern Platze angenommen werden könnte, daß der NttvN Wn nur vom Gr abe, also von dessen innerer Höhle, nicht aber von dem Raum über demselben gilt; daß man zu Gunsten von n>T\ •ois und mso in der rabbinischen Praxis entscheidet; daß überhaupt nsip Dpisn als nm 'Cm zu betrachten ist, auf welche ein n*on “iiow gar keine Anwendung leidet — alle diese Gründe reichten nicht hin, um den Eifer einiger Laien, welchen der Spruch: „Ton pND Dy nV' unbekannt ist, zu beschwichtigen — und was den nur noch mit Einem Fuße im Rabbinat stehenden Hrn. Trier betrifft, so würde Hr. K. ihm wohl gerne die rtavitf unterbreitet haben, wenn er nicht, im Interesse der Armen, die bekannte Maxime des Hrn. T. gefürchtet hatte, wornach dieser geistliche Herr, um sich die Mühe einer gründlichen kasuistischen Untersuchung zu ersparen und jedenfalls mjnn bi nsw zu sein, „iODini p a $ fettt", weil dies „auf keinen Fall was Unrechtes" sei. — So stehen die Sachen jetzt; auf die Reis-, Zucker-, Reform- und Beschnndungsfragen ist jetzt eine Holzfrage gefolgt, in welcher nun auch einmal die Ute orthodoxen die Heiligkeit der Gräber bis zu deren subtilsten Konsequenzen aufrecht erhalten wissen wollen, nachdem die Koryphäen derselben Partei erst kürzlich bei Gelegenheit des Tumults auf dem Friedhofe zu Bceslüu diese nämliche Heiligkeit in Abrede gestellt haben - weil es eben damals so dienlich war und auch düs Recht des lieben Schulchan Aruch eine wächserne Nch zu haben scheint. Also die Holz frage! — „lnrai rfoD w pm". Die Verwaltung des „Hch vereins" hat nun in ihrer neuesten Plenarsitzung ihm sämmtlichen Mitgliedern zur Pflicht gemacht, sich binnen 14 Tagen um einen andern Platz umzusehen, der die erforderlichen Eigenschaften hätte und — nicht mehr als 200 fl. jährlicher Mielhe koste! Was man nicht Alles suchen muß, wenn man Vorsteher eines Vereins ist! Ob sich aber hier der neutestamenrliche Spruch: „Suchet, so werdet ihr finden!" bewähren wird, ist mehr als zweifelhaft — und dennoch ist es noch weit eher möglich, als daß unsere starrfrommen pNH wy sich eines Bessern belehren lassen. Verlia, 26. April. Der Kampf der Opposition gegen den Gemeindevorstand, wegen der Berufung des Dr. Sachs, wird nur ein kurzer, und der vorauszusehende Sieg des Vorstandes leicht sein, da die Opp^ sition nicht, wie bei der Berufung Frankel's, so kompakt ist, auch nicht so stackes Recht zur Grundlage hat, und da von der andern Seite, wo die eben gemacht Erfahrung lehrreiche Eindrücke zurückließ, ein vorsichtigeres, berechnenderes und freieres Verfahren beobachtet wurde. Auch ist man wegen der persönlichen Eigen-

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