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Der Orient · 1844-05-07 · 19 (7.5.1844) · p. Spalte 291-292

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
19 (7.5.1844)
Date
1844-05-07
Page
Spalte 291-292 (sequence 2)
Language
German
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291 Studien. Methodik des Talmuds. 292 Methodik des Talmuds. Etwas über das Berhältniß der Adäquation des talmudischen Ausdrucks zu dem damit bezeichneten Begriffe. Von M. Schwnrzauer. Je mehr wir über diesen Gegenstand nachgedacht, desto wichtiger erschien er uns, desto entschiedener wird es, daß gerade die möglichst klarste Darstellung der Relation des talmudischen Begriffs zu dessen Ausdrucksweise, eine conditio sine qua non für jede Darstellung der talrnudisch-biblischen Exegese sein muß. So lange man hierüber noch nicht in's Klare gekommen, wird man fortwährend in die größten Jrr- Lhümer verfallen, und die schreiendste Ungerechtigkeit gegen die Wahrheit wie gegen die Manen unserer Neligionslehrer begehen. Es ist, als, wollte Jemand den Geist einer Sprache, oder der Weltgeschichte beurtheilen, ohne den Sprachschatz zu verstehen, ohne die Data der Volkerbegebenheiten in sich ausgenommen zu haben. In Betracht dieser Wichtigkeit nun sind wir daher für jetzt nicht im Stande, den Gegenstand, welcher eine selbstständige Monographie in Anspruch nimmt, zu erschöpfen; wir wollen vielmehr einerseits nur Winke und Materialien ffür einen spätern Bearbeiter desselben liefern, wenn uns die Vorsehung nicht mit besserer Muße begnadigt, und andrerseits einen neuen Gesichtspunkt eröffnen, eine festere Grundlage für fernere Bearbeitungen des talmudischen Geistes versuchen, und endlich zeigen, wie eben so vermessen als unkritisch es ist, wie von gänzlichem Mangel an tieferem Eingehen in den wahren Geist der talmudischen Lehrweise es bekundet,- wenn man, wie geschehen, mit einer beispiellosen Aengstlichkeit sich an das strikte Wort und den Ausdruck des Talmulds hält, bei Männern, die wohl die hohe Wichtigkeit ihrer Lehren und deren möglichen Misverstand im Bewußtsein hatten, indem deren ältestes Glied vielleicht im prophetischen Vorgefühl, die rabbinische Doktrin des neunzehnten Sa'kulums ahnend — schon lehrte (Abot 1, 11.) : OMN nD/N JvtelJN D’D tiynb fam, nfai min ninn ndi» , mnznn nmn Dt» nsdji ,iniv'i m'intt D'ton D’TD^nn w’i D’jn aber keineswegs, während man immer nur religiös Gleichgesinnten gegenüber lehrte und lebte, eine Zeit denken konnten, wo der Geist, dm ihre Worte bezeichneten, so abhanden kommen könne, daß das übrig gebliebene Wort, wie eine Mumie behandelt, einen fremden Geist empfängt. Wie das Kleid zu dem Körper und dieser zu seiner inwohnenden Seele, so verhält sich das gesprochene Wort zu seinem belebenden Gedanken, welche Verschiedenheit noch wächst, wenn ein sichtbares Zeichen ihn veranschaulicht. Der Mensch ist daher in der Erkenntniß des Abstrakten, trotz seines unermeßlichen Fortschritts in allen Gebieten des Wissens, kaum weiter gekommen, als wie er vor Jahrtausenden gestanden. Nur die Darstellungsform, ist in fortwährendem Wechsel begriffen, nicht der innere Gehalt. Die Wahrheit a n sich bleibt ewig unveränderlich. Hingegen sind die Anschauungen der Abstraktion ebenso zahlreich verschieden, wie es Menschen gegeben und giebt. Mit der übereinstimmenden Auffassung eines in Worte gekleideten Gedankens ist es nicht anders. Daher die Unendlichkeit der Meinungsverschiedenheit unter den Menschen. Denn das Gedankenzeichen ist immer weniger ein des Autors Idee reproducirender, durchsichtiger Körper, als ein Spiegel, in welchem jeder Beschauer mehr sein Gedanken-Jch reflektirt. Daß diese Mangelhaftigkeit der menschlichen Mittheilungskraft mit der Sprachbildung ab- und zunimmt —- aber in ersterem Falle nur wie in der unendlichen Reihe der Mathesis pura ewig nur annähernd nie zielerreichend wird— lehrt die Entwickelungsgeschichte der Völker. Und ist schon nach Buffon der Styl der Mensch, so ist die Sprache überhaupt entschieden der untrüglichste Volkspsychometer. Der Reichthum wie die Armuth einer Sprache aber, zumal die der Alten, hängt vorzüglich von der geographischen Lage des Landes, von der Eigentümlichkeit des Berufes ab, dem sich ein Volk vorzugsweise gewidmet, und von der Mission, welche ihm als zusammenhängendes Glied in der Völkerkette, aus den Händen der Vorsehung geworden. Je mehr Socialität mit andern Nationen die Landeslage gestattet, je konkreter die Beschäftigungsart und der Volksberuf ist, desto größer die Kapacität zur Sprachbildung; je isolirter hingegen ein Land durch seine Lage wird, je abstrakter die Lebenstmdenzen der Einwohner sind, desto größer ist die Impotenz, die ihnen gewordenen Aufgaben durch die Sprache adäquat zu veranschaulichen. Den Griechen und Römern, welche in ihrem Volksleben die materiellsten Interessen verfolgten, das Reale des Erdenlebens rn ihrer Geschichte erstrebten, und so wirklich die sichtbare Achse der Weltgeschichte ihrer Zeit und eigentliche Grundlage der irdischen Institutionen der spätesten Generationen geworden, war ein unermeßlicher Schacht für die Bereicherung ihrer Sprache geboten. Die sichtbare Welt, den Inhalt ihres Geisteslebens füllend, bot selbst das angemessenste Zeichen zur Intuition der Mitteilung dar. Das israelitische Volk hingegen, dem gleichsam die Metaphysik als Volksmission gegeben ist, sie auf Erden zu verpflanzen, die beinahe unlösbare Aufgabe, die Abstraktion der Abstraktion in Realität zu verwandeln, und zur Erreichung dieses höchsten Zieles eine isolirende Gesetzgebung in einem isolirten Lande erhalten, mußte die größte Armuth und Mangelhaftigkeit in seiner Sprache finden. Diese Sprachimpotenz mußte das Judenthum in noch progressiverm Grade fühlen, als es in der Schule der Jdololatrie die wichtige Erfahrung gemacht, wie höchst Gefahr bringend, und unfehlbar gerade auf die dem beabsichtigten Ziele entgegengesetzten Abwege es führen muß, die höchsten Begriffe im Leben intuitiv — wie es eben der Polytheismus gerhan — zu vermitteln. Deshalb auch hat

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