Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1844)
- Date
- 1844-05-07
- Page
- Seite 151 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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151 I. siir sie zu verwenden; 3) darauf zu sehen, daß Kinder solcher Armen zu irgend einer Profession angehalten werden; 4) hei l den Behörden anzutragen, daß n) vagabondirende Juden in \ Heimath gewiesen werden, d) daß jede Gemeinde für ihre Armen sorge, c) überhaupt, daß den gesetzlichen Bestimmungen genau Folge geleistet werde rc. Res. gehört sicherlich nicht zu denen, die harten Herzens I sind, im GegentheiL kann er betheuern, daß er stets das regste ls Mitgefühl für seine armen Mitmenschen empfindet z aber eben i. gehört es zu seinen innigsten Wünschen, daß eine radi-? kale Kur gegen ein um sich greifendes von Generation zu i Generation sich forterbendes Uebel angewandt werde, und l damit auch hierdurch eine Schmach von Israel schwinde, die I sich nun einmal mit Worten nicht wegdcmonstriren laßt, und I lediglich aus einer zu weit getriebenen Humanität gegen die . Armen entstanden. Atter obiger Schattenseiten ungeachtet,; erduldet der oberschlesische Jude im Allgemeinen nicht jene j: Anfeindung und Zurücksetzung, wie dies in manchen Pro- I vinzen der Fall ist, im Gegentheil finden dessen Vorzüge und Verdienste, wo sie angetroffen werden, bei den Christen willige - Anerkennung. Am meisten läßt sich dies daraus entnehmen, daß in vielen Städten Juden durch die Wahl ihrer christlichen Mitbürger zu Magistrats- und Stadtverordneten-Mitgliedern | rc. häufig und wiederholt gewählt werden. So z. B. in |- Berthen, Kofel, Gu tten tag, Breslau (ein Kämjf MM), Lublinitz (ein Nathmann und ein Stadtverordneten- I' Vorsteher), Nikolai (woselbst ein Jude zum vierten Mal : , wieder erwählt wurde), Neisse (einProtokollführer), Pleß,! Rybn ick, Lost rc. Auch verwaltet seit 1812 indem Dorfe Aawade, Gleiwitzer Kreises, ungeachtet ein Ministerial-Neskr. dies untersagt, auf das beharrliche Verlangen der i Insassen, ein Jude den Posten eines Schulzen. Bedarf es wohl besserer Beweise dafür, daß der Jude | in der Meinung des Volkes eben so emancipirt ist, wie es j in den Nheingegenden der Fall, und wie manches harte Vor- | M'thcil wäre nicht längst schon geschwunden, wenn es nicht \ von oben herab beliebt hätte, gegen das Gesetz vom 11. März j[ 1812 Reaktionen eintreten zu lassen. — l Zum Schluffe meiner Mittheilung erlaubt sich es Res., \ nachstehende Rede, welche unter Anderm in einer zahlreichen [ Gesellschaft, die sich zur Feier des 25. Jahrestages der Städteerdnung versammelr hatte, von einem Juden gehalten wurde, s mitzutheilen, da solche am besten die oberschlesische Toleranz [■ ^zeichnen wird. Die Rede lautet: l -,Die heutige Feier gibt zunächst mir, dem einzigen l Nicht-Christen in dieser ehrenwerten Versammlung, Gelegen-! ' heit, auf eine der zahlreichen Wohlthaten hinzudeuten, welche ' aus der Städte-Ordnung erwachsen sind. Ich meine die re- * ü'giöse Duldung und Freiheit, ohne welche keine Staatswohl- ■ fahrt, kein Heil möglich. Der §. 19 der Städte-Ordnung tautet: Rang, Geburt und Religion, machen bei Gewinnung des Bürgerrechts keinen Unterschied. Hiermit hat der weise und menschenfreundliche Gesetzgeber, dessen Andenken wir alle hoch verehren, die Würde des Menschen unabhängig von seinem Bekenntniß gemacht, und über jene hartherzige Unduldsamkeit den Stab gebrochen, welche soviel Wehe über die Menschheit hervorgerufen; und tauchen auch noch veraltete Vorurthcile und Religionshaß auf, so ist dies gleichsam das Auflodern einer Flamme vor ihrem gänzlichens Erlöschen. Das Reich des Lichts und der Wahrheit gewinnt immer mehr Raum und muß ganz obsiegen. Wie es hierorts hinsichtlich der religiösen Duldung gehalten wird, kann ich vermöge meiner eigenthümlichen Stellung den untrüglichsten Beweis führen. Mit Freudigkeit spreche ich es aus: daß während meines 27jährigen hiesigen Domicils, ich meines Glaubens wegen nicht die mindeste Zurücksetzung unb Kränkung erfahren. Ja ich genoß das Glück, durch die freie Wahl meiner christlichen Mitbürger, und ohne daß ich es suchte, oder erwartete, sechs Jahre lang Mitglied der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung und bereits seit zehn Jahren mit dem Amte eines Magistrats-Mitglieds beehrt zu sein, während welcher Zeit ich mich der freundlichsten Begegnung und Zuvorkommenheit zu erfreuen hatte, welches gute Vernehmen auch nicht einen Augenblick getrübt wurde. Ich fühle mich gedrungen, für das mir gewordene Vertrauen und Wohlwollen meinen innigsten und lebhaftesten Dank hiermit bei dieser feierlichen Gelegenheit öffentlich auszusprechen, und aus der Fülle meines Herzens bringe ich folgenden Toast aus, auf das Wohl des Magistrats! der Stadtverordneten - Versammlung! und der gesammten Bürgerschaft! Möge unsere Stadt, wo so viel Biedersinn and Duldung herrscht, emporblühen, möge sie zu seltenem Flor gelangen. Aber auch die religiöse Duldung lebe hoch! diejenige Duldung, die nicht fragt: Bist du Katholik, Protestant oder Jude; sondern diejenige, welche aus vollem Herzen spricht: Haben wie nicht alle einen Vater, hat uns nicht derselbe Schöpfer geschaffen? So einfach diese Worte klangen, wurden sie doch mit vielem Beifalle ausgenommen, und sie beweisen hinlänglich, wie die kulturgeschichtliche und sociale Emancipation in manchen Provinzen längst vollendet ist. G. Oesterreich. Preßburg/ 6. April. Die General-Kongregation des Gomorer Komitats hat sich für eine vollständige Emancipation der ungarischen Juden ausgesprochen; jedoch die Klausel hinzugefügt, daß diese Freiheit oder Emancipation nur unter der Bedingung ertheilt werden könne, wenn die Israeliten sich mit den Christen amalgamiren. Es ist doch merkwürdig, welchen Ueberfluß an Bornirtheit und Geistesarmuth man noch zuweilen selbst in General-Kongregationen findet! Wie sollen dieJuden sich amalgamiren? Und wenn sie sich amalgamiren, wozu nützt ihnen die Emancipation der gnädigen Kongregation? Sollen die Israeliten Ungarns sich mit Christen in Familienbündnisse einlassen, so verbietet ja dieses das Gesetz; sollen sie sich taufen lassen, so brauchen sie ja die Kongregation nicht, um emancipirt zu sein. — Bei