Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1844)
- Date
- 1844-05-07
- Page
- Seite 152 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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152 dieser Gelegenheit will ich noch erwähnen, daß die Bestimmung ausgesprochen wurde, fremde Juden sollen nur gegen eine Abgabe von 6000 fl. das Jndigenal erlangen können. Prag, 4. März. (Verspätet.) (Prager israelitischer Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung für verschämte israel. Haus-Arme.) Es dürfte an der Zeit sein, eine Anstalt in Erwähnung zu bringen, die schon vor mehren Jahren gestiftet worden'"), der aber die Weihe einer öffentlichen Sanktion fehlte; die zwar manches Gute im Stillen wirkte, aber jeder Zufall auflösen konnte, nun aber durch hohe Genehmigung zu einer Prival-Anstalt erhoben wurde, — eine Anstalt, die den Namen Nächstenliebe-Verein zur Unterstützung für verschämte isr. Hausarme führt. Die Ausübung der Wohlthatigkeit gegen Arme, ist in der mosaischen Lehre mit den Worten sestgestellt: „Wenn -bei dir dein Bruder verarmt und seine Hand sinkt, so sollst du ihn unterstützen (3 M. 25, 36). Die natürliche Regung d?s menschlichen Herzens erleichtert die Befolgung dieses göttlichen Gebotes, und verwandelt die Uebung dieser religiösen Vorschrift in eine freiwillige liebesdienstliche Handlung. Es ist bekannt, daß öffentliche Armenhäuser den Damm gegen zudringliche Bettelei und ihre schädlichen Folgen bilden; die freie Wohlthatigkeit aber soll nicht dem Müßiggänge die Bahn ebnen, nicht der Trägheit die Herberge öffnen und unwürdigen Menschen ein Faulbett aufschlagen, sondern den sittlichen Armen unterstützen und erhalten, der den Namen ,,Bruder" verdient und dessen sinkende Hand zur Arbeit unfähig geworden. Würdige Arme sind in der Regel verschämt, vermeiden wo möglichst die Schaustellung ihrer Armuth, und wagen kaum ein leises Anpochen an milde Herzen. Diese in ihren Wohnungen aufzusuchen und ihnen von Zeit zu Zeit eine Unterstützung zu bringen, ist die Absicht dieses konstituirten Vereins. Dieser Verein, dessen Idee und Realisirung der jüngeren Generation unserer Gemeinde angehört, der am 19. April 1841 (als am glorreichen Geburtstage Sr. Majestät unseres allergnädigsten Kaisers) ins Leben trat, folglich schon drei Jahre bestehtzahlte bei seiner Gründung 368 Mitglieder, umfaßt jedoch durch rege Theilnahme gegenwärtig die Zahl von 563 Der Fond dieses Vereins' bildete sich aus der äußerst geringen Einlage von monatlichen 10 Tr. CM. für die Person. Wie aber aus den kärgsten Mitteln durch weise Oekonomie ein genügendes Resultat erwachsen kann, sv reicht das Erträgniß dieses so mühsam gebildeten Unterstützungs- *) Dem Verdienste seine Kronen. Den ersten Grundstein zu dieser Brüderschaft legten die Herren Ignatz Gerstel, Simon Gerstel, Moritz Neustadt! und Ignatz Schütz. Mitstifter: Herr vi. med. et chir. Schütz. fondes hin, jedem Haus-Armen nach Maaßgabe seiner Dürftigkeit mitunter auch nahmhafte Beiträge zukommen zu lassen, und so war der Vorstand dieses philantropischen Instituts in der angenehmen Lage, im letztverflossenen Jahre 910 fl. 44 X. CM. vertheilen zu können, jene namhafte Summe abgerechnet, die jährlich, mithin seit 3 Jahren, laut Statuten als Fondkapital fruchtbringend auf die Seite gelegt wurde, um hierdurch der Zukunft bedeutendere Leistungen zu sichern. Der Leiter resp. permanente Direktor dieses Vereins ist der rühmlichst bekannte prakt. Arzt Dr. med. et cliir. A. Kacpeles, der mit rastlosem Eifer, stren: ger Rechtlichkeit und Ordnungsliebe ohne Interesse und Nebenabsichten den Verein so schön förderte und seiner Vollkommenheit zuführte; überdies sind diese mannigfaltigen Verdienste dieses Mannes um die leidende Menschheit überhaupt und um die der hierortigen % raeliren-Gemeinde insbesondre so einstimmig anerkannt, daß selbe keiner weiteren Aufführung bedürfen. Aus diesen Rücksichten fand sich der weite Ausschuß dieses Vereins (bestehend aus 20 Mitgliedern) verpflichtet, obbesagtem Direktor bei Gelegenheit ihres nunmehrigen Austrittes*) im Namen der Unterstützten eine Dankschrist zukommen zu lassen. Diesen feierlichen Akt der Dankbarkeit beging der weite Ausschuß am 23. Januar l. I., Abends 5 Uhr in Gegenwart des Gemeindevorstehers und Protektors dieses Vereins Hrn. M I. Landau und sämmtlichen Gliedern des engen und weiten Ausschusses. Der Repräsentant des Letztem, Herr Wundarzt Klauber, hielt an den Direktor eine der Feier der Versammlung entsprechende kurzgefaßte Rede, worauf er demselben eilte von ihm verfaßte von Enseles kaligraphisch ausgestattete Dankfchrift mit der Bitte überreichte, noch fernerhin eben so energisch und thakenreich für den Verein wirken zu wollen als es bisher der Fall war. — Der erfreute Direktor übernahm die ihm gewidmete Zuschrift, und äußerte, sein Streben fernerhin unabläßig dahin zu richten, das Beste des Instituts um so mehr zu befördern und dessen Wohl stets vor Augen zu haben — eine sich selbst auferlegte Pflicht, die durch ihm schönen Zweck geheiligt ist! — Möge ein jeder edeldenkende Wohlthäter die Wirksamkeit dieses Vereins, dessen Devise: Liebe deinen Nachsten wie dich selbst, seinen edlen Zweck bezeichnet, mchdrücklichst fördern, und den Fortbestand gleich gegenwärtig in der Periode seiner Entstehung durch zahlreichen Beitritt sichern, damit dieses mit nur geringen Kräften begonnene Institut eine noch größere Ausdehnung und Wirksamkeit gewinnen könne! K. *) Da alle drei Jahre neue Ausschußmitglieder durch das Loos gewährt werden» Verlag von C. ü. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.