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Der Orient · 1844-05-07 · Heft 19 (7.5.1844) · p. Seite 148

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 19 (7.5.1844)
Date
1844-05-07
Page
Seite 148 (sequence 7)
Language
German
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148 Ortes angehört, noch mehr aber in der, durch die neueste Zeit auch hier bestätigte Erfahrung anderer Städte, daß die jüdische Bevölkerung lavinenmäßig rasch steigt, hat sie einmal festen Fuß an einem Orte gefaßt, ja daß schon eine mäßige Anzahl jüdischer Einwohner hinreicht, einer Stadt das Gepräge einer hebräischen zu geben. Wir haben uns daher zur gerechten Frage verpflichtet gehalten, ist jene rasche Zunahme der hiesigen jüdischen Bevölkerung für die Kommune Grünberg eine wünschenswerte, gleichgültige oder betrübende Erscheinung und bedingt solche Verwaltungs - Maaßregeln irgend einer Art? Die Zeiten sind, Gott sei Dank, vorüber, wo die Nähe des Judenthums überhaupt für eine unheilbringende gehalten und Handlungen der ungerechtesten Unmenschlichkeit gegen die armen Mitglieder desselben darauf begründet wurden. Der gebildete Christ erkennt den Juden als seinen Mitbruder um so freudiger an, als der erhabne Stifter seiner Religion aus der jüdischen Nation hervorgegangen, als die christliche Religion aus der jüdischen gleichsam fundirt ist, das neue Testament zur Erfüllung und Verherrlichung des alten gedient hat. Er erkennt ferner mit bereitwilligster Gerechtigkeitsliebe die gewöhnlichen Vorzüge der Juden an, als da sind: Nüchternheit und Enthaltsamkeit, Sparsamkeit, geistige Ausdauer, raschen, treffenden Ueberblick u. s.w.; er giebt zu, daß Mehreres davon dem Christen, namentlich dem von Natur zum Pflegma und zur Völlerei geneigten Deutschen zur eifrigsten Nachahmung dienen könnte und möchte. Doch kann der gebildete Christ auch andrer Seits die Schattenseiten seiner jüdischen Mitbürger nicht verkennen, als da sind: Scheu vor jeglicher körperlichen Anstrengung, Jagen nach Geld und Geldeswerth, als seien diese vergänglichen Güter Zweck, nicht Mittel des irdischen Lebens, ein daraus folgendes herzloses Absehen vom schönen christlichen Grundsätze: „leben und leben lassen," endlich eine Laxheit der Grundsätze in Betreff erlaubter und unerlaubter Mittel zur Erlangung von Reichthümern, die in freier Konkurrenz mit dem Christen um so beklagenswerter wirkt, als der Christ derselben Mittel sich bedienen zu müssen glaubt, um im Kampfe ungleicher Waffen nicht zu unterliegen, wodurch wahrhafte Redlichkeit in der Handelswelt immer mehr zur Seltenheit wird. Bot das Judenthum, wie seine Bekenner behaupten wollen, eine vollendete zum genügenden Heil führende Sittenlehre, wozu bedurfte es Christi? — Gerade, weil dies nicht der Fall war, die jüdische Nation vielmehr durch Mängel und Msbrauch ihres Glaubensbekenntnisses an den Rand des Abgrundes gebracht war, erschien Christus mit seiner erhabenen himmlischen Weisheit, nützte allem Volke. Und so ist es auch bis heut geblieben; der Jude kann vermöge der lückenhaften Sittenlehre, die das alte Testament und der Talmud ihm bieten, unmöglich die Stufe veredelnder Bildung erreichen, zu der das Christenthum seine Bekenner leitet. Einzelne Beispiele des Gegentheils beweisen um so weniger etwas, als dann die Juden gewöhnlich nur dem Namen nach noch Juden sind, der That nach aber christliche Grundsätze in sich ausgenommen haben. Kein leidenschaftslosdenkender Jude wird diese Vorzüge des Christenthums leugnen. Ist dies unumstößlich der Fall, so folgt in moralischer Beziehung, als über allen Zweifel erhaben, daß die Ausdehnung des Judenthums in einer christlichen Kommune nicht wünschenswcrth, nicht gleichgültig, vielmehr eine sehr betrübende Erscheinung ist. Mag immerhin das Judenthum an Aufklärung fortschreiten, das Christenthum thut es auch und nie wird jenes dieses in seiner erhabenen Vortefflichkeit erreichen. Daher ist es für den sittlich denkenden Einwohner Grünbergs höchst betrübend, sieht er die hiesige Kommune bedroht, aus einer christlichen eine jüdische, und ebenso, da die Juden auch als Nation gänzlich unvermischt bleiben, aus einer deutschen eine hebräische zu werden. Ab der Kommune in pekuniärer Hinsicht Vortheile daraus erwachsen, muß ihr, so lange ihr Theuerstes, ihr christlicher, nationaler Charakter gefährdet ist, gleichgültig sein; doch auch hier dürfte nicht Alles befürwortend sprechen, da die Belebung hiesiger Luchmanufaktur durch das fernere Zuziehen jüdischer Händler nicht gerade gewinnen, ja solches sogar benachtheiligend auf unsere gegenwärtigen jüdischen Mitbürger einwirken möchte. Zu diesem Resultate innigster Ueberzeugung gelangt, und uns wohl bewußt, daß wir neben den Pflichten gegen unsere jüdischen Mitmenschen auch ssolche gegen unsere christlichen Nachkommen haben, ersuchten wir den hiesigen Magistrat unterm 10. November p.: „von jetzt an keine irgend gesetzlich zulässige Maaßregel schonen zu wollen, um der ferneren Aufnahme zuziehender Juden in unsere Kommune ein Ziel zu setzen, hauptsächlich aber dem hohen König!. Ministerium des Innern die Bitte submittiren zu wollen, es möge durch das im Werke seiende neue Judengesetz keiner Stadtkommune ein unbedingter Zwang für die Reception von Juden auferlegt werden. Die dem Judenthume erwiesene Liberalität der neueren Gesetzgebung dürfe wohl nicht mit minderem Rechte auch vom Christenthume in Anspruch genommen und jeder christlichen Kommune gerechter Weise die Willensfähigkeit geschützt werden, den ihr theuer gewordenen christlich-deutschen Charakter in seiner Reinheit sich bewahren zu dürfen» So lange das Gesetz nicht den Muth habe, — was allerdings nicht früh genug gewünscht werden könne zur Erlaubniß ehelicher Verbindungen zwischen Juden und Christen, versteht sich mit unbedingtem Vorbehalte christlicher Erziehung der Kinder, fortzuschreiten, so lange die gemeinschaftliche Schulerziehung von jüdischen und christlichen Kindern nicht angeordnet, vielmehr vermieden werde, eben so dürste das Judenthum in Preußen ein Staat im Staate bleiben und einer Schlingpflanze gleichen, die zwar zur äußern Belebung des Baumes, an dem sie sich hinaufgewunden, beitrage, dies jedoch nur auf Kosten seines Herzmarkes, seiner kostbarsten Eigenthümlichkeit, thue. Auch der eifrigste Menschenfreund, schöpft er sein Urtheil nicht aus der Studirstube, sondern aus dem praktischen Leben, könne das gegenwärtige

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