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Der Orient · 1844-04-30 · 18 (30.4.1844) · p. Spalte 285-286

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
18 (30.4.1844)
Date
1844-04-30
Page
Spalte 285-286 (sequence 7)
Language
German
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285 Kritiken. Die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed 283 Talmud und Midrasch für die Bibelkritik noch sehr wenig benutzt sind, und sich noch viel aus denselben schöpfen ließe. Schriften zur Erläuterung Philo's. Es ist eine schöne und erfreuliche Erscheinung unserer wissenschaftlich regen Zeit, daß die christlichen Theologen nun auch die hellenistischen Werke der Juden, namentlich die unseres Glaubensgenossen Philo, der bekanntlich die ganze dem Christenthume unmittelbar angrenzende Zeitrichtung repräsentirt, zum Gegenstände ihrer exegetischen Forschungen auswählen. Zu solchen exegetischen Versuchen rechne ich nicht blos die vorliegende Schrift Müller's, die, in dem vielfach befahrenen exegetischen Gleis, Philo's Buch von der Weltschöpfung auslegt und mit vieler Gelehrsamkeit erläutert, sondern auch D äh ne 's „Abhandlung über die Schriften Philo's" in den theologischen Studien und Kritiken 1833, S. 984 ff. z Friedrich Cc e u zer's „Abhandlung über die Gebrechen der gegenwärtigen Beschaffenheit der philonischen Schriften" in den erwähnten Studien 1832. 1.; Großmann „de Judaeoruni disciplina.“ P. 1. II. 4; Goerike „de. schola quae Alexandriae floruit, cateclietica commentatio. P. j. II. Halle 1824—25. 8.; Desselben „de scholae Alexandrinac“ ete. Halle, 1828. 8.; Dahl's „Oiuestomatllia Philoniana“, Hamburg, 1800. 8.; Planck's „cominentatio de principiis et eausis interpretationis Philonianae“, Göttingen, 1806. 4»; Großmann's „de tlleoIoZiae Pkilonis lontibus et auctoritate“, Leipzig, 1829. 4, und desselben „de Pliiionis Judaei operum continua Serie et ordine chronol. comment.“ Leipzig, 1841.4$ I. Matter' s „essai historique sur l’ecole d’Alexandrie“. 2 Theile. Paris, 1820. 8.; D ä h n e's „geschichtliche Darstellung der jüdisch - alexandrinischen Religionsphilosophie". 2 Theile. Halle, 1834. 8», die alle zur Erläuterung Philo's beitragen. Zweiter: Bericht über die neuester» Leistungen der Kritischen Schule: Kerem Chemed VII. Der siebente Theil des bekannten Jahrbuches ist, wie bereits in diesem Blatte gemeldet wurde, nach langem Harren und Warten glücklich erschienen. Er steht in mancher Hinsicht seinen 6 Vorgängern nicht nach; wenn auch nicht in solcher reichen Mannigfaltigkeit, doch an Gehalt und innerm Werth jenen gleich. Zu den vorzüglichern Aufsätzen in dem vorliegenden Theile sind unstreitig die ersten vier zu zählen, worin zwei der geachtetesten Männer der neuhebräischen Literatur, Rapaport und Luzzatto, ihre Belesenheit und kritische Auffaffungsweise, — vorzüglich Ersterer, der überall als berühmter Vers, der gediegenen Biographien (in den Bikkure ha-Ittim) sich ehrenvoll kund giebt, — in gefälligem Gewände blicken lassen. Sehr interessant sind die von Luzzatto mitgetheilten handschriftlichen Schätze: von und an R. Ta m (pn geschriebene, rot^m Gedichte von Letzterem und von A. Jbn-Esra, rc. — Hier wäre der Ort zu bemerken, daß in dem Epigramme Ibn-Esra's an Tam, welches wir vollständig unfern Lesern mittheilen: Ejjrn 8k~d$? pzon 1djj 2rj2D2 K'tfn ninrw’j nicht sondern DJJ (wie QJJ in Deut. 32, 21) zu lesen sei, was er im Tone der Bescheidenheit geschrieben. Und somit fiele die, auf diesen Ausdruck gedründete lieblose, weithergeholte Deutung, die ihm in der gleich darauf folgenden Anmerkung zur Last gelegt wird, und zwar in einem sarkastischen Tone, — von dem berühmten Jbn- Esra weg. Im 4. Aufsatze R's, welcher unter Anderem eine Ehrenrettung Ibn-Esra's (warum aber nicht auch des DDEf)?') enthält, zeigt der Verf. in einem anmuthigen, beredten Styl seinen klaren zurechtlegenden und zusammenfassenden kritischen Scharfsinn und sein sinniges Benutzen der heterogensten Stoffe zu seinem Zwecke, sie wissenschaftlich befruchtend und belebend. Dies gilt in vielleicht noch höherem Grade von der in seinen Beiträgen, Brief 8 und 9, enthaltenen Entgegnung, worin er seine früher ausgesprochene und anscheinend motivirte Meinung wegen Antonin und R. I. Ha-Nasi (vn) neuerdings scharf und bestimmt verficht, und zwar gegen eine Einwendung von Dr. Jost (*on — Brief 6 enthält Zugaben zu der Lebensbeschreibung De' Rossi's (dwinH jd) von Dr. Zunz (Kerem Chemed VI.). — Der Brief 7 von Dr. Sachs, ist eine in Inhalt und Form verunglückte Predigt. Der Mann mag gut in deutscher Sprache schreiben, warum in einem nicht korrekt stylisirten Aufsatze sich der noch so billigen Kritik der Kenner preisgeben? und noch dazu in Prag, wo so mancher Meister des hebräischen Styles lebt und wirkt. Was soll und kann man zu Perioden, wie die folgenden sagen: --p^n (zu Deutsch: ich kann dich nicht leer ausgehen lassen) % Sollte man nicht glauben, einer der berüchtigten Schreiber sei wieder erstanden und lasse sich in seiner Sprache vernehmen? — Der ganze Aufsatz ist in Sinn und Einkleidung dieser angeführten Phrase nicht unähnlich. Indem wir den Brief 10 *) mit Stillschweigen übergehend, machen wir abermals die Freunde wissenschaftlicher Kritik auf Rap.'s Beurteilung der, von Luzzatto nach einem alten Mnskt. edirten Grabinschriften eines alten Got- *) Die Bestreitung einer für wahr anerkannten Ansicht über Jesaja enthaltend.

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