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Der Orient · 1844-04-30 · 18 (30.4.1844) · p. Spalte 277-278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
18 (30.4.1844)
Date
1844-04-30
Page
Spalte 277-278 (sequence 3)
Language
German
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Studien. Die Lppenheimer'sche Bibliothek. 278 277 Masse unerträglich wird und die Kuratoren dem Himmel danken werden, sie zu jedem Preise zu verkaufen. An Versteigerung ist gar nicht zu denken. Wer will den Katalog Nachdrucken oder gar übersetzen? Und der Verkauf möchte übel ausfallen — die rabbinische Literatur liegt hier ganz darnieder. Unter den Rabbinern soll kein einziger Gelehrter sein {?!). Unsere Orientalisten gehen aber nicht bis zum Rabbinischen, sonvern halten sich an die hebräische Bibel und ein bischen Chaldäisch." ") Vier Jahre später ruft Hartmann in der Leipz. Lit. Zeit, aus: „Möchten doch echte Gelehrsamkeit befördernde Männer wie Prof. Wilken in Berlin, Dr. Gesenius in Halle und die Herren Rösenmüller und Winer in Leipzig, die genannten wissenschaftlichen Schätze, die für den Preis von 1000 Stück Friedrichsd'or erreicht werden möchten, den an ihren Wohnorten befindlichen Universitäts-Bibliotheken zuzuwenden eilen, ehe sie dem Auslande zuwandern oder zu einer ewigen Einkerkerung verdammt werden." Ich komme jetzt zum fünften Akt des einmal echt deutschen Original-Trauerspiels, bei dessen Katastrophe der erstochene Geist der hebräischen Literatur ausruft: Pharao, Pharao, gieb mir meine Legionen wieder! Nachdem die größten Orientalisten ihrer Zeit, Wolf, Michaelis, Tychsen, Shnurrer, Hartmann, voy jüdischen Gelehrten wollen wir ganz schweigen, mit so übereinstimmendem Lob von der Sammlung gesprochen, nachdem Wilken, der selbst Orientalist war, öffentlich aufgefortert wurde, sie für Berlin zu gewinnen, trat dieser wirklich in Unterhandlung. Zuvor holte er noch die Urtheile von Gesenius ") und Bellermann ein, und als diese günstig ausfielen, bot man—•- doch Figaro sagt: „das Weitere verschweig' ich!". 2000 Th lr. ist wahrscheinlich der Pergamentstoff für den Goldschläger werth! Wilken, so sehr ich auch sein Andenken verehre, muß ich hier als den starken Mitschuldigen anklagen an dem unersetzlichen Verluste! Kein Fürst war so leicht für einen wissenschaftlichen Zweck zu interessiren als der hochselige König; bei einer von gutem Willen gearbeiteten, lichtvollen Darstellung der Sachlage hätte der fromme Monarch nicht angestanden, eine Literatur zu bereichern und zu heben, deren Kunde in so -wechselwirkendem Zusammenhänge mit der Kunde christlicher Sitte und Schrift ist. Aber es liegt noch ein Hintergrund (urrivre pensev) da, den Sie, lieber S., so gut wie ich kennen, und bei welchem ich mich vorläufig wieder an besagten Figaro halten will. Im Jahre 1826 endlich war die Sammlung von allem 13) Der gute Ebeling könnte dies heute im Grabe noch von den meisten Professoren an den Universitäten sagen. 14) Im Jahre 1840 sagte mir . Gesenius vertraulich: hätte ich damals die rabbinische Literatur so gekannt wie jetzt durch Zunz und —, bic Oppenh. Bibl. wäre bei uns geblieben. und hätte sie -das Ministerium nicht gekauft, ich Härte sie privatim gekauft! Arrest frei geworden, und es erschien ein nach Fächern geordneter Katalog in hebräischer und lateinischer Sprache. Die Bücher waren damals in einem besonderen Saale beim Antiquar Schwormstaedt aufgestellt. Es wurde erklärt, daß, wenn innerhalb zwei Jahren sich kein Käufer des Ganzen aus freier Hand fände, man zur Vereinzelung auf dem Wege der Auktion schreiten würde. Jetzt galt es, eine unbedeutende Anstrengung zu machen und die MichaelisscheHoffnung aus die Söhne Abraham's zu erfüllen. Doch ach, ich ' befolge, wie man weiß, Figaro's Rath. Wenn ich die strafbare Indolenz der Berliner Juden hier verschweigend übergehe, so ist es mir eine Herzensberuhigung, ja eine Liebespflicht, einen Mann aus ihrer Mitte zu rufen, um Dankesworte auf sein Grab zu legen. Es ist der von den hochgestelltesten Christen als edler Mann gepriesene Stadtrath David Friedländer"). Da er allein die Mittel zum Ankäufe nicht opfern konnte, entwarf er den Plan, eine kleine Aktiengesellschaft dafür zu bilden. Er selbst Unterzeichnete mehrere Aktien ü 50 Thlr., fand auch noch einige Nachahmer zu einzelnen Aktien, aber nur einige! „Ist kein Iacobsohn, ist kein Zunz da?" werden Sie ausrufen; aber nur Geduld! Zunz ist der Letzte, der bei solchen Dingen die Hand in den Schooß legt. Er setzte die großen Vortheile des Erwerbs aus einander und ließ es an Belehrung und Zureden nicht fehlen, aber die Ohren, die an den Klang des Goldes gewöhnt waren, blieben hier taub. Er reiste eigens zum Besuch der Sammlung nach Hamburg und knüpfte von dort aus durch eine aus seinem Verhältnisse zur Redaktion der H. und S. Zeitung erwachsene Bekanntschaft mit Dr. S. Verhandlungen mit der Königl. Bibliothek an. Vergebens! Seine Hoffnung ruhte nur noch auf dem einzigen Juden, der eben so große Mittel als Theilnahme für alles Großartige harte, auf dem nobeln Jacobsohn; er eilt von Hamburg zurück und findet diesen einzigen Mann als Lerche-! Das Weitere ist Ihnen bekannt. Die Bodleiana gab 9000 Thlr. und führte 1829 im Triumphe die kostbare Beute davon! 16) Er war Schwiegersohn des oben genannten Daniel, der schon im vorigen Jahrhundert die Opp.enheimer'sche Bibliothek erwerben wollte. Wäre unser gelehrter Freund, sein Enke!, schon damals mit der Königl. Bibliothek in Verbindung gewesen, er wäre gewiß von der bis zum Grabe warmen Begeisterung des Großvaters so Hingerissen worden, d.aß er Alles aufgeboten hätte, den Schatz für dieKönigr. Bibliothek zu haben. 18*

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