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Der Orient · 1844-04-30 · 18 (30.4.1844) · p. Spalte 275-276

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
18 (30.4.1844)
Date
1844-04-30
Page
Spalte 275-276 (sequence 2)
Language
German
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275 Studien. Die Lppenheimer'sche Bibliothek, 276 merken, als nachdem wir am 17. Februar in Hamburg angekommen waren. „Da mußte ich nun gleich Anstalten machen, daß er den folgenden Lag, des Sabbats ungeachtet-, die Bibliothek sehen konnte. Der Anblick machte einen angenehmen Eindruck auf ihn, er ließ sich eine Menge einzelner Stücke vorlegen und verweilte gegen zwei Stunden bei den (Büchern. Er ging auch bereits so weit, daß er 15,000 Gulden oder 3000 Dukaten dafür bot. Die Juden hatten freilich noch den Anschlag im Kopfe, den Moses Mendelssohn gemacht hatte, der sich nicht scheute, schriftlich zu bezeugen, die ganze Sammlung sey 50—60,000 Lhlr. werth. ai) „Allein das größte Hinderniß war dieses, daß der Eigenthümer in Prozeß verwickelt, und daß vom Magistrat in Hamburg schon im November vorigen Jahres ein Dekret ergangen ist, der Besitzer sollte die Bibliothek nicht veräußern können, bis zu Austrag der Sache. Dieser Umstand kam dem Herzog sehr ungelegen, dessen hauptsächliche Unterhaltung immer gewesen ist, die große Bibliothek in Stuttgart immer noch mehr zu vergrößern. Er meinte, ob man nicht von Magistrats Seite die Bibliothek mit dem Herzoglichen Siegel versiegeln möchte, damit ja nichts davon veräußert würde; man trug aber billig Bedenken, den Eigenthümer auf diese Weise zu beschränken." „Der Herzog kam von Schwerin aus zum zweiten Mal nach Hamburg, welches er anfangs gewiß nicht im Sinne hatte, und sing die Traktaten aufs neue an, erbot sich zu 18,000 Gulden und wünschte abermalen nichts mehr, als daß nur das Zimmer versiegelt würde; welches aber nicht geschehen konnte." „Auch auf dem Rückwege bezeugte er zu verschiedenen Malen, daß es ihm leid sei, die Sammlung nicht gleich auf der Stelle sein eigen gemacht zu haben." „So viel ich ihn kenne, wird er schwerlich von dem Vorhaben ablassen, es wäre denn, daß es durch ein anderes ähnliches verdrungen würde, wozu es aber keine Wahrscheinlichkeit hat." War es hier der Fürst, welcher es im Eifer für die Erwerbung der Bibliothek seinem Gelehrten zuvorgethan, so war es einige Jahre früher umgekehrt, wo der gelehrte Lychsen seinen Herzog von Meklenburg für den Ankauf gewinnen wollte. In einem Schreiben vom 8. Juli 1782 an den Mundschenk Cornelius sagt er: „Es sind über tausend alte hebräische Handschriften in dieser Bibliothek, die keine der größten christlichen Liblotheken besitzt. Wenn doch Serenissimus eine Vollmacht gäben, 11) Die Bibliothek des kürzlich verstorbenen Herzogs von Sussex wird eben jetzt für 100,000 Lhlr. ausgeboten, und steht anReichthnm sehr tief unter der Oppenheimer'schen. Mendelssohn hat, wie wir oben gesagt, nicht zu hoch berechnet, und wäre die Bibliothek jetzt noch verkäuflich, sie würde für diesen Preis Weggehen. Gerade seit 1829 hat eine große Umwälzung zu Gunsten dieser Literatur stattgefundm. diese Sammlung zu erhandeln, welches ihren höchsten Namen unter den Gelehrten aller Zeiten und den Ort, wo dieser Schatz aufbewahrt würde, unglaublich berühmt machen würde". Am 7. September desselben Jahres fuhr Tychsen fort: „Die Oppenheimer'sche Bibliothek habe ich (in Hamburg, wo sich dieselbe noch befindet) auch schon zweimal lange besucht. Diese Sammlung ist in ihrer Art die einzige und unter Brüdern (im Briefe fehlen hier zwei Zahlen) — 000 Thlr. werth. Die Handschriften haben an Anzahl, Güte und Schönheit in der Welt nicht ihres gleichen. Ihrer sind an zweitausend, eine schöner wie die andere, auf Pergament, Baumwollen und ander Papier. Die gedruckten Werke und Bücher sind an der Zahl 5000, sehr schön erhalten und zum Theil auf Pergament gedruckt. Nirgends trifft man eine so ausgesuchte rabbinische Büchersammlung beisammen. Glücklich ist die Universität, der diese Sammlung zu Theil wird. Denn sie kann dadurch atle Biblotheken in der Welt verdunkeln und ihren Namen unsterblich machen." So viel von dem Schicksale der Bibliothek bis 1786. Der Herzog von Würtemberg *-) vergaß sie bei dem sich zusammenziehenden Gewölk und den nachfolgenden Stürmen der Revolution, und andere Leute dachten auch nicht an diesclbe beim fortwährenden Getümmel der Kriege und der so schnell sich ersetzenden Umwälzungen. Man hörte nur dann und wann, daß in Hamburg viele Kisten voll schätzbarer hebräischer Bücher verpfändet liegen. Während der französischen Occupation Hamburgs war es ein Glück, daß sie nicht ausgestellt waren; die Franzosen hätten sie nach Paris geschlW. Vielleicht auch umgekehrt wäre es ein Glück gewesen, wenn Napoleon sie in dem liberaleren Paris aufgestellt hätte und die Alliirten sie nachher zurückgebracht hätten oder sich 60,000 Lhlr. vorn besiegten Feinde hätten zahlen laffen. Sollte sie einmal außerhalb des Vaterlandes kommen, so würde sich drr Wunsch der Gelehrten gewiß eher für die zugängliche Bibliotheque du Roi als für die schwerer zugängliche Bodleiana entschieden haben. Nachdem so die Nachrichten seit 1786 geruht haben, Heren wir erst 1819 wieder etwas. Der dafür sehr thätige A. L. Hartmann erhält auf seine Anfrage bei dem Hamburger Bibliothekar Ebeling den Bescheid eines die Sache führenden Rechtsgelehrten, daß die in 28 Kisten stets verpackte Bibliothek wahrscheinlich ganz gut erhalten sei und für 500 0 Lhlr. veräußert werden soll, wovon versteht sich, fahrt er fort, sich noch abhandeln laßt, besonders wenn sich Beschädigungen vorfinden. Hierzu schreibt Ebeling sellsu „Lassen Sie sich niche durch die 5000 Lhlr. Courant abschrecken, die sich wohl in Mark verwandeln laffen. Die Bibliothek steht seit so vielen Jahren eingepackt zum Berkach daß die Miethe für die Zimmer, welche sie ausuehmerr, der 12) Herzog Karl Eugen war katholisch, hatte auch W viel Geld für feine SoldaLenspiele nöthig gehabt, und es iß um so mehr seine Neigung für diese Bibliothek zu bewundern.

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