Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-04-30 · 18 (30.4.1844) · p. Spalte 273-274

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
18 (30.4.1844)
Date
1844-04-30
Page
Spalte 273-274 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890817--3526-3530281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Meratnrblatl des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M .18. Leipzig, den 30. April 1844. Inhalt. Studien. Die Oppenheimer'sche Bibliothek. Von F. Leb recht. (Schluß.) — Bibliographische Notiz über verschiedene Ritualien und besondere Gebetsammlungen. Von L. Dukes. (Forts.) — Lit. Analekten. Der Meturgeman. Asmachta. Talmudjsche Bibelvarianten. Von I. Einhorn. — Kritiken. Zweiter Bericht über die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed. Von L-—s. — Literarische Ankündigungen. Die Oppenheimer'sche Bibliothek. (Schluß.) „Die anderen sind Könige und Fürsten: freilich nicht aus eben dem,Lader doch aus einem anderen Patriotismus für die Wissenschaften. Wirklich, von denen hoffe ich am meisten und setze nur noch hinzu, daß, wenn die Sache recht angesangen würde, sie in gewissen Ländern auch wohl kameralistisch nützlich und der Kauf aufs künftige sehr erträglich sein könnte." Welche Hauptstadt von Michaelis gemeint ist, läßt sich nicht schwer bestimmen, es ist das uns Beiden theure Berlin, dessen Juden damals wie jetzt die gebildetsten auf Gottes Erdboden waren. Wie aber diese, wie aber die Fürsten und Könige die auf sie gesetzten Hoffnungen verwirklicht, das werden wir gleich sehen. Bjornstähl in seinen Briefen (Bd. V. S. 299)°) erzählt: David Oppenheimer, ein Rabbiner zu Prag, hatte die allerälteste Handschrift der Bibel für seine Bibliothek an sich gekauft. Nach seinem Tode verpfändete der Sohn die ganze Bibliothek für 50,000 Thaler (? soll vielleicht Mark heißen) an einen Bürgermeister in Hamburg, und in dieser Stadt soll sie, in Kisten eingepackt, sich noch befinden. Man behauptet, daß gegen 2000 Manuskripte darin sind. Ein Jude zu Berlin, Namens Daniel, königlicher Faktor, hat sie käuflich an sich bringen wollen.8 9) 8) Uebers. von Groskurd, Leipzig und Rostock, 1782. 9) Dies ist wahrscheinlich Daniel CHalfan, dessen Nachkommen in Berlin noch leben; er besaß selbst eine der reichsten hebräischen Bibliotheken, die aber leider nach seinem Kode durch Diebstahl, Verschleuderung, Ratten und Unachtsamkeit zerstreut wü'rde. Wir werden später sehen, daß der Wunsch, die Oppenh. Bibl. für Berlin zu gewinnen, in seiner Familie sich fortpflanzte. Wir wollen nun die Urtheile über die Sammlung und die Abschätzung ihres Kaufwerthes aus verschiedenen Zeiten hier vorführen, da man ja daraus auf den Forschritt oder den Verfall der Literatur schließen darf. Um 1780 gab Moses Mendelssohn die schriftliche Erklärung an den Besitzer auf dessen Befragen, daß die Sammlung 50 — 60,000 Lhlr. werth sei. Eigentlich, drückt er sich aus, könne er den äußeren Werth gar nicht schätzen, aber es müßten sich Männer finden, die obige Summe dafür zahlten. Der edle Mendelssohn schloß freilich hierbei nur von sich selbst; er würde gewiß diese Summe und noch mehr gezahlt haben, hätten seine Verhältnisse ihm erlaubt, sie zu kaufen. Aber diese Schätzung war vielleicht doch schuld, daß die Bibliothek nicht in Deutschland geblieben ist. Hören wir jetzt einen glänzenden Versuch, der gemacht wurde, um die oben ausgesprochene Hoffnung Michaelis in Hinsicht auf die Fürsten zu realisiren; der berühmte Schnurrer erzählt in einem Briefe an Lychsen vom April 1786 Folgendes.:10) „Vielleicht wissen Sie auch schon, daß der Herzog (von Würtemberg) große Lust gehabt, die Oppenheimerische Bibliothek zu erhandeln? Die Sache verhält sich eigentlich so: der Herzog hat, ich weiß eigentlich nicht von wem, von dieser jüdischen Bücher-Sammlung gehört, und ich bin sehr geneigt, zu glauben, dieser Umstand sei es, der ihn bestimmt habe, die Reise, welche er immer über den 11. Februar, seinen Geburtstag, anzustellen pflegt, diesmal nach Hamburg zu richten. Gegen mich ließ er von dieser Absicht nichts ver- 10) Ich folge hierbei dem Aufsätze Hartmann's: Ueber die berühmte, in ihrer Art einzige Sammlung von.... D. Oppenheimer, im 6. Band der Zeitschrift Iedidja. Berlin, 1820—21. 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.